Südschwarzwald

Ein Wolf hat sich dauerhaft in Schluchsee angesiedelt

Ralf Morys, dpa

Von Ralf Morys & dpa

Di, 30. Juni 2020 um 17:54 Uhr

Schluchsee

In Schluchsee hat ein Wolf sein Revier gefunden. Sein Name: GW1129m. Es ist bereits der zweite Wolf, der sich dauerhaft in Baden-Württemberg niedergelassen hat. Ein dritter hat hier ebenfalls schon Spuren hinterlassen.

Der zweite Wolf, der sich fest in Baden-Württemberg angesiedelt hat, lebt im Hochschwarzwald und hat die Region am Schluchsee als Revier ausgesucht. "Wir haben nun den eindeutigen Beweis, dass auch im Südschwarzwald ein Wolf lebt", sagte Umweltminister Franz Untersteller gestern in Stuttgart.

Der junge Wolfsrüde trägt die seltsame Buchstaben- und Zahlenkombination GW1129m als Namen und stammt, wie der Rüde im Nordschwarzwald, aus einem Wolfsrudel im niedersächsischen Schneverdingen.

Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg hat gestern dem Ministerium mitgeteilt, dass im Land dauerhaft ein zweiter Wolf lebt.

Der Wolf gilt als resident

Den schlussendlichen Beweis dafür, dass der Wolf am Schluchsee nicht nur ein kurzes Gastspiel gab, lieferte nun die genetische Analyse des Senckenberg-Instituts, der am 31. Mai in Schluchsee gefundenen Losung. Der Wolf GW1129m war erstmals am 27. November 2019 bei Grafenhausen genetisch nachgewiesen worden. Weitere Losungen und vermutliche Wolfsrisse im Staatswald am Südufer des Schluchsees im Frühjahr waren weitere Anzeichen, dass sich das Tier weiter in der Region aufhält. Mit der nun dritten genetischen Analyse binnen sechs Monaten, die von GW1129m stammt, gilt der Wolf als resident.

Umweltminister Untersteller möchte zeitnah eine Förderkulisse Wolf im Südschwarzwald ausweisen, um "Weidetierhaltern zu helfen, ihre Tiere bestmöglich zu schützen. Die Förderkulisse Nordschwarzwald hat sich bewährt", so der Minister. Welche Gebiete und Gemeinden die Förderkulisse umfassen werde, lasse sich noch nicht sagen, sagt Untersteller.

Das Streifgebiet des Wolfs im Südschwarzwald wird auf Grundlage der Nachweise ermittelt. Die Förderkulisse wird all jene Gemeinden umfassen, die in und im Umkreis des Streifgebiets liegen.

Zweiter Wolf hat im März auch mal den Südschwarzwald besucht

Der andere Wolf, GW852m, hat sich indes im Norden niedergelassen. Seine Spur war zuletzt zwar erstmals auch im Südschwarzwald nachgewiesen worden. Die Experten gehen aber davon aus, dass der Wolfsrüde weiterhin im Nordschwarzwald lebt und Anfang März nur einen einmaligen Ausflug in das südlich gelegene Gebiet unternommen hat. Bekannt ist der erste residente Wolf seit November 2017.

Die ersten Nachweise von Wölfen in Baden-Württemberg stammen von 2015 – nachdem rund 150 Jahre lang keines dieser Raubtiere im Südwesten gesehen worden war. Der Landesschafzuchtverband warnt bereits, viele Schafzüchter könnten wegen der befürchteten Wolfsrisse und Verluste aufgeben.

Dritter Wolf in Münstertal nachgewiesen

Dass Wolfsrisse eine ernstzunehmende Sache sind, zeigen aktuelle Diskussionen um zwei tote Ziegen in Münstertal. Diese waren Mitte April von einem Wolf gerissen worden – und zwar von GW1591m. DNA-Spuren an den getöteten Ziegen hatten es ermöglicht, diesen dritten Wolf zu identifizieren. Er war in Deutschland bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht nachgewiesen worden, er könnte aus der Schweiz oder sogar Italien stammen und nach Norden gewandert sein. Ob sich dieser Wolf noch im Südschwarzwald aufhält oder weitergezogen ist, ist derzeit nicht bekannt.
Der Wolf

Der Wolf steht seit 1979 in der Berner Konvention, einer Naturschutzvereinbarung aller europäischen Länder. Eine Richtlinie der Europäischen Union sieht besondere Schutzmaßnahmen für den Wolf vor. Seit 1990 genießt der Wolf in Deutschland Schutz durch das Bundesnaturschutzgesetz. Der vorsätzliche Abschuss eines Wolfes kann mit Geldstrafe oder Gefängnis bis zu fünf Jahren bestraft werden.