Plastikfreier Alltag

Freiburg soll einen zweiten Unverpackt-Supermarkt bekommen

Manuel Fritsch

Von Manuel Fritsch

Do, 25. April 2019 um 15:10 Uhr

Freiburg

Seit zwei Jahren kann man in Freiburg verpackungsfrei einkaufen. Inzwischen läuft der Unverpackt-Supermarkt im Sedanviertel so gut, dass die Inhaber eine zweite Filiale aufmachen wollen.

Wie man Plastik vermeiden kann, ist derzeit eine der brennendsten Fragen. Rewe hat schon vor längerem stolz verkündet, dass in den Läden die Plastik-Einkaufstüte abgeschafft werde. Beste Voraussetzungen also für einen Laden, der erst gar keine Verpackungen anbietet. Vor zwei Jahren hat im Sedanviertel die "Glaskiste" aufgemacht. Nach einem halben Jahr reichte der Umsatz, um den Betrieb am Laufen zu halten, wie Geschäftsführerin Lisa Schairer damals sagte. Rechnet sich der Laden jetzt, nach zwei Jahren Betrieb? Wir haben nachgefragt.

Am Nachmittag ist die Glaskiste gut gefüllt. Rund zehn Kunden stehen in der Schlange, eine junge Frau füllt Getreide in ein großes Einmachglas um, eine andere begutachtet plastikfreie Zahnbürsten mit Bambusgriff und handgesiedete Seifen. Auf den ersten Blick scheint der Laden zu laufen. Lisa Schairer sitzt in einem kleinen Büro im ersten Stock und sieht das auch so. "Wir haben in den zwei Jahren unseren Umsatz verbessert, so dass wir jetzt auch einen besseren Stundenlohn zahlen können", sagt sie. "Es ist doch blöd, dass man gerade im nachhaltigen Bereich oft Sklavenlöhne zahlen muss."

"Wir mussten zum Beispiel lernen, wie man Gemüse richtig lagert." Lisa Schairer
Auch sie hätten am Anfang gekämpft. Alle drei Gründer hatten vorher etwas ganz anderes gemacht und wurden erst einmal ins kalte Wasser geworfen. Zu der Organisation des Geschäfts kamen ganz praktische Fragen. "Wir mussten zum Beispiel lernen, wie man Gemüse richtig lagert", sagt Schairer. Inzwischen habe sich das gut eingependelt. Wobei gerade beim Gemüse etwas angepasst werden musste. "Super gute regionale Sachen können wir nicht anbieten", sagt sie. Tobinambur zum Beispiel bleibe in den Regalen liegen. Den kaufen die Leute eher auf dem Wochenmarkt. Wer in der Glaskiste Gemüse kauft, will lieber den Gemüse-Mainstream.

Inzwischen gibt es auch Wein von lokalen Winzern

Zu dem Team, das anfangs nur aus den drei Gründern bestanden hatte, gehören inzwischen neun Minijobber und vier Teilzeitstellen, das Angebot ist stetig erweitert worden. Inzwischen gibt es auch Wein von einigen lokalen Winzern. Die Flaschen kosten Pfand, wie bei der Milch auch. "Was überhaupt nicht klappt", sagt Schairer, "ist pflanzliche Milch." Die gebe es nur im Tetrapak. Sie sei zwar im Gespräch mit einigen Produzenten, aber bislang habe sich noch niemand dazu durchgerungen, auf Glasflaschen umzustellen.

Generell gelte: Je mehr die Produkte verarbeitet sind, desto eher werden sie in Plastik geliefert. Italienische Nudeln zum Beispiel seien einfach nicht anders zu bekommen. "Wir kriegen sie natürlich in größeren Packungen, aber ganz ohne geht nicht." Bei den badischen Nudeln dagegen haben sie ein Tauschsystem entwickelt. Der Hersteller liefert volle Kisten und nimmt leere wieder mit. "Je regionaler die Produkte sind, desto besser können wir so ein Tauschsystem einführen", sagt Schairer. Aber auch auf Herstellerseite bewege sich viel. Gerade der Bio-Großhändler Rinklin sei sehr an der Verpackungsfrage interessiert.

Inzwischen hat sich der Laden so gut entwickelt, dass die Glaskiste nicht mehr ausreicht. "Wir kommen einfach nicht mehr hinterher mit der Logistik", erzählt Schairer. "Vor allem mit dem Auffüllen der Spender." Ende des Jahres planen sie, einen zweiten Laden zu eröffnen. Die Inhaber des Bioladen Verde in Herdern haben ihr Geschäft an Schairers Kompagnon verkauft. Ende des Jahres soll dort eine zweite Glaskiste entstehen.



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