Vereins-Aktion

Mädchen konnten sich mit der Schachgroßmeisterin messen

Miguel Helm

Von Miguel Helm

Di, 20. Oktober 2015

Freiburg

Beim Mädchentag des Schachklubs Freiburg-Zähringen 1887 gab’s am Wochenende auch ein Simultanschach-Turnier.

ZÄHRINGEN. Schach und Frauen: Das ist tatsächlich eine seltene Kombination. Nur ganz wenige Frauen wagen sich ans Brett. Der Schachklub Freiburg-Zähringen 1887 will daran etwas ändern. Und deswegen gab’s am Samstag einen Tag nur für Mädels. Die mussten sich dann gleich richtig ins Zeug legen. Beim Simultanschach versuchten sieben Mädchen gleichzeitig, eine der beiden Schach-Starfrauen des Vereins zu schlagen.

"Jetzt sag’ mir doch bitte, bitte was ich machen soll!", ruft die 13-jährige Tomma Hallpap ihrer Freundin Isabella Antusch (14) zu. Isabella spielt schon seit der zweiten Klasse im Verein Schach und hat am Vormittag den zweiten Platz bei den U-16-Bezirksmeisterschaften gemacht. Zum Mädchenaktionstag des Schachklubs Freiburg-Zähringen hat sie dann am Nachmittag Tomma mitgebracht. Die ist aber noch nicht so fit im Schachspielen. Das merkt man an ihren etwas hilflosen Blicken aufs Holzbrett. Immer wieder fragt sie Isabella, was sie machen kann, damit sie nicht noch mehr von ihren Figürchen verliert. "Materiell gesehen ist es bei dir halt mittlerweile wirklich kritisch", flüstert Isabella, die jetzt gerade nicht selbst spielt, sondern nur berät.

Wenn Großmeisterin Bettina Trabert am Tisch vor Tomma Station macht, kann die Schülerin des Deutsch-Französischen Gymnasiums ihr – selbst mit Isabellas tatkräftiger Unterstützung – wenig entgegensetzen. Immerhin dauert es eine gute Stunde, bis Bettina Trabert das Spiel mit einem "Schachmatt!" beendet. Die 46-Jährige spielt aber nicht nur gegen Tomma – sondern auch noch gleichzeitig gegen sechs weitere Mädels, die ihre Bretter nebeneinander aufgereiht haben.

Lässig zieht Bettina Trabert von Schachbrett zu Schachbrett und nimmt bei fast jedem Zug gegnerische Türme, Springer oder Bauern aus dem Spiel. Beim sogenannten Simultanschach spielt ein starker Schachspieler gegen mehrere schwächere. Für die sollen sich dadurch die Chancen, auch mal zu gewinnen, erhöhen. Trotzdem bleibt es für die sieben Mädchen arg schwierig, Bettina Trabert aus der Reserve zu locken. Denn: Die 46- jährige Journalistin und Englisch-Übersetzerin ist eine richtige Schach-Expertin.

Seit ihrem achten Lebensjahr spielt die gebürtige Kanadierin – anfangs vor allem gegen ihre beiden Brüder. Die können aber schon bald nicht mehr mit ihr mithalten. Gegner auf Augenhöhe findet sie schnell nur noch in der Weltspitze. Fünfmal geht sie bei der Schacholympiade an den Start, zwei Mal bei Mannschaftseuropameisterschaften. Seit 2000 ist sie Großmeisterin. Das ist der höchste Titel, den der Weltschachbund vergeben kann. Um den zu bekommen, muss man erfolgreich an mehreren internationalen Turnieren teilgenommen haben. Nur der Weltmeistertitel ist noch angesehener in der Schachwelt. Weltweit gibt’s mehr als 1300 Großmeister, darunter aber nur ganz wenige Frauen. Bettina Trabert gehört dazu, genauso wie die Vorsitzende des Schachklubs Freiburg-Zähringen 1887, Barbara Hund.

Beim Schach sind Frauen normalerweise in der klaren Minderheit. Der Frauenanteil in Deutschland liegt bei gerade einmal sieben Prozent. Woran liegt’s? "Beim Schach kann es bei den Jungs schon mal laut werden. Die quatschen auch mal gerne rein. Das schreckt vielleicht die Mädchen ab", erklärt Barbara Hund, die als Mathematikerin bei einer schweizerischen Versicherungsgesellschaft arbeitet. Außerdem: "Weil es so wenige Mädchen beim Schach gibt, existieren auch keine sozialen Bezugspunkte." Im Schachklub Freiburg-Zähringen 1887 (Internet: freiburg1887.badischer-schachverband.de) ist die Frauenquote allerdings besser als in den meisten anderen Schachvereinen. Immerhin jedes vierte der 90 Mitglieder ist eine Frau, bei den Jugendlichen sogar jedes dritte.

In der Nähe von Tomma Hallpap sitzt die elfjährige Anna Wagner ganz konzentriert vor ihrem Brett. "Wenn ich jetzt meinen Läufer auf B 6 setze, dann kann sie ihren Turm auf E 8 setzen. Im Zug darauf kann sie mich grundlinienmatt setzen", analysiert Anna ihre Spielsituation: "Aber ich habe einen Plan!" Doch dann kommt Bettina Trabert an ihren Tisch, macht etwas, womit Anna nicht gerechnet hat, und geht mit einem breiten Lächeln ans nächste Brett. "Oh Mann! Die hat mir meinen Plan kaputt gemacht", ruft Anna Wagner. Ein paar Züge später heißt es auch für sie: schachmatt.