Der Prozess um die Synagogenschänder

Markus Vögele

Von Markus Vögele

Sa, 10. November 2018

Ettenheim

BZ-Plus In der Nacht vom 9. auf 10. November 1938 zerstörten Nazis auch in Ettenheim Synagogen und jüdische Anwesen, zehn Jahre später standen sie vor Gericht.

ETTENHEIM/OFFENBURG. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden auch die jüdischen Mitmenschen in Ettenheim zur Zielscheibe der Nationalsozialisten, deren Rassenhass sich auf offener Straße durch Zerstörung der jüdischen Anwesen und Misshandlung der jüdischen Mitbürger entlud. Die Täter der Ettenheimer Reichspogromnacht mussten sich zehn Jahre nach Schändung und Brandschatzung jüdischer Einrichtungen 1948 im sogenannten Synagogenprozess verantworten.

Zehn Jahre nach den Ereignissen der Reichspogromnacht 1938 in Ettenheim standen die Urheber des Judenpogroms, darunter ehemalige Funktionäre von NSDAP, SA und SS sowie Mitläufer wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit unter Anklage. Nach viertägiger Verhandlung verurteilte sie das Schwurgericht in Offenburg am 24. Oktober 1948 zu mehreren Jahren Haftstrafe, die sie im Internierungslager Lahr-Dinglingen verbüßten.
"Ich habe damals aus Angst lange Zeit nicht schlafen können", erinnert sich Martha H. heute an den damaligen Synagogenprozess vor dem Schwurgericht in Offenburg, in dem sich die Täter der Ettenheimer Reichspogromnacht verantworten mussten und sie als Zeugin der Ereignisse des 10. November 1938 aussagte.
Der 9. November 1938
Ettenheim, 10. November 1938
Zwischen 6 und 7 Uhr erhielt der Bürgermeister und Ortsgruppenleiter von Ettenheim Eduard Seitz (1895-1977) einen Anruf von Kreisleiter Richard Burk aus Lahr, der ihm den Auftrag erteilte, alle männlichen Juden von der SS in Schutzhaft nehmen zu lassen und antisemitische Kundgebungen durchzuführen. "Etwa um 7 Uhr morgens bin ich von drei SS-Männern in meiner Wohnung verhaftet worden. Einer von ihnen benahm sich sehr roh und schlug meiner Frau ins Gesicht. Ich wurde dann in den Ortsarrest verbracht, wo die anderen nichtarischen Einwohner von Ettenheim schon verbracht worden waren", schildert der jüdische Rechtsanwalt und Holocaustüberlebende Albert Strupp im ...

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