Schwörstadt / Bad Säckingen

Flaschenpost aus dem Jahr 1977 im Rhein gefunden

Harald Schwarz

Von Harald Schwarz

Do, 09. September 2021 um 11:57 Uhr

Schwörstadt

Ein Brief aus einer anderen Zeit ist in Schwörstadt aufgetaucht: Vor 44 Jahren haben Bad Säckinger Kindergartenkinder eine Flaschenpost auf Reisen geschickt – ein Wassersportler hat sie nun gefunden.

Da staunte Ulf Pasternack aus Schwörstadt wohl nicht schlecht: Als er von seinem Kajak aus Müll einsammelte, der auf dem Rhein dümpelte, stieß er auf eine Flaschenpost. Der Brief, den er aus der grünen Flasche zog, war 44 Jahre früher rheinaufwärts von einigen Erzieherinnen und Kindern vom damaligen Kindergarten "Schillerstraße" in Bad Säckingen auf die Reise geschickt worden.

Zuerst habe er die Flasche liegen lassen wollen, als er auf Höhe der Wehramündung bei der Sandbank den Müll aus dem Schilf der Einbuchtungen zog, erzählt Pasternack. Er habe sich gedacht, dass die Flasche irgendwann kaputt gehen wird und sich rund schleift.

Schließlich fischte er sie doch aus dem Wasser. Mit einem soliden Korken und einem Schraubverschluss war die Flasche verschlossen. Darin: ein Blatt Papier, Kinderzeichnungen auf der einen Seite, auf der anderen Seite die Aufschrift "Bitte melden!!!" Anschrift: Kindergarten Schillerstraße, Säckingen.

"Kinder aus aller Welt, wir suchen Freunde"

44 Jahre alt ist der Brief aus der Vergangenheit, auf die Pasternack gestoßen ist. 1977 hat die junge Erzieherin Heidemarie Ak mit 25 Kindern und einigen Kolleginnen vom Kindergarten Schillerstraße in Säckingen die Flaschenpost geschrieben. "Kinder aus aller Welt, wir suchen Freunde" war das Thema. Ob die Flasche wohl jemand findet und sich meldet? Mit einer Zeichnung durfte sich jedes Kind auf dem Brief verewigen, die Flaschenpost wurde auf die Reise geschickt.

Weit ist sie zwar nicht gekommen, doch manches hat sich in der Zwischenzeit verändert. Aus Säckingen ist mittlerweile Bad Säckingen geworden, der Kindergarten Schillerstraße heißt heute Kindertagesheim St. Vinzentiusverein.

Flasche soll in einem Aquarium landen

Der Fund des Müllsammlers Pasternack passe zum damaligen Thema der Flaschenpost, meint Heidemarie Ak heute. "Wenn ich Respekt und Achtung vor anderen Kulturen und Menschen habe, sollte das auch die Natur mit einschließen", sagt sie. Die Flaschenpost hat ihr Plätzchen im Büro von Kindergartenleiterin Stefanie Rufle gefunden. Ein endgültiger Platz wird voraussichtlich in einem Aquarium sein, gespendet von Ulf Pasternack.
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