Ein Spiel von Form und Farbe

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Do, 14. November 2019

Denzlingen

Ruth Zimmermann und Matthias Scherzingen stellen gemeinsam Gemälde und Holzarbeiten im Alten Rathaus in Denzlingen aus.

DENZLINGEN. Gemeinsam mit den Werken von Fotografen hat Ruth Zimmermann schon mehrfach ihre Gemälde präsentiert. Die 1945 geborene Künstlerin liebt die Kontraste, die Spannung des Unterschiedlichen, das Gegensätzliche. Zu ihrer aktuellen Ausstellung im Alten Rathaus in Denzlingen hat sie Matthias Scherzinger eingeladen – ein kreativer Partner, der Objekte aus Massivholz fertigt.

Auf den ersten Blick sind die Gegensätze offensichtlich. Während die 15 Gemälde von Ruth Zimmermann, die vorwiegend 2019 entstanden sind, in einem abstrakten Rausch schwelgen, fließende Übergänge von Farben und Formen miteinander in Einklang bringen und sehr bewegte Kompositionen bilden, sind die Arbeiten des aus dem Glottertal stammenden 41-Jährigen von geometrischer Strenge, klaren Linienführungen gekennzeichnet.

Was jedoch auf den ersten Blick so gegensätzlich wirkt, hat beim zweiten Hinsehen durchaus Parallelen. Schließlich bieten die Holzmaserungen reichlich naturgewachsene Vorlagen für fließende, eben nicht mit Zirkel und Lineal gezogenen Linien, die Scherzinger mit viel Feingefühl aus dem natürlichen Material herausarbeitet. Zugleich finden sich in einigen Gemälden der Denzlingerin deutlich erkennbare Kreisformen.

Dennoch, es überwiegt der Kontrast, und der liegt schon im Schaffensprozess. "Ich lebe stark von der Inspiration", sagt Ruth Zimmermann, der das Malen schon ein Leben lang vertraut ist. Schon ihr Großvater war Kunstmaler. Die Ideen, die Anregungen, finde sie vor allem in der Natur, aber auch in visuellen Bildern ihrer Phantasie. "Gelegentlich komme ich nach Hause, dann muss die Jacke ausgezogen werden und müssen die Pinsel rausgeholt werden", sagt sie. Sie sei eine spontane Malerin. Was noch in ihr sei, müsse dann direkt auf die Leinwand.

Dass es mittlerweile Acrylfarben in einen vor Jahren noch nicht bekanntem, breiten Spektrum gibt, schätzt sie sehr. "Früher musste man mischen, heute gibt es die Farbtöne, die meiner Lust zu experimentieren entsprechen", sagt Zimmermann. Eine gewisse Vorliebe für kraftvolle Töne ist dabei unverkennbar, doch gibt es auch Werke mit dezenteren, zarteren Partien. Wie sehr die 74-Jährige, die seit 1974 in Denzlingen wohnt, auch Gegensätze schätzt, zeigt ein abstraktes Bild in einem alten, verschnörkelten Goldrahmen.

Dieser bildet, weil aus Holz, eine Brücke zu Scherzingers Arbeiten. "Ich spürte, dass ich Handwerker bin", sagt der auf einem Hof aufgewachsene Glottertäler als Erklärung dafür, dass er nach dem Abitur eine Lehre als Schreiner begann. In England kam er in einer Manufaktur in Kontakt mit der Massivholzbearbeitung, fertigte Möbel, auch für das Königshaus, und lernte das Schnitzen.

Dann folgte doch ein Studium: Innenarchitektur und Möbeldesign führten ihn zum Industriedesign, und mit all den Erfahrungen gründete er dann Freudwerk, eine klassische Massivholzmanufaktur. "Es ist spannend, das Arbeiten von Holz in den Griff zu bekommen", dies sei eine besondere Herausforderung. Dass ihm das gelingt, ebenso wie das sehr viel Feingefühl verratenden Herausarbeiten der natürlichen Farbigkeit und Strukturen, zeichnet seine Arbeiten neben dem ausgeprägten Gespür für harmonische Formen aus. Letztlich bilden seine Werke mit Zimmermanns nie betitelten Bildern ein harmonisches und zugleich kontrastvolles Spiel von Form und Farbe – wie auch die Ausstellung betitelt ist.

"Form und Farbe" – Gemälde und Massivholzarbeiten von Ruth Zimmermann und Matthias Scherzinger in der Galerie im Alten Rathaus in Denzlingen, geöffnet samstags und sonntags bis 1. Dezember von 15 bis 18 Uhr.