Erklär's mir: Was ist Dialekt?

Ulrike Derndinger

Von Ulrike Derndinger

Sa, 04. November 2017

Erklär's mir

Es git Hochditsch. Des isch e Schriftsproch, wu sich alli druf verlosse kinne: So schriibt mers un so wurds gschwätzt. Alli verstehn, was demit gmeint isch, de Hamburger grad wie de Berliner oder der usem Bayerische Wald. Un es git e Sproch, wu viil meh Johr uf em Buckel het wie s Hochditsche – Dialekt. Des sin läwigi, gschwätzti Sproche, wu jeder schriibt, wie er grad luschtig isch. Unser Dialekt, do in de Gegend, wu d Badisch Zittung in de Briefkaschte keyt wurd, heißt "Alemannisch". Mer schwätzt der Dialekt nab bis uf Karlsrueh un nuf bis uf Bregenz in Eeschtrich. D Nordschwizer un d Elsässer in Frankrich babble ne au. Awer wenn d Alemanne zämmekumme, lache si sich manchsmol scheps. Si hän zwar de glich Dialekt, awer verschtehn tien si enander nit. Des isch, will jeds Dorf un jedi Region e eiges Muul het. Werter were ganz anderscht gschwätzt. Hiwwe heißt’s "Hus und Öpfel", driwwe "Hüs und Epfel", die eindi sage "Rääjeboje", d anderi "Räggeboge". S git je nach Region sogar anderi Werter. Manchi sage "Grumbiere" zue de Erdepfel. Do muess mer erscht emol erlickere, was des isch – "Kartoffeln" nämlig.

Ulrike Derndinger ist BZ-Redakteurin, eine der Autorinnen der Mundartkolumne "Lueginsland". Sie schreibt in Ortenauer Alemannisch, auch Niederalemannisch genannt.