Japan

Ein Überlebender der Katastrophe von Fukushima erzählt von der Suche nach seiner Tochter

Katja Demirci

Von Katja Demirci

Do, 11. März 2021 um 10:01 Uhr

Ausland

BZ-Plus "Yuna, wo bist du?" Norio Kimura hat die Natur- und Atomkatstrophe in Fukushima vor zehn Jahren überlebt. Bis heute sucht er nach seiner Tochter. Täglich geht er dazu in das Sperrgebiet im Osten Japans.

"Als Erstes haben wir einen Schuh gefunden, den sie am Tag des Unglücks getragen hat. Das war im Juni 2012. Wir fanden ihren Blazer von der Einschulungsfeier, ihre Sportkleidung, ihre Jacke, ihren Ranzen. Am 9. Dezember 2016 entdeckten wir den ersten Knochen, einen Halswirbel, er lag in ihrem Schal. In den zwei Monaten danach konnten wir noch einiges finden, doch es war schwer, die Knochen zuzuordnen, vieles war fast pulverisiert. Eindeutig identifiziert werden konnte ein Teil ihres Kiefers, weil da Zähne dran waren. Dann gab es Knochenstücke, von denen man glaubt, dass sie ein Teil ihres Kopfes sind oder von ihrer Schulter, ihrem Hals. Insgesamt haben wir ungefähr 20 Prozent ihres Körpers gefunden." Norio Kimura, 55, Okuma
Norio Kimura verlor beim Tsunami, der am 11. März 2011 die Atomkatastrophe von Fukushima auslöste, seine Familie. Hier erzählt er von seinen Erlebnissen:
"Vor zehn Jahren verlor ich im Tsunami drei meiner liebsten Menschen: meine Frau Miyuki, meinen Vater Wataro und meine damals siebenjährige Tochter Yuna. Meine Frau wurde am 10. April 2011 gefunden, sie war ungefähr 40 Kilometer südlich von Okuma am Strand angespült worden. Mein Vater wurde am 29. April entdeckt, in einem Reisfeld in unmittelbarer Nähe unseres Hauses. Nach Yuna suche ich noch immer.
Ich bin in Okuma geboren und mittlerweile lebe ich in einer Stadt namens Iwaki, sie liegt etwa 30 Kilometer südlich. Kurz nach der Katastrophe bin ich mit meiner älteren Tochter Mayu für einige Jahre nach Nagano gezogen, weit weg. Doch sie ist nun 20 Jahre alt und besucht eine Fachhochschule in Tokio. So konnte ich zurück in die Präfektur Fukushima.
Okuma ist in der Sperrzone, das damals havarierte Atomkraftwerk Daiichi liegt in unserer Gemeinde. Wir wurden alle evakuiert. Die offizielle Vor-Ort-Suche nach Vermissten fand deswegen auch erst im Mai statt, nur zwei ...

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