Ein Provisorium für das Bürgerbüro

Ralf H. Dorweiler

Von Ralf H. Dorweiler

Fr, 19. Juli 2019

Rheinfelden

Wegen Umbauarbeiten sind die Mitarbeiter mit ihren Arbeitsplätzen in den Lesesaal der Stadtbibliothek ausgewichen.

RHEINFELDEN. "Wo geht’s hier zum Bürgerbüro?" Diese Frage stellt sich vielen Bürgern, die seit Ende Juni am Rathaus vor verschlossener Tür stehen. Dabei ist der Weg zum provisorischen Ausweich-Bürgerbüro bestens ausgeschildert. Amtsleiter Frank-Michael Littwin und sein elfköpfiges Team finden sich bis voraussichtlich Ende August im Lesesaal der Stadtbibliothek. Der Eingang dazu ist hinter dem Rathaus.

Drei Tage musste das Bürgerbüro Ende Juni geschlossen bleiben, in denen die Mitarbeiter mit Hilfe der technischen Dienste mit aller Einrichtung und den Akten in die Stadtbibliothek umzogen, genauer in den Lesesaal, der eine "ideale Übergangslösung" darstellt, wie Littwin es nennt. Seit 1. Juli läuft alles reibungslos, nicht selbstverständlich, wenn Telefone und Computer umgebaut werden müssen.

Kommt man vom hinteren Eingang in den Lesesaal, wird man an einer Infotheke empfangen und von dort zu einem der drei Serviceplätze geleitet. Es gibt einen Wartebereich für Besucher, weiterhin Plätze für das Standesamt und die Friedhofsverwaltung und Schreibtische abseits des Besucherbereichs, um dort separat arbeiten zu können. Trotz allem wirkt der Lesesaal immer noch großzügig.

Dafür wundert man sich im mittlerweile entkernten Bürgerbüro im Erdgeschoss des Rathauses, wie viel kleiner ein leergeräumter Raum einem vorkommen kann.

Früher gab es hier einen breiten Durchgang von der automatischen Einlasstür des Bürgerbüros zum Rathaus. Der hat Bürger dazu gebracht, das Bürgerbüro als Eingang zu anderen Ämtern zu begreifen. In der Folge kam es zu viel Durchgangsverkehr im Großraumbüro. "Es gab Zug, Lärm und Unruhe", schildert Littwin das Problem. Zudem war die Privatsphäre der Bürger nicht immer gewährleistet. Um sich in geschützter Atmosphäre zu besprechen, musste ein Besprechungszimmer umfunktioniert werden. Rund 20 Jahre ist es her, dass das Bürgerbüro als Aushängeschild des Rathauses eingerichtet wurde. Die Aufgaben haben sich in der Zwischenzeit geändert, was auch andere Anforderungen an die Arbeitsplätze mit sich bringt.

Neue Aufgaben für das Bürgerbüro

Die Möglichkeit des Durchgangs soll auch weiterhin gewährleistet bleiben, durch eine neue Inneneinrichtung möchte man aber weniger dazu einladen. Die Infotheke am Eingang des neuen Bürgerbüros soll kleiner dimensioniert sein als die frühere, und neben dem Großraumbereich sind weitere abgetrennte Büros vorgesehen, unter anderem wird der Amtsleiter ein mit Glaswänden abgetrenntes Zimmer haben, um auch einmal ungestört Gespräche führen zu können. Ein weiterer Raum wird benötigt, weil man eine neue Aufgabe übernommen hat: den Bereich Wohngeld. "Das sollte schon ein abgeschlossener Bereich sein", sagt Littwin. Ein weiterer – aus den gleichen Gründen – abgetrennter Bereich ist dem Standesamt vorbehalten.

Ende August soll das neue und auch moderner eingerichtete Bürgerbüro wiedereröffnet werden. "Im Moment sind die Handwerker voll im Plan", so Littwin. Wahrscheinlich wird es zum Umzug zurück erneut eine kurze Schließung des Bürgerbüros für zwei Tage geben müssen. Littwin und seine Mitarbeiter freuen sich schon darauf, die neuen Arbeitsplätze zu beziehen.

Die Infoinseln, die farblich von den Stadtfarben inspiriert Akzente setzen sollen, werden dann von geschwungenen, mobilen Holzelementen voneinander getrennt sein. Die Partner AG aus Offenburg, ein Spezialist für Architektur für Büros und Behörden, hat sich das in enger Kooperation mit den Mitarbeitern des Bürgerbüros ausgedacht. Rund 300 000 Euro hat der Gemeinderat für die Maßnahme genehmigt.

Bis das Bürgerbüro wieder an den alten Ort zurückziehen kann, bleibt zunächst noch etwas Zeit. Weil es unterschiedliche Öffnungszeiten von Bürgerbüro und Stadtbibliothek gibt, wurde der Lesesaal provisorisch abgetrennt. Haben beide Institutionen offen, bleibt eine Tür offen, damit man auch von vorne in den Lesesaal kommen kann. Aber die meisten scheinen der Beschilderung zu folgen. Ein Mann, der ins Bürgerbüro möchte, weil er gerade neu nach Rheinfelden gezogen ist, wundert sich gar nicht über den Standort. "Es sieht aus, als wäre das normal hier", sagt er.