Ein Leben für die Schimpansen

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Von dpa

Mi, 03. April 2019

Panorama

Die Forscherin Jane Goodall wird 85 Jahre alt / Noch immer setzt sie sich für den Schutz der Tiere und der Natur ein.

LONDON (dpa). Menschen unterscheiden sich von Tieren dadurch, dass sie Werkzeuge benutzen – davon gingen Naturforscher in den 1960er-Jahren aus, bevor Jane Goodall mit ihren aufsehenerregenden Beobachtungen die Wissenschaft aufrüttelte. Am heutigen Mittwoch feiert die berühmte Verhaltensforscherin ihren 85. Geburtstag.

Geboren wurde sie als Valerie Jane Morris-Goodall in einer britischen Mittelschichtsfamilie – der Vater Ingenieur, die Mutter Schriftstellerin. "Ich wollte mit wilden Tieren leben und Bücher darüber schreiben", erzählte Goodall der Zeitung Guardian. Doch die Leute sagten ihr, sie sei doch "nur ein Mädchen" und empfahlen ihr, Missionarsfrau oder Stewardess zu werden.

Über Umwege machte Jane Goodall ihren Traum wahr: Ihre Eltern konnten ihr kein Studium finanzieren, daher besuchte sie eine Sekretärinnenschule. Sie arbeitete als Kellnerin, um sich die Überfahrt nach Kenia zu finanzieren. Dort bewarb sie sich beim Paläoanthropologen Louis Leakey, der sie 1960 nach Tansania schickte, um mehrere Monate lang Schimpansen zu beobachten. Als die 26-Jährige ihr Lager im Gombe Stream Nationalpark am Rande des Tanganjika-Sees aufschlug, war ihre Mutter dabei, denn Frauen durften damals nicht alleine im Park leben. Am Anfang schien ihre Expedition ein hoffnungsloses Unterfangen zu sein: Über Monate erhaschte sie nur kurze Blicke auf die Menschenaffen. Als sie das Vertrauen der Schimpansen gewann, machte sie jedoch drei überraschende Entdeckungen: Einer der Schimpansen nagte am Kadaver eines Kleintiers. Das widerlegte die vorherrschende Annahme, dass Affen kein Fleisch fressen. Zudem benutzte der Schimpanse einen Grashalm, um Termiten aus ihrem Bau zu fischen. Damit bewies er, dass nicht nur Menschen Werkzeug benutzen – davon war die Wissenschaft bis dato ausgegangen. Und dann befreite der Schimpanse auch noch einen Ast von Blättern, um besser nach den Leckerbissen stochern zu können – und stellte damit Werkzeug her.

Jane Goodall hatte ohne jede akademische Ausbildung die Primatenforschung auf den Kopf gestellt. Ihr Buch "In the Shadow of Man" (1971) wurde in 48 Sprachen übersetzt. 40 Filme wurden über sie gedreht. Mitte der 80er gab Goodall ihre Forschungsarbeit im Naturreservat auf: "Ich merkte plötzlich, dass die Schimpansen verschwanden, die Wälder zurückwichen, schreckliche Dinge in der medizinischen Forschung passierten", sagte sie dem Guardian. "Ich wusste, dass meine Zeit gekommen war, etwas dagegen zu unternehmen." Mit Mitte 80 ist sie noch 300 Tage pro Jahr unterwegs, engagiert sich für Klimaschutz, Naturschutz und Umweltbewusstsein. Zweimal pro Jahr besucht sie Gombe, wo alles begann: "Ich vermisse es, im Wald zu sein. Wenn ich an die Beziehung denke, die ich mit den Schimpansen Flo und David Greybeard hatte – das war magisch, und es wird nie wieder zurückkehren."