Keine Begegnungen in der Corona-Krise

Einsicht ist da, soziale Kontrolle funktioniert

Silas Schwab

Von Silas Schwab

Do, 26. März 2020 um 17:03 Uhr

Titisee-Neustadt

In den Gemeinden des Hochschwarzwalds scheinen die Beschränkungen zur Eindämmung der Coronakrise eingehalten zu werden.

HOCHSCHWARZWALD. Keine Begegnung von mehr als zwei Personen, keine Zusammenkünfte auf öffentlichen Plätzen: Das sind die Vorkehrungen gegen das Coronavirus. Titisee-Neustadt kann eigenes Personal und den Gemeindevollzugsdienst zu Kontrollen einsetzen, die Polizei leistet Unterstützung. Aber wie verfahren kleinere Gemeinden? Silas Schwab hat sich umgehört.

Eisenbach: Ball flach halten
Veranstaltungen abgesagt, öffentliche Veranstaltungsräume geschlossen, das Rathaus nicht mehr öffentlich zugänglich – darüber hinaus ändert sich an der Arbeitsweise der Gemeindeverwaltung aber wenig. "Wir stellen fest, dass nichts stattfindet, wogegen man was unternehmen müsste", sagt Hauptamtsleiter Heiko Riesterer. Die Bürger wüssten Bescheid, so sein Eindruck, Kontrollen seien nicht nötig. "Wenn etwas festgestellt wird, müsste man natürlich was machen oder die Polizei rufen." Sowohl die Metzgerei Fritz, der Eisenbacher Landmarkt sowie der Stern Kebap hielten sich an die Vorschriften. "Alles top", meint Riesterer. Außerdem gebe es noch die Polizeistreifen und man setzte auf die soziale Kontrolle. Eisenbach habe auch kaum Einrichtungen, die zum Hinwegsetzen über die Regeln einladen. "Wir halten den Ball da jetzt erst mal flach", so Riesterer.

Lenzkirch: Personal mit Ausweis
"Es herrscht eine ruhige Atmosphäre", zieht Bürgermeister Andreas Graf nach den ersten Tagen mit Betretungsverbot und der Einstellung von Gastronomie und Handel eine vorläufige Bilanz. Ohne Gemeindevollzugsdienst habe man alle Regeln umgesetzt. Zuständig für die Kontrolle sind die Angestellten der Verwaltung. "Wir haben Dienstausweise für alle Mitarbeiter ausgestellt", so Graf. Festgestellt wurde nur der Verstoß eines Restaurants, das behauptete, von den Einschränkungen nichts gehört zu haben. Mittlerweile dürfen Restaurants ohnehin gar nicht mehr öffnen. "In dem Fall schloss der Besitzer problemlos", sagt Graf. Am Samstag machte der Bürgermeister selbst einen Rundgang. Am Sonntag war Bauhofleiter Hartwig Frank auf Plätzen und Spielplätzen unterwegs. "Die soziale Kontrolle in kleinen Orten funktioniert auch ganz gut", meint Graf. Außerdem sei der Ortskern überschaubar. Deshalb verzichtet Lenzkirch auf strengere Kontrollen. "Jeder schaut ein bisschen."

Zur Organisation der vielen Themen rund um das Coronavirus trifft sich der Bürgermeister zwei mal pro Woche mit dem Krisenstab, um über die nächsten Schritte zu beraten. Dabei sind die Fachbereichsleiter Walter Winterhalder und Leonhard Wißler, Bauhofleiter Hartwig Frank, Wassermeister und Feuerwehrkommandant Thomas Raufer, sein Stellvertreter Michael Reiner und die Ortsvorsteher aus Kappel und Saig, Roland Berr und Mathias Brugger. Graf: "Man konnte das alles nicht planen, deshalb ist es gut, von jedem die Einschätzungen zu hören."

Breitnau: Schweißt zusammen
Das Amtsblatt hat vor allem ein Thema: Unterstützung. Man hilft sich, die Ministranten wie auch der Skiclub sind für die Risikogruppen da. "Natürlich leiden wir, aber es schweißt auch zusammen", sagt Bürgermeister Josef Haberstroh. Er ist "kraft Amts", wie er sagt, persönlich im Ort unterwegs und achtet auf die Einhaltung aller Regelungen. "Es gab ein paar Fälle, wo wir Gruppen auflösen mussten." Eine Gruppe Fußballer auf dem Bolzplatz sei zuerst uneinsichtig gewesen. "Wir sind sowieso immer zusammen", so die Einschätzung. Am Ende hätten sie es aber begriffen, so Haberstroh.

Die Gemeindeverwaltung hat sich streng in kleinen Gruppen organisiert, um sich so wenig wie möglich zu begegnen. Die Belegschaft habe großes Einverständnis, die Stimmung in der Bevölkerung sei rücksichtsvoll und gefasst.

St. Märgen: Der Gefahr bewusst
Bürgermeister Manfred Kreutz nimmt eine sehr ernste Stimmung wahr. "Man ist sich der Gefahr bewusst." Das Verständnis für die Regelungen sei in der Bevölkerung groß. Am Anfang habe es noch etwas Tagestourismus gegeben, mittlerweile seien aber auch die Wanderparkplätze leergefegt. Man verzichtet auf Kontrollen, "die Polizei aus Neustadt fährt Streife", betont Kreutz aber. Bisher liegen keine Meldungen von Verstößen vor. In einem kleinen Krisenstab bestehend aus Bürgermeister, Stellvertreter, Feuerwehrkommandant und Hauptamtsleiter, berät sich Kreutz regelmäßig zur örtlichen Situation. Einen Plan habe man aber nicht in der Schublade. "Damit hat ja niemand gerechnet", so Kreutz. Die Lebensmittelversorgung in der Gemeinde sei gesichert, die Apotheke und die Poststelle funktionierten uneingeschränkt. Kreutz würdigt besonders die Akteure, die im Dorf die tägliche Versorgung am Leben halten. "Natürlich ist das für diese eine besondere Gefahr – deshalb bin ich ihnen sehr dankbar."