Balearen

Erst gab es Entwarnung, jetzt schnellt die Zahl der Corona-Infektionen aber massiv nach oben

Martin Dahms

Von Martin Dahms

Mo, 10. August 2020 um 19:39 Uhr

Panorama

Mallorca macht sich große Sorgen um den Tourismus. Während im Juli auf dem spanischen Festland die Zahl der Corona-Infizierten stieg, fühlten sich die Balearen noch sicher. Jetzt überhaupt nicht mehr.

Die Wasserknappheit ist derzeit nicht das Problem auf Mallorca. Die Stauseen auf der Insel sind zu zwei Dritteln gefüllt, gegenüber weniger als 40 Prozent vor einem Jahr. Der Wasserkonsum in der Gemeinde Palma ist in den ersten 26 Julitagen dieses Jahres um gut 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken.

Die Balearen leiden aber sonst unter vielem. Vor allem darunter, dass sehr viel weniger Touristen als sonst kommen. "Wir werden die spanische Region sein, der es wirtschaftlich am schlimmsten ergeht", berichtete die Ministerpräsidentin der Mittelmeerinseln, Francina Armengol, dem spanischen König Felipe VI., der am Montag zu Besuch war.

Schuld an der Misere ist das Virus. Ende Juli machten sich die Menschen auf den Inseln noch Hoffnungen. Seit dem Ende des Corona-Alarmzustands in ganz Spanien am 21. Juni hatte sich die Zahl der Neuinfektionen in Grenzen gehalten. Am 24. Juli vermeldete das Gesundheitsministerium für die Balearen eine Ansteckungsrate von 8,0 pro 100 000 Einwohner innerhalb von 14 Tagen. Das entsprach in etwa dem deutschen Durchschnittswert. Während vor allem im Nordosten des Festlandes die Infiziertenzahlen bedenklich stiegen, konnten sich Mallorca, Ibiza, Menorca und Formentera als sichere Reiseziele empfehlen. Nach dem dreimonatigen Einreisestopp von Mitte März bis Mitte Juni kamen wieder Touristen. Im Juli öffneten 57 Prozent aller Hotels auf Mallorca, so die Präsidentin des mallorquinischen Hotelierverbandes, María Frontera, am Freitag. Die seien zu 37 Prozent belegt gewesen. Keine glänzenden Zahlen. Aber immerhin. Dann kam die Hiobsbotschaft aus London: Das britische Außenministerium erklärte ganz Spanien Ende Juli zum Risikogebiet, die Balearen und die Kanaren auch. Rückkehrer müssen in Großbritannien seitdem in Quarantäne. Dabei hätten die Mittelmeerinseln "nur die Hälfte der Coronavirusfälle des Vereinigten Königreiches", schimpfte die Präsidentin des Unternehmerverbandes, Carmen Planas.

Seitdem hat sich die Lage fundamental geändert. In nur zwei Wochen, bis zum 7. August, ist die Zahl der Neuinfektionen auf den Balearen um das Siebeneinhalbfache, von 8,0 auf 60,03 je 100 000 Einwohner in 14 Tagen, gestiegen. Mallorca und die anderen Inseln können nicht mehr mit Covid-19-Sicherheit werben.

Die Wiederausbreitung des Virus nur sieben Wochen nach Ende des Alarmzustands treibt ganz Spanien um. Die Infiziertenzahlen haben sich in dieser Zeit verzehnfacht. Am Freitag nannte das Gesundheitsministerium eine Quote von knapp 80 Covid-19-Fällen auf 100 000 Einwohner in 14 Tagen; das ist in Europa der dritthöchste Wert nach Luxemburg (137) und Rumänien (87,4). Zu den vergleichsweise sicheren Ausnahmefällen in Spanien gehören die Kanaren mit zurzeit 10,22 Fällen pro 100 000 Einwohner.