Förderverein betritt Neuland

Dieter Maurer

Von Dieter Maurer

Mi, 06. November 2019

Hinterzarten

Hinterzartener Ashakiran-Initiative startet in Indien eine Ausbildung in nachhaltiger und biologischer Landwirtschaft.

HINTERZARTEN. Der Förderverein "Ashakiran" (Strahlen der Hoffnung) betritt buchstäblich Neuland. Im Ausbildungszentrum Vanantharam in Andra Pradesh/Indien begann eine Ausbildung in nachhaltiger biologischer Landwirtschaft. Unter dem Titel "Von der Mono- zur Mischkultur" werden 25 junge Adivasi (Ureinwohner) in innovative Konzepte der Landwirtschaft und der Nutztierhaltung unterrichtet. Die Vorsitzende des Fördervereins, Cornelia Mallebrein, informierte beim Indien-Abend im "Sonnenhof" Vereinsmitglieder und Freunde über das neue auf zwei Jahre angesetzte Projekt.

Landwirtschaft hat im ostindischen Odisha, einem der ärmsten Bundesstaaten des Subkontinents, keinen hohen sozialen Stellenwert. Junge Leute wandern auf der Suche nach prestigeträchtigeren Berufen in die Ballungszentren ab. Der Staat bietet kaum Ausbildungsmöglichkeiten in diesem Sektor. Hinzu kommen die negativen Auswirkungen des Klimawandels – zunehmende Dürre und dann wieder Starkregen. Mallebrein: "Das Ziel ist, die Felder so zu bewirtschaften, dass durch intelligenten Anbau eine Familien zwölf Monate im Jahr ernten kann und somit über ein regelmäßiges und gesichertes Einkommen verfügt." Die Kosten für das Bio-Farmprojekt belaufen sich auf rund 35 000 Euro.

Zielgruppe für die Teilnahme waren junge Adivasi aus der ländlichen Region des East Godavari Distrikts. Die meisten der oft unterdrückten Ureinwohner leben unterhalb der Armutsgrenze von zwei Euro täglich. Ihre Felder befinden sich in einem hügeligen Gebiet und sind sehr arbeitsintensiv. Viele von ihnen bauen nur Weizen, Reis und Baumwolle an. Trotz ständig steigernder Inflationsrate haben sich die Preise dafür kaum erhöht. Sie verdienen mit den traditionellen Anbaumethoden immer weniger.

Für das Ashakiran-Projekt hatten sich 65 Interessenten gemeldet, von denen letztendlich 25 ausgewählt wurden. Alle haben die mittlere Reife, sind stark an Agrarfragen interessiert und besitzen etwa drei Acker eigenes Land (rund 12 000 Quadratmeter). Die zehn Frauen und fünfzehn Männer sind zwischen 21 und 25 Jahre alt und verfügen über mehrjährige Erfahrung in der Landwirtschaft.

Die Organisation des Projekts liegt in den Händen des Laya Resource Centres in Vishhapatnam. Direktor ist Nafisa D"Souza. Laya verfügt über 20-jährige Erfahrung in der Ausbildung Jugendlicher auf dem Gebiet des biologischen Anbaus. Benudhar Sutar, lokaler Mitarbeiter von Ashakiran, hat gemeinsam mit Laya ein eigenes innovatives Konzept entwickelt. Je nach Bodenbeschaffenheit und -qualität können auf einer Multikultur bis zu 36 verschiedene Pflanzen wachsen und gedeihen.

25 Teilnehmer wohnen im Ausbildungszentrum

Die 25 Teilnehmer wohnen im Ausbildungszentrum in Vanantharam. Jeden Monat gibt es einen sechstägigen Unterrichtsblock. Dann kehren die Teilnehmer in ihre Dörfer zurück und erledigen dort bestimmte Aufgaben. Sie setzen sich mit naturwissenschaftlichen Fragen in den Bereichen Geologie, Bodenkunde, Pflanzenzüchtung, Agrarökonomie, neue Anbautechniken und Regenwassermanagement und biologischen Düngungsmethoden auseinander. Die Studierenden lernen, wie sie Pflanzen effizienter anbauen und die Fruchtbarkeit des Bodens durch Wechsel erhöhen können. Ashakiran stellt auch das Saatgut sowie junge Fruchtbäume zur Verfügung.

Cornelia Mallebrein besuchte bei ihrem Aufenthalt das Land der 25 Jahre alten Bäuerin Savitri und deren Eltern. Zum ersten Mal, erzählte die Teilnehmerin an dem Projekt, habe sie anstelle der üblichen drei Getreidearten insgesamt 36 verschiedene Getreidesorten sowie Hülsen- und Erdfrüchte angepflanzt. Die Indologin aus Deutschland versprach ein Wiederkommen in einem Jahr, um den Erfolg mit eigenen Augen zu sehen.

Zur Ausbildung zählt zudem die richtige Haltung von Nutztieren. Hühner, Ziegen und Rinder dienen der Gewinnung von Nahrungsmitteln und liefern Dünger. Ein weiterer Schwerpunkt des theoretischen Unterrichts ist die Vermittlung von wirtschaftlichem Know-How und die Kommunikation mit staatlichen Stellen, um die von der Regierung zugesicherten Subventionen und Fördergelder auch zu erhalten. Die erzielten Überschüsse werden reinvestiert.
» Neuer Speisesaal: Im August 2018 verstarb im Alter von 95 Jahren Susanne Mallebrein aus Hinterzarten. Sie war die Mutter von Cornelia und Ehefrau des ehemaligen Landrats im Hochschwarzwald, Alfred Mallebrein. Die Familie bat um Spenden statt Grabschmuck. Mit dem Geld wurde der veraltete Speisesaal für die Buben im Kinderzentrum Banabasi neu eingerichtet. Die 100 Jugendlichen müssen nun beim Essen nicht mehr auf dem vor allem im Winter kalten Boden sitzen, sondern können ihre Mahlzeiten bequem auf Hockern einnehmen.
Weitere Großprojekte von Ashakiran: die Betreuung von Waisen im Banabasi-Zentrum, eine Solarausstattung für das Waisenheim im Dorf Ruthingia, die technische Ausbildung von 35 Waisen im Industrial Training Centre in Phulbani, die Betreuung von Mädchen im Waisenhaus Vikash Parishad, Hilfe für die Zyklonopfer vom Mai 2019 und die Ausbildung von Gesundheitsberatern in traditioneller Medizin (die BZ berichtete).
» Filmvorführung: Bei der Reise im Oktober dabei war der 19-jährige Jonas Riedel aus Freiburg, ein Sohn der Nichte von Cornelia Mallebrein. Er beschäftigte sich schon früh mit dem Thema Film. Für seinen Streifen über die Freiburger Hausbesetzer in den 80er Jahren wurde er im Geschichtswettbewerb Landessieger in Baden-Württemberg. Am 21. November erhält er den Schülerpreis für Heimatforschung. Sein Film über Ashakiran beeindruckten die gut 100 Besucher des Indien-Abends im Sonnenhof.