150 Jahre Männerchor Elzach

Ein Sahnehäubchen als Schlussakkord: Konzert mit Vocapella

Kurt Meier

Von Kurt Meier

Mo, 02. Dezember 2019 um 14:06 Uhr

Elzach

Ein Konzert mit dem Chor Vocapella aus Limburg an der Lahn beendet das Jubiläumsjahr des 150 Jahre alten Männerchores Elzach fulminant.

ELZACH. Mit einem musikalischen Ausrufezeichen beendete der Männerchor Elzach sein 150. Jubiläumsjahr. Das Jubiläumskonzert am Samstagabend im bestens gefüllten Haus des Gastes bot Chormusik der unterschiedlichsten Facetten in einer Qualität, die man so in unseren Breiten nur selten zu hören bekommt. Dafür verantwortlich war nicht nur das Gastensemble Vocapella aus Limburg an der Lahn, sondern auch der gastgebende Männerchor Elzach unter Leitung von Sebastian Lau, der an diesem Abend eines seiner besten Konzerte präsentierte.

"Hessen geht Baden" hieß es augenzwinkernd in der Konzertankündigung des Männerchors Elzach in Anspielung auf den Herkunftsort des Gastensembles, die hessische Bischofsstadt Limburg an der Lahn. Doch "baden" – zumindest im übertragenen Sinne – ging an diesem Abend wirklich Keiner. Schon gar nicht die Vocapella, eines der besten Gesangsensembles Deutschlands. Seit Kindertagen kennen sich die insgesamt rund zwei Dutzend Sänger, von denen 16 nach Elzach gekommen waren. Denn sie alle haben ihre musikalischen Wurzeln in den Limburger Domsingknaben. Die Liebe zur Musik bestimmt ihre Freundschaft auch im Erwachsenenalter, obwohl sie alle im wahrsten Sinne des Wortes "in alle Winde zerstreut" sind. Das hindert sie aber nicht an regelmäßigen Probentreffen und einer Fülle von Auftritten im In- und Ausland. Die internationalen Tourneen des semi-professionellen Chores unter der musikalischen Leitung von Tristan Meister führen sie von Japan bis Südamerika. 2020 werden sie Deutschland bei einem internationalen Chorfestival in Neuseeland vertreten.

Die Verbindung zum Männerchor Elzach entstand durch einen ihrer Sänger. Tobias Arthen, damals junger Psychologiestudent in Freiburg, leitete fünf Jahre lang den Elzacher Männerchor als Dirigent. 2014 lockte Arthen seine Freunde schon einmal ins Elztal. Die daraus entstandene Freundschaft "ist etwas Besonderes für uns. Sie ist uns sehr viel wert", betonte Tristan Meister – verbunden mit dem Versprechen: "Wir waren nicht das letzte Mal hier!"

"Einen Querschnitt aus unserem Repertoire" werde man an diesem Abend vorstellen, so Tristan Meister, und schon beim Auftaktlied, "And Death shall have no dominion" des Litauischen Komponisten Vytautas Miskinis wurde deutlich, über welch gewaltiges Stimmvolumen dieses Ensemble verfügt. Paul Hindemiths "Nun, da der Tag..." gehörte ebenso zum Programm wie ein japanisches Regen-Volkslied mit dem Titel "Ame" – natürlich auf japanisch vorgetragen. "Lustig singen die Gesellen, doch es ist ein falsches Lied..." beschreibt Friedrich Silcher in seinem Lied "In der Ferne" das Heimweh – ein Highlight dieses Abends, dem noch weitere folgen sollten.

Geburtstagsständchen aus dem ganzen Saal

Eigens für Vocapella geschrieben hat der belgische Komponist Maarten van Ingelgem das Lied "Mouth full of birds" – ein ganz eigenes Klangerlebnis, das die Zuhörer im Saal nachhaltig faszinierte. Dass Vocapella auch mal ohne Dirigent auskommt, bewiesen sie mit einem Überraschungsständchen für Tobias Meister anlässlich seines kürzlich gefeierten 30. Geburtstages. Da ließen sich auch die Zuhörer nicht zweimal bitten und so erschall ein fröhliches "Zum Geburtstag viel Glück" aus vielen hundert Kehlen.

Überhaupt: Der Humor kam bei diesem Auftritt auf keinen Fall zu kurz, und dass alte Volkslieder in neuem Gewand auch ganz peppig daher kommen können, bewies Vocapella mit ein "Jäger längs des Weihers ging" aus der Feder des jungen Komponisten Alwin Michael Schronen oder der Humoreske von Georg Kreisler "Mein Weib will mich verlassen..."

Programmauftakt und -schluss gestaltete der Männerchor Elzach, teilweise begleitet von Klaviermusik und einem Streichquartett. Mit "Klänge der Freude" war das Motto eines Abends gesetzt, an dem noch viele "Lieder des Jubels" zum Himmel empor steigen sollten. Mit dem Klassiker "La Montanara" wurde die Bergwelt der Dolomiten stimmgewaltig besungen, bevor Hubert von Goiserns "Weit, weit weg..." die Sehnsucht nach der Liebsten zum Ausdruck brachte. Gändehauseffekt auch bei "Conquest of paradise" und dem Hit "Always look on the bright side of life".

Konnte es nach diesem tollen Auftakt und dem Klangerlebnis mit "Vocapella" noch eine Steigerung geben? Es gab sie! Mit dem Auftritt von Helena Warratz als Solosängerin, die eines der bekanntesten Lieder des österreichischen Komponisten Franz Schubert mit dem Titel "Ständchen" präsentierte, von Chor und Klavier ebenso gefühlvoll wie eindrucksvoll begleitet. Lang anhaltender, stürmischer Beifall – nicht zum ersten Mal an diesem Abend – war der Lohn für diesen fulminanten Auftritt. Mit Robert Prachts "Das Morgenrot" präsentierte der Männerchor dann ein Werk der Romantik, bevor es mit Udo Jürgens in die große weite Welt ging: "Ich war noch niemals in New York...".

Ja und dann neigte sich dieser großartige Konzertabend auch schon seinem Ende zu. "Wir singen uns unser Geburtstagsständchen selbst", meinte Sebastian Lau: "Ein Hoch auf das, was uns vereint..." heißt es Andreas Bouranis Hit "Auf uns", der die schönen Momente des Lebens besingt und voller Optimismus in die Zukunft schaut: Was gäbe es Passenderes für den Männerchor Elzach? Es war ein gewaltiges Bild, als sich alle Akteure dieses Abend noch einmal auf der Bühne versammelten und die restlos begeisterten Zuhörer mit zwei Zugaben erfreuten: Dem "Abendfrieden" und dem "Sonntagmorgen in den Bergen".