Tourismusbranche

Ferienhausvermittler Interchalet streicht in Freiburg jede zweite Stelle

Philipp Peters

Von Philipp Peters

Mi, 14. Oktober 2020 um 19:46 Uhr

Wirtschaft

Interchalet steckt tief in der Corona-Krise. Im Sommer kündigte der Ferienhausvermittler an, Stellen zu Streichen. Nun ist auch klar in welchem Umfang: Die Zahl der Mitarbeiter sinkt von 200 auf gut 100.

"Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat sind weitgehend abgeschlossen", sagte Konzernsprecherin Tanja Pöll am Mittwoch auf Anfrage. Demnach soll die Anzahl der Mitarbeiter in Freiburg halbiert werden. Vor der Corona-Krise hatte Interchalet in Freiburg etwa 240 Mitarbeiter. Knapp 50 haben das Unternehmen bereits verlassen. Von den 190 verbliebenen müssen weitere 64 gehen. Übrig bleiben dann 126 Menschen mit 108 Vollzeitstellen. Der Großteil der Mitarbeiter wird das Unternehmen schon zum Monatsende verlassen.

Betriebsrat Dieter Wahl ist mit dem Verhandlungsergebnis dennoch zufrieden. Es sei die Rede davon gewesen, die Zahl der Mitarbeiter auf gut 70 zu kappen. "Statt einem Stellenabbau von 60 Prozent sind es jetzt 32", so Wahl – ausgehend von den 190 verbliebenen Mitarbeitern.

Transfergesellschaft für die betroffenen Mitarbeiter

Zudem gibt es für die betroffenen Mitarbeiter eine Transfergesellschaft, in der sie neu qualifiziert oder vermittelt werden. Dort erhalten sie maximal ein Jahr lang 90 Prozent ihres bisherigen Gehalts und zusätzlich eine Abfindung. Betrieben wird die Transfergesellschaft von der a+b Ausbildungs- und Beschäftigungsgesellschaft des Freiburger Rechtsanwalts Thomas Gann.

Interchalet sitzt in Freiburg an der Heinrich-von-Stephan-Straße. Bisher nutzte Interchalet hier viereinhalb Etagen, künftig sollen es nur noch zwei sein.

Die Corona-Krise ist noch nicht vorbei. Es sei aber ein starker Glaube da, dass eine Belebung des Tourismus schnell bei den Ferienwohnungen ankommt, so Wahl. Die Privatheit, die man mit den Wohnungen hat, sei für viele Reisewillige in Corona-Zeiten eher denkbar als die Unterkunft in einem Hotel. Eine Garantie gebe es natürlich nicht, räumt Wahl ein.

Interchalet gehört zur Hotelplan-Gruppe, die wiederum eine Tochter des Schweizer Handelskonzerns Migros ist. Hotelplan hat im Mai angekündigt, 425 Stellen abzubauen, davon 170 in der Schweiz. Die übrigen sollen in Deutschland und Großbritannien wegfallen.

Bereits damals hatte Hotelplan-Sprecherin Bianca Gähweiler erklärt, wie sehr die Corona-Krise auf den Tourismus-Konzern durchschlägt. "Diese Krise ist eine noch nie dagewesene Situation", sagte Gähweiler. "Die Umsatzeinbrüche sind horrend. Unsere Gruppe wird Umsatzverluste von mehreren hundert Millionen Schweizer Franken verzeichnen."

Umsatz lag zuletzt bei etwa 130 Millionen Euro

Interchalet wurde 1974 von Michael Heines gegründet, der das Unternehmen bis 2015 auch geführt hat. 2011 hat er dann einen Anteil am Unternehmen an die Migros-Tochter Hotelplan verkauft. Seit November 2013 gehört Interchalet komplett zu Hotelplan. Die Ferienwohnungssparte von Hotelplan, zu der neben Interchalet auch die Schweizer Interhome gehört, hat 2018 einen Umsatz von umgerechnet 334 Millionen Euro eingespielt. Der Interchalet-Umsatz lag zuletzt bei etwa 130 Millionen Euro.

Erst im September hatte Hotelplan einen Führungswechsel an der Konzernspitze verkündet. Thomas Stirnimann, der das Unternehmen acht Jahre lang geführt hat, wird zum Jahreswechsel von der 39-jährigen Laura Meyer abgelöst.