Wie ein Tanz auf dem Cello

Ulrike Le Bras

Von Ulrike Le Bras

Mo, 27. Mai 2019

Ettenheim

Abschluss des Musiksommers.

ETTENHEIM-ALTDORF. Mit einem ganz besonderen Bonbon ist am Freitag der 13. Ettenheimer Musiksommer nach vier Konzerten zu Ende gegangen: Bernhard Hentrich, Professor für Alte Musik an der Hochschule für Musik in Dresden, hat vor rund 50 Besuchern in der katholischen Kirche drei Solosuiten von Johann Sebastian Bach auf spannende Weise interpretiert.

"Tanz auf dem Cello", so lautete die Überschrift über dem Konzert und man darf mit Verlaub sagen: Es waren zwei sehr betagte Damen, mit denen sich Hentrich da aufs Parkett gewagt hat. Die eine wurde 1737 von Antony Stephan Posch gefertigt, überlebte rund 200 Jahre in einem Kloster in Wien und wurde an diesem Abend durch erfahrene Künstlerhand zum Leben erweckt. Die andere, nur unwesentlich jünger, wurde 1769 in der Werkstatt von Marx Straub in Rötenbach gebaut, trägt den Namen "Violoncello piccolo" und weist die Besonderheit auf, mit fünf statt der üblichen vier Saiten ausgestattet zu sein. Wen wundert es also, dass der Cellist seine Zuhörer vor dem Spiel mit Augenzwinkern warnte: "Dieses Konzert ist für Sie vermutlich genau so anstrengend wie für mich, denn diese Suite geht an die Grenze."

Gemeint war die an zweiter Stelle gespielte Suite Nr. 6, die den Unterschied zwischen den beiden Celli schön hörbar machte. Heller, metallischer im Ton, erinnerte dieses Instrument zeitweise an den Klang mongolischer Pferdekopfgeigen, während die Melodie deutlich den "guten alten Johann Sebastian Bach" erkennen ließ, immer wieder leuchtete das bekannte Thema aus "Wohl mir, dass ich Jesum habe" durch.

Die beiden auf dem Posch-Cello gespielten Suiten brachten den speziellen Stil Hentrichs zum Ausdruck: Oft mit energischen Aufstrichen, denen ein sanfter Ausklang folgte, so als packe er seine "Damen" erst herzhaft um die Taille, um sie in Bewegung zu bringen und dann aber Kraft und Tempo dem Alter der Tanzpartnerin anzupassen. Was seinem Spiel dennoch Dynamik verliehen hat, der Suite Nr. 5 in e-moll gar etwas Geheimnisvolles, das man sich gut als Soundtrack eines Stummfilm-Dramas vorstellen konnte.

Perfekt gepasst hat dies alles auch zur Szenerie des recht düster wirkenden Altarraumes, in dem sich der Künstler, ganz in Schwarz gekleidet, mit seinem von gedämpftem Licht angestrahlten Cello mittig platziert hat. Das hatte etwas Magisches.