Eine neue Heimat für die gefiederten Glücksboten

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Fr, 10. Januar 2020

Vogtsburg

In der Halle der Firma EAL in Achkarren dürfen Schwalben auf einem Stahlträger nisten / Nabu zeichnet Uwe und Ruth Dürr aus.

VOGTSBURG-ACHARREN (BZ). Mitten im Industriegebiet in Achkarren lebt eine große Rauchschwalben-Kolonie mit 35 Nestern. In zwei Hallen auf dem Betriebsgelände der Firma EAL, Erdbau, Abbruch und Logistik GmbH, betrieben von Ruth und Uwe Dürr, haben die Schwalben ihre Nester auf die Stahlträger gebaut. Dafür gab es vom Naturschutzbund (Nabu) die Auszeichnung als "Schwalbenfreundliches Haus".
Schwalben sind seit jeher beliebt. Sie gelten als Glücksboten. Ihre Rückkehr kündigt den Sommer an. Seit langem leben die Vögel als Kulturfolger bei den Menschen in der Stadt, am Haus und im Hof. Doch die Glücksbringer haben es dieser Tage nicht leicht. Für sie wird es immer schwieriger, geeignete Nistmöglichkeiten, Material für ihren Nestbau oder Nahrung zu finden. Vielerorts sind sie zudem von Menschen nicht mehr erwünscht. Viele Nester werden mutwillig zerstört oder die Schwalben beim Nisten behindert – obwohl das illegal ist.
Denn laut Bundesnaturschutzgesetz sind die Nester der kleinen Flugkünstler geschützt und dürfen weder beschädigt noch entfernt werden. Daher hat der Nabu die Aktion "Schwalbenfreundliches Haus" ins Leben gerufen: Diejenigen Hausbesitzer erhalten eine Plakette, die Schwalben an ihren Häusern brüten lassen, dafür auch zusätzliche Nisthilfen aufhängen oder eine Lehmpfütze für die Tiere anlegen. Sie soll zudem Menschen ermutigen, mit Kunstnestern Schwalben bei sich aufzunehmen.

Allein in Baden-Württemberg wurden seit dem Start der Aktion im Jahr 2010 bereits über 1000 Plaketten verteilt. Das sind mehr als 1000 Brutplätze für Mehl- und Rauchschwalben. Seit 20 Jahren kommen die ersten Rauchschwalben im Frühjahr durch eine kleine Fensteröffnung in der Werkhalle der Firma EAL eingeflogen. Von der Familie Dürr werden sie schon erwartet. Es werden weitere Fenster gekippt und die Schwalbenschar hält nach und nach Einzug. Schwalben brüten in einer Kolonie und kehren jedes Jahr zu ihren früheren Nistplätzen zurück. Die Nester werden dann von den Vögeln mühselig ausgebessert. Ein Schwalbennest besteht aus ungefähr 1000 Lehmklümpchen, die die Tiere zusammentragen müssen.

Freude am Gezwitscher
Auf Stahlträgern zu nisten, ist ungewöhnlich. Ein angenehmerer Brutplatz ist sicher ein wärmender Kuh- oder Pferdestall oder ein überdachter Hof. 35 Nester hat Uwe Dürr gezählt. Dreck gibt es auch, aber die Freude an den zwitschernden Bewohnern überwiegt. Ruth Dürr pflegt auf dem Gelände einen Teich und nimmt viele nach Erdarbeiten heimatlos gewordene Gartenpflanzen auf. Um das Gewerbegebiet sind Wald, Böschungen, Reben, ein Bach, eine Streuobstwiese und eine unbebaute Wiese zu finden. Diese abwechslungsreichen Lebensräume können auch in einem bebauten Gewerbegebiet Schwalben Nahrung finden lassen.
Als Anerkennung für ihre Bereitschaft, die bedrohten Vögel willkommen zu heißen und zu unterstützen, verliehen Barbara Mutke und Martin Rombach vom Nabu Kaiserstuhl dem Ehepaar Dürr die Plakette und Urkunde "Schwalbenfreundliches Haus".

Informieren und bewerben für die Auszeichnung können sich Schwalbenfreunde unter http://www.NABU.de/schwalben oder beim NABU Kaiserstuhl, bei dem es auch Schwalbennester zu erwerben gibt.