Ausflugstipp

Eine Wanderung zur Burgruine Frankenbourg im Zentralelsass

Pascal Cames

Von Pascal Cames

So, 15. September 2019 um 13:03 Uhr

Elsass

Der Sonntag In Sachen Burgen gibt es im Elsass die Stars:Fleckenstein, Hohkönigsburg, Hohlandsburg. End es gibt die "Hidden Champions", die gut versteckt im Wald liegen. Ein Fall für Entdecker ist das Château du Frankenbourg bei Sélestat.

Die Frankenbourg gilt als eine der ältesten Burgen im Land, schon zu Chlodwigs Zeiten, also 500 nach Christus, soll zwischen dem Leber- und dem Weilertal ein befestigter Ort gewesen sein. Die Frankenbourg ist trotz ihrer verborgenen Lage gut zu finden.

Nur einen "Steinwurf" hinter der Elsässer Weinstraße beginnt die Rundwanderung in dem kleinen Fleck La Vancelle (400 Meter) im Tal der Lièpvrette ( Lebertal). Der Wanderweg folgt zunächst der Fahrstraße aufwärts, geht vorbei am Restaurant Elisabeth und zweigt dann links ab in die Kräuter mit dem Ziel Chalmont. Erst dem blauen Kreuz, dann dem roten Kreuz folgen.



Ein gutes Stück des Wegs ist ganz schön verbuscht. Spätestens hier zeigt sich, dass man abseits der großen Touristenströme wandelt. Vom Chalmont (früher Schallberg) hat es einen herrlichen Blick ins Lebertal, das in alter Zeit teilweise lothringisch war und zumindest offiziell zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gehörte.

So hieß beispielsweise Rombach-le-Franc in alter Zeit Deutsch-Rumbach. Vom Chalmont auf 704 Meter Höhe sind zig Sagen überliefert, eine besagt, dass hier Karl der Große einen Schatz versteckt hat, eine andere, dass von diesem Felsen eine Feenbrücke zum Massiv Taennchel gegenüber bestand. Offensichtlich ist Folgendes: Die Aussicht ist prächtig, die Bäume auch und für ein Picknick gibt es wenige Plätze, die schöner sind. Da die Frankenbourg westlich liegt, muss man ein Stück des Wegs retour gehen.

Der nächste herausragende Fels ist der Roche des Fées. Typisch für den Hexenfelsen, der auf genau 777 Metern liegt, sind die Hexenaugen im Sandstein. Diese Löcher entstanden durch Regenwasser, das über die Jahrhunderte an einigen Stellen den Fels vertieft hat. Wenn sich Wasser darin sammelt, spiegelt sich der Himmel darin. Weitere magische Augenblicke bieten die Wurzeln auf dem nackten Fels und wieder einmal die Aussicht. Um zum Hexenfelsen zu kommen, muss man erneut den Hauptweg für ein paar Meter verlassen.

Zur Frankenbourg gibt es verschiedene Wege (GR 532, gelbes Rechteck, gelbe Raute), doch alle treffen sich am Schlossplatz, einem Wegkreuz in viele Richtungen. Zur Burg sind es nochmals zehn Minuten bergauf, dann ist man definitiv dem Himmel ein gutes Stück näher. Durch den Zahn der Zeit wurde schon einiges abgetragen, aber immer noch ist gut zu sehen, dass hier ein mächtiger Koloss die Täler beherrschte.

Drei Erweiterungen der Ringmauer sind überliefert. Sogar nach einem Brand 1582 wurde auf dem Felsvorsprung weiter Ritter gespielt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg verfiel das Gemäuer zusehends und der Gipfel verbuschte. Erst in den 1970er und 1980er Jahren legten Freiwillige die Steine wieder frei und bauten sogar den Bergfried auf. Unterhalb der Burg finden sich Reste einer Heidenmauer (mur païen), wie sie auch auf dem Odilienberg und dem Taennchel zu finden sind.

Zum Ausgangsort La Vancelle zurück ist der Weg über die "Himmelsleiter" gut ausgeschrieben. Wer besagte Strecke schon einmal von der Fahrstraße aufwärts gegangen ist, bekommt eine Ahnung davon, warum der Weg diesen Namen trägt: Alles sehr steil, aber halt auch sehr schön was den Wald angeht. In La Vancelle gibt es feinsten Flammkuchen sowie Elsässer Spezialitäten im Restaurant Elisabeth (Telefon 00 33/3 88 57 16 56) sowie die ganz ambitionierte Küchenkunst in der Auberge Frankenbourg (Telefon 00 33/ 38 85 79 39). Wer sich nach dieser etwa 16 Kilometer langen Wanderung "steinalt" fühlt, kann sich jetzt wieder restaurieren.

Pascal Cames