Gesicht der Woche

Erzbischof Stephan Burger steht plötzlich in der Kritik

JSZ/rix

Von Jens Schmitz & Klaus Riexinger

So, 09. Mai 2021 um 10:32 Uhr

Freiburg

Er gilt als konsequenter Aufklärer von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche. Nun gerät der Freiburger Erzbischof Stephan Burger in die Kritik. Ihm wird vorgeworfen, den Reformkurs zu gefährden.

Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger (59) gilt als konsequenter Aufklärer von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche. Doch in dieser Woche ist dieses Bild des seit 2014 amtierenden Erzbischofs ins Wanken geraten. Ihm wird vorgeworfen, den Reformkurs der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) zu gefährden. Wie die Badische Zeitung und die Sächsische Zeitung berichteten, dürfen zwei Mönche des Pallottiner-Ordens im Erzbistum Freiburg weiterhin seelsorgerisch tätig sein, obwohl einer der beiden beschuldigt wird, 1990 mit einer damals 22-jährigen DDR-Bürgerin im Notaufnahmeverfahren Geschlechtsverkehr gehabt zu haben.

Nach der Missbrauchs-Ordnung der DBK ist Sex mit sogenannten schutz- und hilfebedürftigen Erwachsenen auch einvernehmlich verboten und zählt als Missbrauch; die Regelung gilt auch rückwirkend. Im vorliegenden Fall stehen zusätzlich die Vorwürfe Nötigung und Vergewaltigung im Raum. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen wegen Verjährung ein. Der Hauptbeschuldigte hat den Geschlechtsverkehr eingeräumt, streitet aber ab, dass dieser nicht einvernehmlich gewesen sei. Der zweite Pater soll das Geschehen gedeckt haben. Im Bistum Dresden hat Bischof Heinrich Timmerevers den beiden nach einer Untersuchung aus Präventionsgründen den Seelsorgedienst untersagt. Die DBK-Missbrauchs-Ordnung sieht diese Möglichkeit vor. Mit dem 2020 in Kraft getretenen Regelwerk hatten sich die Bischöfe auch gegenüber der Bundesregierung auf ein bundesweit einheitliches Vorgehen geeinigt. Im Gegensatz zu anderen Diözesen ist man dem Dresdner Schritt im Erzbistum aber nicht gefolgt. Die Vorwürfe seien "nicht bewiesen und nicht plausibilisiert", erklärte das Ordinariat, das wichtige Unterlagen allerdings offenbar nicht zur Kenntnis genommen hat. Unklar ist auch, warum Freiburg behauptet, von einer dritten Untersuchung wegen Vertuschung gegen den Provinzial der Pallottiner nichts zu wissen, obwohl der Dresdner Bischof erklärt, Freiburg und auch Burger persönlich darüber informiert zu haben. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen wurde die Untersuchung nach einem halben Jahr eingestellt, in zeitlicher Nähe zu einem Telefonat zwischen den beiden Bischöfen. JSZ/rix



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