Bonndorf

Eine kleine Schwarzwälder Mühle versorgt die Region mit Mehl

Stephan Clauss

Von Stephan Clauss

Fr, 17. April 2020 um 20:40 Uhr

Südwest

BZ-Plus Daniel Blatterts Mühle in Bonndorf ist der Umschlagplatz für regionale Bauern. Hier mahlt der Müller täglich bis zu sechs Tonnen Getreide. Die Badische Zeitung schaute ihm drei Tage über die Schulter.

Daniel Blattert ist Müllermeister in sechster Generation. Es muss schon viel passieren, um einen wie ihn aus der Ruhe zu bringen. Leitet der 45-Jährige doch schon sein halbes Leben lang das kleine Familienunternehmen – die Blattert-Mühle in Bonndorf-Wellendingen im Südschwarzwald. Der große, ernste Alemanne redet nicht schnell, aber laut und deutlich. Sein breites Kreuz kann auch 50-Kilo-Säcke schultern. Selbst der Orkan "Sabine", der im Februar auch die Bahnstrecke von Freiburg nach Titisee-Neustadt lahm legte, beeindruckte ihn nicht sehr.

Die Corona-Hamsterkäufe Anfang März machten aber auch dem gestandenen Unternehmer erheblich zu schaffen. Seine Abnehmer rannten ihm schier den Laden ein. Nervös geworden, wollten sie statt der bestellten 200 Kilo plötzlich das Fünffache geliefert haben, andere kamen gleich mit dem eigenen Transporter vorgefahren. Aber jetzt sei der größte Ansturm vorbei, berichtete Blattert kürzlich am Telefon.
Corona-Effekt: Die Mühlen im Landkreis Lörrach sind mit Arbeit voll ausgelastet
Der Müller will seine Kunden zu keiner Zeit, auch jetzt nicht, enttäuschen – das ist sein eisernes Prinzip. Denn er hat sich ihr Vertrauen mit viel harter Arbeit erworben. Vorübergehend musste er die Produktion um 40 Prozent steigern, die Mühle läuft nicht mehr von 8 bis 14, sondern von 5 bis 19 Uhr. Sein normaler Arbeitstag beginnt um 7.30 Uhr und dauert zehn Stunden, derzeit werden daraus mindesten zwölf. Mehl ist absolut keine Mangelware, aber – und das beweisen auch diese aufwühlenden Wochen – es bleibt ein sehr begehrter Stoff, an dem sich Revolutionen und Kriege entzündet haben. Kein Lebensmittel hat je so heftige Emotionen ausgelöst wie das tägliche Brot. Oder eben der Hunger danach.

Hohes Tempo führt nicht zur besten Qualität
Mitte Februar haben wir den Schwarzwald-Müller und sein Team drei Tage lang bei der Arbeit begleitet. Die Mühle liegt seit dem Mittelalter ein paar Kilometer südlich von Bonndorf. Seit 1820 wird sie von der Familie Blattert betrieben. Es gibt nur mehr wenige Traditionsbetriebe dieser Art: Arbeiteten um 1950 noch fast 19.000 Mühlen in Deutschland, so sind es jetzt nur noch knapp 550 Mühlen sehr unterschiedlicher Größe. Was die Blattert-Mühle in einem Jahr vermahlen kann, nämlich rund tausend Tonnen Getreide im Schnitt, das schafft eine große Industriemühle an einem Tag. Aber hohes Tempo führt gerade bei Mehl und ...

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