Eine Rüge für Hans-Günter Winkler

Bettina Schaller

Von Bettina Schaller

Fr, 09. Oktober 2020

Reitsport

Ingeborg Epple beendete bei der Ringmeisterschaft ihr Wirken hinter dem Richtertisch, bei dem sie Vieles erlebt hat.

. Es war das Badner Lied, das zum Abschluss erklang. Nach 38 Jahren legte Ingeborg Epple das Richteramt nieder. In diesem Zeitraum saß sie durchschnittlich bei 15 bis 20 Turnieren pro Jahr hinter dem Richtertisch. Bei der diesjährigen Ringmeisterschaft verabschiedete Hans-Jürgen Schnebel die hochrangige Richterin und sagte: "Es geht eine große Ära mit dem Abschied von Ingeborg Epple zu Ende."

Seit 1999 hatte die passionierte Dressurreiterin das Testat, Grand Prix richten zu dürfen und urteilte dabei über die Besten der Besten im Dressursport. "Mit einem weinenden und einem lachenden Auge stehe ich hier", sagte der Ringvorsitzende Schnebel. Vor vier Wochen habe er Ingeborg Epple noch zu ihrem 80. Geburtstag gratuliert und heute lege eine treue Wegbegleiterin ihr Amt nieder. Hans-Jürgen Schnebel, selbst Richter, saß mit Ingeborg Epple häufig im Schiedsgericht. Beide haben damit wesentlich zum Erfolg der Durchführung der Reitturniere beigetragen. "Wir schauen beim Springen nicht nur zu und schauen, ob eine Stange fällt", sagte die 80-Jährige.

In das Aufgabengebiet der Richter falle auch, ob die Vorschriften eingehalten werden. In manchen unklaren Fällen, gelte es auch zu entscheiden, "war es der Reiter oder die Naturgewalt", so Ingeborg Epple. Insbesondere bei Stilspringprüfungen käme es auf das Know-how und die Erfahrung der Richter an.

Wie kam die hochdekorierte Dressurreiterin zum Amt einer Richterin? "Es war der reine Zufall", erinnert sich die Grand Dame des Pferdesports. Der Vorsitzende des Lahrer Reitervereins, zu welchem sie selbst 1972 als Reitlehrerin kam, hat sie eines Tages angerufen, ob sie als Ersatz für einen Vorleser der Aufgaben in der Dressur beim Reitturnier in Lahr-Reichenbach einspringen könnte. Gesagt, getan: Karl Ruder, der bei diesem Reitturnier die Springen richtete, holte sie auf den Richterwagen. Am selbigen Turnierschluss kam die entscheidende Frage von Karl Ruder: "Könntest Du Dir vorstellen, Richterin zu werden?" 1982 begann sie als Anwärterin, um zwei Jahre später ihre Richterprüfung in Warendorf abzulegen. Dann folgte Prüfung auf Prüfung, und 1999 endlich die Grand-Prix-Prüfung.

Ein Blick ins Nähkästchen? "Kurz nachdem mich Karl Ruder angefragt hatte, hat Hermann Armbruster vom RV Schutterwald Wind davon bekommen. Er engagierte mich als Richterin für den Abreiteplatz und ich musste als No-Name Hans-Günter Winkler sagen, dass er eine Reitkappe auch auf dem Abreiteplatz zu tragen habe". Das Stichwort für einen Tratsch unter Reiterkollegen.

"Das waren noch Zeiten, als in Schutterwald unter Flutlicht das Mächtigkeitsspringen ausgetragen wurde", erinnert sie sich. Der Sieg wurde damals nicht in einem Stechen ausgetragen, sondern wie beim Hochsprung in der Leichtathletik, wo die Latte immer höher gelegt wird. Danach sei es mit ihrer Laufbahn als Richterin richtig los gegangen. "Es ist eine schöne Aufgabe", bilanziert Ingeborg Epple. Man erlebt, wie sich die Reiterjugend weiterentwickelt. Das sei auch bei den Richteranwärtern so. "Viele geben leider Gottes auf", so Epple. Der Grund: um sich weiter zu qualifizieren, müsse man viel Zeit investieren und weit reisen. Hat es sich im Rückblick gelohnt? "Ich habe sehr viele schöne Turniere erlebt, wir haben immer im Team zusammengearbeitet und das hat sich gelohnt. So habe das Richter-Amt auch ihr Leben geprägt. "Freunde und Bekannte kann man meist nur am Wochenende treffen und da finden auch die Turniere statt", so die Pferdesportfreundin.

Ihr letzter Einsatz: Am Wochenende beim Reitturnier des RC Achern. Und danach? "Ich hoffe, wir sehen uns dennoch auf den Turnierplätzen", sagte Ringvorsitzender Schnebel beim Abschied.