BZ Hautnah

Europa-Park-Chefs Jürgen und Roland Mack sprechen über die Bedeutung von Heimat

Sylvia Sredniawa

Von Sylvia Sredniawa

Mo, 26. Februar 2018 um 12:58 Uhr

Waldkirch

Sie sind die Chefs des Europa-Park – aber auch Botschafter für die Heimattage: Jürgen und Roland Mack. Bei "BZ Hautnah" in Waldkirch haben sie darüber gesprochen, was Heimat für sie bedeutet.

Man kennt sie als Gründer und Chefs des Europa-Parks Rust sowie als Gesellschafter der Achterbahnfabrik Mack Rides in Waldkirch, doch in diesem Jahr haben Roland und Jürgen Mack noch eine zusätzliche Funktion: Sie sind Botschafter der "Heimattage Baden-Württemberg", die 2018 ganzjährig mit über 250 Terminen in Waldkirch stattfinden. In einer BZ-Veranstaltung im Elztalmuseum kam Holger Knöferl, stellvertretender Chefredakteur, mit den Beiden über das Thema Heimat im Gespräch. (Fotos)

Roland Mack, Jahrgang 1949, und sein Bruder Jürgen Mack, Jahrgang 1958, sind global aktive Unternehmer, nähren sich aber von ihren starken Wurzeln in ihrer Region. "Wir hatten eine unglaublich schöne Kindheit" in Waldkirch erzählt Roland Mack: die Elz, die Kastelburg, der Wald, in dem er mit Freunden als Kind Hütten baute … Waldkirch war "ein sensationeller Platz für Kinder", findet er und hofft, dass Kinder heute, trotz aller technischen Verlockungen, dies noch immer so erleben können.

Die Wohnungen der Familie Mack lagen, wie so oft bei familiengeführten Unternehmen, immer unmittelbar am oder im Betriebsgelände der 1780 gegründeten Wagen- und Karussellbaufirma Mack. Dreimal zog man um, aber immer in Waldkirch. "Das Leben des Unternehmens hat immer auch zu Hause stattgefunden", sagt Jürgen Mack. Sein älterer Bruder erinnert sich noch, wie manchmal Großvater Heinrich abends "auf dem Bänkli" am Haus saß, wenn er mit dem Fahrrad herumkurvte. "Aus der Wohnung raus, war man mitten in der Wagnerei". Als Roland zwei Jahre alt war, baute Vater Franz die erste Bobbahn aus Holz, als er drei war, wagte das Unternehmen den Sprung ins Amerika-Geschäft. Die Buben studierten Maschinenbau (Roland) und Wirtschaftsingenieurwesen (Jürgen). Ihr Vater sei ein großer Amerikafan gewesen, berichtet Roland, und erwähnt, dass daran auch dessen Kriegsgefangenschaft bei den Amis nichts geändert habe.

Warum "Europa" und nicht "Baden-" oder "Schwarzwald-Park"?

Das führte auch zu einer Richtungsentscheidung: Nachdem Franz Mack (1921-2010) mit seinem Sohn Roland Freizeitparks in den USA angeschaut hatte, fiel 1975 die Entscheidung, den Europa-Park zu gründen. Ausgerechnet "Europa", warum nicht "Baden-" oder "Schwarzwald-Park"? Roland und Jürgen Mack machen im Gespräch deutlich, wie stark die Familie in der Region verwurzelt ist, dass der Begriff "Heimat" für sie aber nie streng auf Waldkirch bezogen war, sondern auch auf den Schwarzwald, Südbaden, Elsass und den ganzen Oberrhein mit seiner Nähe zur Schweiz und zu Frankreich – auch wenn zu den Gründungszeiten des Europa-Parks noch Schlagbäume den schnellen Weg ins Nachbarland stoppten.

Anfangs habe er einmal bei der Industrie- und Handelskammer "antanzen" müssen, berichtet Roland Mack: Der Mitarbeiter dort habe nicht verstanden, warum ein paar Karussells auf dem damals noch recht überschaubaren Freizeitgelände in Rust nach Europa benannt sind. "Aber das ist lange her. Die Entwicklung hat uns recht gegeben. Glück gehört dazu – aber Glück ist nicht entscheidend zum Erfolg".

"Es macht einfach Spaß, mit den Badenern zu arbeiten." Roland Mack
Heute habe der Europa-Park im Jahr über fünf Millionen Besucher, anderthalb Millionen davon kämen aus Frankreich über die nun offene Grenze; 25 Prozent der Mitarbeiter des Parks auch. Sich in Rust anzusiedeln, habe ursprünglich aber viel "mit Bauchgefühl" zu tun gehabt. Wenn es damals schon Standortanalysen wie heute gegeben hätte, wäre das Ergebnis – fern abseits aller Metropolen mit vielen potenziellen Kunden – womöglich ein Nein gewesen. So etwas gab es damals aber nicht, statt dessen den unbedingten Wunsch, in der Region, in der Heimat, zu bleiben. "Wir hätten die Leistung Europa-Park nicht bringen können, wenn er nicht in der Region gewesen wäre", ist Roland Mack überzeugt: Man kenne den Menschenschlag, weiß, was er will und was er zu leisten imstande ist. "Es macht einfach Spaß, mit den Badenern zu arbeiten."

Das gilt bis heute fort, weshalb sich die Macks auch für die Realisierung ihres neuen Wasserparks erneut für Rust entschieden haben, statt den "Anlockungen von auswärts zu erliegen". Die Macks, berichten die Brüder, "hängen einfach an der Scholle". Den Karussell- und Achterbahnbau in Waldkirch gibt es nun schon in achter Generation – und "die neunte setzten wir als Testpiloten in die Achterbahn", witzelt der ältere Roland.

Die idyllische Gegend mit ihren Dörfern, Bauernhöfen, einer schönen Natur, Bergen, gutem Wetter, einer reichen Geschichte, der Nähe zu den Nachbarländern, einem vielfältigen kulinarischen Angebot und vieles mehr sind Aspekte, die die Verwurzelung der Unternehmerbrüder in der Region prägen, die sie zu Fans ihrer Heimat machen. In Offenheit gegenüber Europa und der Welt biete dieser Hintergrund den Menschen hier – ohne die vielfältigen Ablenkungen von großen Städten – die Möglichkeit, sich auf Vorhaben zu konzentrieren, kreativ zu werden, neugierig zu bleiben und Probleme zu lösen.

Global denken, lokal handeln. So kann man auch schwierige Zeiten überwinden: Unter dem Namen Mack Rides hat die Waldkircher Karussellbau-Firma in den vergangenen Jahren den erfolgreichen Umstieg vom Schaustellergeschäft- zum Park-Produzenten geschafft, mit einer Exportrate von über 90 Prozent und Aufträgen aus aller Welt und Jahre voraus.

"Blue Fire" war für Mack Rides der Türöffner in die neue Branche

Die Alternativfrage von Holger Knöferl – "Mitfahren: Achterbahn Blue Fire oder Dampfer African Queen?" – beantworten daher beide Macks nicht ohne Grund mit "Blue Fire": Das Hightechprodukt mit Katapultstart sei nicht nur im Europa-Park beliebt, sondern für Mack Rides der Türöffner in die neue Branche gewesen.

Auch beim "Essen gehen: Straußi in Waldkirch oder Ammolite im Europa-Park", sind sich die Brüder einig: "Beides". Statt Martin Schulz würden sie lieber mal Angela Merkel treffen, der Treffer beim Lesen – Badische Zeitung oder Managermagazin? – landet ganz klar bei der BZ. Der für die Alternative SC Freiburg/Bayern München beim Sportclub.

Ob es früher besser war oder heute? Jürgen und Roland Mack zögern erst, dann sagen beide "heute": Man sehe, wie die Unternehmen sich entwickelt haben – sowohl Mack Rides als auch der Europa-Park – und gestaltet den Generationenübergang, sagt Jürgen. Das sei sehr spannend. Sein Bruder meint: "Die Macks haben immer gerne nach vorn geschaut."

"Wir müssen jungen Leuten zeigen, dass man eine gute Lebensperspektive in ländlichen Regionen und familiengeführten Unternehmen finden kann." Jürgen Mack
Und Heimat morgen? Viele würden erst begreifen, was ihnen die Heimat bedeutet, wenn sie mal in der Fremde waren, findet Jürgen Mack. Teils sei der Begriff Heimat auch negativ besetzt. "Wir müssen jungen Leuten zeigen, dass man eine gute Lebensperspektive in ländlichen Regionen und familiengeführten Unternehmen finden kann". Hier könne es auch gelingen, Menschen, die zu uns kommen, zu integrieren und neue Heimat zu geben: "Wir brauchen sie hier."

Zwei Wünsche für eine noch bessere Entwicklung der Region hat Roland Mack trotz aller Heimatliebe dennoch: Die digitale Infrastruktur und die Verkehrsanbindungen, sowohl bei Eisen- als auch Autobahn, müssten "dringend besser" werden. Das Digitale aus Voraussetzung für wirtschaftliche Weiterentwicklung, der Verkehr auch fürs Private: Denn auch, wer "seine Scholle" liebt, muss mal raus: zum Beispiel ans Meer – dem einzigen Heimatwohlfühlfaktor, der hier im Schwarzwald eben fehlt.
Ein Foto-Album zur Veranstaltung ist zu finden unter mehr.bz/hautnahmack18

Infos zu den Heimattagen unter http://www.heimattage-waldkirch.de