Frankreich

Es gibt wieder mehr Infektionen im Elsass – und eine Ausgangssperre ab 18 Uhr

Bärbel Nückles

Von Bärbel Nückles

Di, 12. Januar 2021 um 11:26 Uhr

Elsass

Das Elsass leidet auch jetzt wieder mehr unter der Pandemie als Baden-Württemberg. Die Ausgangssperre wurde auf 18 Uhr vorgezogen. Derweil kommt auch dort die Impfkampagne in Gang.

Einen "Staatsskandal" brandmarkte der Präsident der französischen Region Grand Est, Jean Rottner, vor einer Woche und machte zum wiederholten Mal in der Corona-Krise ein Versagen der Pariser Regierung aus. Während sich die Zahl der gegen das Coronavirus Geimpften zu diesem Zeitpunkt in Deutschland bereits im sechsstelligen Bereich bewegte – und das Gesundheitsministerium höhnische Kommentare wegen angeblichen Missmanagements erntete – war die Impfkampagne in Frankreich kaum in Gang gekommen.

Inzwischen sind tausende Impfstoff-Dosen auch im Elsass verfügbar. Gemäß der französischen Priorisierung kamen sie ab dem 4. Januar zunächst Bewohnern von Pflegeeinrichtungen und deren Personal zugute. Zu den vorrangigen Gruppen zählen auch Ärzte und medizinisches Personal ab 50 Jahren. Ab Mitte Januar wird die Gruppe der Über-75-Jährigen an die Reihe kommen und bis Ende des Monats sollen, so das Ziel, 80.000 Dosen verimpft sein. Alles in allem geht es also voran.

Schwierigkeiten bereiten allerdings nicht nur wie überall der Transport und die Aufbewahrung des Impfstoffs bei extrem niedrigen Temperaturen. Die Franzosen gelten im Vergleich zu anderen Europäern als besonders impfskeptisch. Der Anteil der Impfbereiten hinsichtlich des Coronavirus lag in Umfragen Ende 2020 noch unter 50 Prozent. Inzwischen scheint das Vertrauen zuzunehmen. "Wir brauchen diese präventive Maßnahme wirklich dringend", sagt deshalb der Straßburger Arzt und Beigeordnete Alexandre Feltz. "Die Zurückhaltung müssen wir durchbrechen und die Bevölkerung mitnehmen." Ohne Impfung der breiten Bevölkerung sei der Druck auf die Krankenhäuser auf Dauer zu groß, warnt Feltz.

Der im Vergleich zum Frühjahr 2020 abgeschwächte Lockdown vom vergangenen November hatte angesichts der zuvor dramatisch hohen Inzidenzen im Elsass deutlich Wirkung gezeigt. Infolge der Geschäftsöffnungen und Lockerungen im Dezember hat das Infektionsgeschehen aber wieder zugelegt. Jetzt meldet die Gesundheitsbehörde etwa 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner im Sieben-Tage-Schnitt.

Unterdessen mussten in den zurückliegenden Wochen im Elsass kontinuierlich fast 1000 Patienten mit Covid-19 stationär behandelt werden. Insgesamt mag man zwar den Eindruck gewinnen, die Lage sei weniger dramatisch als im Frühjahr 2020: Damals waren zeitweise doppelt so viele Kranke zu versorgen. Das Elsass leidet aber auch jetzt wieder mehr unter der Pandemie als Baden-Württemberg. Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl müssen derzeit etwa doppelt so viele Kranke beatmet werden wie auf der anderen Rheinseite.

So erscheint auch die Verlängerung der Ausgangssperre seit Sonntag begründet. Um 18 Uhr beginnt sie jetzt statt wie zuvor um 20 Uhr. So sollen mehr Kontakte vermieden und die Neuinfektionen so gering wie möglich gehalten werden – zum Leidwesen der Händler, die früher schließen müssen, und der Restaurants, die sich im Lockdown mit einem Abholservice über Wasser halten, der abends nun nicht mehr erlaubt ist. "Weichen wir auf einen Lieferservice aus", sagt der Inhaber eines Lokals in Mulhouse, "haben wir so hohe Unkosten, dass unsere Arbeit kaum mehr rentabel ist."
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