Europa macht dicht

afp

Von afp

Mo, 16. März 2020

Ausland

Grenzschließungen, Ausgehverbote, geschlossene Cafés – die Länder kämpfen mit rigorosen Maßnahmen gegen die Pandemie.

BERLIN (AFP/höge). Europa ist der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge nun das "Epizentrum" der Coronavirus-Pandemie. Am Sonntagmorgen lag die Zahl der Infizierten auf dem Kontinent offiziellen Quellen nach bei 44 747 Fällen. Knapp 1800 Menschen starben in Europa an dem Virus. Die einzelnen Länder versuchen mit immer drastischeren Maßnahmen, die Verbreitung des Virus aufzuhalten. Dabei geht jedes Land seinen eigenen Weg.

Italien
Italien ist in Europa mit knapp 25000 Infizierten das am stärksten von der Pandemie betroffene Land. Allein am Sonntag registrierten die Behörden 3509 Fälle mehr als am Vortag. Mehr als 1800 Menschen starben an der durch das Virus verursachten Lungenkrankheit Covid-19. Das Land ergriff drastische Maßnahmen: Per Dekret erklärte die Regierung das ganze Land zur "Schutzzone". Die Bevölkerung soll das Haus bis zum 3. April möglichst nicht verlassen. Ausnahmen gelten für den Gang zur Arbeit, zum Arzt oder zum Lebensmitteleinkauf. Es dürfen nur noch solche Geschäfte öffnen, die Lebensmittel oder Waren zur Gesundheitsfürsorge verkaufen. Schulen und Universitäten bleiben geschlossen.

Frankreich
In Frankreich sind seit Sonntag alle Restaurants, Bars, Cafés, Diskotheken und Kinos sowie die meisten Geschäfte geschlossen. Ausnahmen gibt es für Lebensmittelläden, Apotheken, Banken, Tankstellen und Kioske. Die Schulen sind ab Montag geschlossen. Die Kommunalwahl am Sonntag fand aber trotzdem statt. In Frankreich werden derzeit rund 5000 mit dem Coronavirus infizierte Menschen gezählt, mehr als 90 Patienten starben. Als eines der letzten europäischen Länder schloss Frankreich zudem alle Skigebiete. Angekündigt wurde zuletzt auch eine Einschränkung des Langstreckenverkehrs mit Zügen, Autos und Flugzeugen.

Schweiz
Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus ist in der Schweiz über Nacht um 800 gestiegen. Am Sonntag meldete das Bundesamt für Gesundheit 2200 positiv getestete Fälle, am Samstag waren es noch 1358. 13 Menschen sind in Folge einer Infektion gestorben. Besonders betroffen sind die Kantone Waadt und Tessin, aber auch in den beiden Basler Kantonen ist die Zahl gestiegen. Der Kanton Basel-Land erließ am Sonntag die Anweisung, dass alle Geschäfte mit Ausnahme der für die Grundversorgung notwendigen geschlossen bleiben, ebenso Gaststätten. Als Soforthilfe für die Wirtschaft hat der Bundesrat am Freitag zehn Milliarden Franken bereitgestellt, je 50 Millionen davon gehen an Sport- und Kulturveranstalter. An den Grenzen finden Kontrollen statt, nach Italien ist die Grenze weitgehend geschlossen.

Österreich
Die Regierung in Wien verschärfte ihre Maßnahmen gegen das Virus zuletzt Tag für Tag: Am Sonntag ordnete sie landesweite "Ausgangsbeschränkungen" an. Das Haus darf nur bei nicht aufschiebbarer Arbeit, dringenden Besorgungen sowie bei Hilfeleistungen für andere verlassen werden. Erlaubt sind in Ausnahmefällen Spaziergänge, sofern diese alleine oder mit im selben Haushalt lebenden Menschen gemacht werden. Versammlungen mit mehr als fünf Teilnehmern wurden verboten. Bei Verstößen drohen Geldstrafen von bis zu 3600 Euro etwa bei Spielplatzbesuchen. Ehemalige Zivildienstleistende und Milizsoldaten werden eingezogen. Flugverbindungen in zahlreiche Länder wurden gekappt. In Österreich sind bislang 800 Menschen infiziert, mindestens einer starb.

Spanien
Das Land ist mit mehr als 7750 Coronafällen schwer betroffen, mehr als 280 Menschen starben bereits. Die Regierung in Madrid erklärte am Samstag einen 14-tägigen Notstand und stellte das Land fast vollständig unter Quarantäne. Bürger dürfen das Haus nur noch verlassen, um zur Arbeit zu gehen oder um lebensnotwendige Besorgungen zu machen. Alle Schulen, nicht notwendigen Geschäfte sowie Vergnügungsstätten werden geschlossen. Der Ausnahmezustand erlaubt es der Regierung auch, den Reiseverkehr innerhalb des Landes zu beschränken und Güter zu beschlagnahmen.

Großbritannien
Im Gegensatz zu anderen europäischen Staaten geht das Land deutlich zurückhaltender bei der Pandemie-Bekämpfung vor. Großbritannien war lange vorgeworfen worden, nur unzureichend zu reagieren. Nachdem die Regierung zunächst starke Einschränkungen vermeiden wollte und auf eine "Herdenimmunität" setzte, kündigte London zuletzt dann doch erste Maßnahmen an. Gesundheitsminister Matt Hancock gab am Sonntag bekannt, die Regierung werde am Dienstag Notstandsgesetze erlassen, darunter wohl ein Verbot von Massenversammlungen. Laut JHU sind in Großbritannien bislang mehr als tausend Menschen infiziert, zudem wurden 21 Tote verzeichnet.

Griechenland
Griechenland schließt mit Wirkung vom Montag die Grenzen zu Albanien und Nordmazedonien. Auch der Luft- und Fährverkehr zwischen Griechenland und Italien sowie alle Flüge nach Spanien werden eingestellt. Kreuzfahrtschiffe dürfen in den griechischen Häfen nicht mehr anlegen. Nachdem auf Weisung der Regierung seit dem Wochenende alle Einkaufszentren, Restaurants, Cafés, Bars, Fitnessstudios, Sportstadien, Strände und Schwimmbäder geschlossen sind, gelten ab Montag auch Einschränkungen beim Zugang zu den Supermärkten: Es dürfen sich nur zehn Kunden pro 100 Quadratmeter Verkaufsfläche gleichzeitig in den Märkten aufhalten.