Streit über Ursache

Erneutes Erdbeben in Straßburg am Mittwochabend

Bärbel Nückles

Von Bärbel Nückles

Do, 14. November 2019 um 10:00 Uhr

Straßburg

In Straßburg hat zum zweiten Mal innerhalb von 48 Stunden die Erde gebebt. Am Mittwochabend gab es ein Erdbeben der Stärke 2,6. Wissenschaftler sehen eine Geothermie als Grund. Die Bohrstätte ist inzwischen still gelegt.

Nach dem Ereignis von Dienstagnachmittag hat in Straßburg am späten Mittwochabend, um 23.42 Uhr, erneut die Erde gebebt. Mit 2,6 auf der Richterskala fiel es allerdings schwächer aus als die Erschütterung am Dienstag zuvor. Hinsichtlich der Ursache liegt nach wie vor keine abschließende Erkenntnis vor. Wissenschaftler des nationalen französischen Netzes für Erdbebenüberwachung (Renas) gehen wie zuletzt davon aus, dass keine natürliche Ursache im Spiel sei. Das auf seismische Fragen spezialisierte Straßburger Institut für Geophysik vermutet einen Zusammenhang mit den Bohrungsarbeiten für ein Geothermiekraftwerk im Norden der Stadt auf dem Gelände der ehemaligen Erdölraffinerie bei Reichstett.

Jean-Philippe Soulé, Geschäftsführer des Betreibers Fonroche Géothermie und verantwortlich für die Baustelle, weist jeden Zusammenhang von sich. "Bei uns ruhen alle Bohraktivitäten seit einer Woche", versicherte Soulé am Mittwoch. Dies sei im Zeitplan so vorgesehen gewesen. Die Arbeiten an den beiden vorgesehenen Schächten sind abgeschlossen. Derzeit wird das Kraftwerk mit Turbine und Wärmetauscher errichtet.

Analyse zu Beben soll erst in einigen Wochen vorliegen

Zudem misst Fonroche seit Aufnahme der Bohrungen 2017 kontinuierlich die seismische Aktivität auf dem Gelände und gibt diese Daten auch an Renass weiter. Am Dienstag habe man das Beben fünf Kilometer von der Bohrstelle entfernt ausgemacht, sagt Soulé.



Jérôme van der Woerd vom Institut für Geophysik hingegen argumentiert, es sei durchaus möglich, dass der Erduntergrund mit Verzögerung auf Bohrungen reagiere. Ein definitives Ergebnis könnte nach Auswertung aller Daten erst in einigen Wochen vorliegen. Laut französischen Medien hat die zuständige Präfektur die geothermischen Arbeiten des Unternehmens Fonroche Géothermie nun einstellen lassen, bis sich die Ursache für die Erdbeben herausgestellt haben. Wann die Ergebnisse vorliegen, ist noch unklar. Laut Robert Herrmann, dem Präsident der Städtegemeinschaft Straßburg, könne dies zwei Wochen oder bis zu drei Monate dauern.

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