Inspirierender Rückzugsort

Katja Rußhardt

Von Katja Rußhardt

So, 14. Juli 2019

Emmendingen

Der Sonntag Hausgrün, das Zentrum für Handwerk und Kultur in Emmendingen, feiert 20. Geburtstag.

"Wenn ich in meinem Atelier nähe, sehe ich die Vögel brüten. Wir haben hier 15 verschiedene Arten", erzählt Monika Bresch. Im Zentrum für Handwerk und Kultur in Emmendingen, kurz "Hausgrün" nach der gleichnamigen Straße genannt, hat sie einen Raum gemietet. So wie 35 andere im Haus Arbeitende – es sind freischaffende Künstler, Handwerker und Dienstleister. Auf einem ehemaligen Schrebergarten-Gelände liegt der aus mehreren unterschiedlich hohen Gebäuden bestehende Komplex. Mit seinen bunten Fassaden und dem um eine alte Robinie herumgebauten Innenhof mit Skulpturen wirkt er freundlich und einladend. "Ich fahre extra jeden Tag von Freiburg aus mit dem Rad nach Emmendingen, um hier zu arbeiten", sagt Nathalie Cazier, Übersetzerin und Glaskünstlerin. In einem "normalen Büro" könne sie keinen Krach machen und Glas schleifen. Auch sei es nicht möglich, Kontakt zu anderen haben, sich aber auch jederzeit zurückziehen zu können.

Was unvereinbar scheint, funktioniert offenbar in der Gemeinschaft, deren älteste Mieter schon seit 20 Jahren dabei sind. Vielfalt war Hausgrün-Gründer Michael Hall nach Erwerb des Grundstücks im Jahr 1999 wichtig. Auf dem Terrain mit seinem alten Baumbestand, direkt an der Elz gelegen, wollte der weitgereiste Schreiner nicht nur eine Werkstattgemeinschaft mit einem Kollegen betreiben: "Der Grundgedanke war, einen Ort für Menschen zu schaffen, an dem sie individuell arbeiten können, aber trotzdem Teil einer Gemeinschaft sind und kommunizieren können", erklärt er das Konzept. Bis 2004 entstanden in drei Bauabschnitten individuelle Räume, die Michael Hall und sein damaliger Partner, Möbelschreiner Markus Häberle, zum größten Teil selbst gebaut haben. "Jede der mehrstöckigen kleinen Einheiten sollte so sein, dass ich auch selbst gern eingezogen wäre", sagt Michael Hall und berichtet, dass ihm ein Laubengang nach südamerikanischem Vorbild ebenso wichtig war wie eine Dachbegrünung. Er habe weitgehend ökologische Materialien verwendet: "Müsste ich das Gebäude irgendwann einmal entsorgen", betont er augenzwinkernd, "könnte ich hier noch immer Möhren anpflanzen."

8,5 Quadratmeter misst die kleinste Einheit, 140 Quadratmeter die größte, sie wird als Gemeinschaftsatelier genutzt. "Jeder Raum hat besondere Details, fast immer ist Eiche verbaut worden und es gibt schwingende Böden", schildert Heilpraktikerin Jasmin Schuler die Gegebenheiten. Ihr Zimmer in einem der Türme vergleicht sie mit einem Vogelnest, von dort kann sie nach Frankreich, auf die Hochburg und hinüber zum Feldberg schauen: "Für Menschen, die zu mir kommen, ist der Ort schon ein Stück Erholung und für mich gilt das auch." Ob Alabaster-Bildhauer Julius Beetz, Malerin Sandra Bühler oder Möbelschreiner Markus Häberle – alle berichten von inspirierender Atmosphäre und einem Rückzugsort, an dem es denkbar leicht fiele, kreativ zu sein. Wer will, kann jederzeit herkommen und Lilli Benkert zuschauen, wie sie Schafe mit Menschenfüßen malt, oder Paul Della-Vanzo beim Bearbeiten australischer Eukalyptus-Maserknollen beobachten – und danach ein Weilchen im Schatten der Robinie verweilen. Wer alle "Hausgrünler" und ihre Aktivitäten kennenlernen möchte, sollte sich das Geburtstagsfest am kommenden Samstag vormerken, wo es neben Live-Musik und einem Programm für große und kleine Besucher auch eine große Vielfalt an Speisen gibt.Katja Russhardt
20 Jahre Hausgrün. Zentrum für Handwerk und Kultur. Fest am Samstag, 20. Juli, von 11 Uhr bis 24 Uhr, Im Hausgrün 27, Emmendingen. Programm und Info auf http://www.hausgruen.de