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"Der Datenwert wächst im Quadrat"

  • Mi, 26. Februar 2014
    Freiburg

     

Freiburger Chaos-Computer-Club über Gefahren und die Macht des Nutzers nach Whatsapp-Deal.

Für Verunsicherung bei den Nutzern sorgt die Übernahme des Internet-Nachrichtendienstes Whatsapp durch Facebook. Liest der Internetgigant Facebook künftig die Kurzmitteilungen mit, wertet er Nutzerdaten kommerziell aus? "Daten, die erhoben werden, werden früher oder später genutzt", sagt Björn Witt, Sprecher des Chaos-Computer-Clubs Freiburg. Doch von wem? "Wer seine Daten preisgibt, verliert die Kontrolle darüber. Gerade bei kostenlosen Diensten wird der Nutzer oft selber das Produkt."

Einmal gespeicherte Daten können vielfach verwendet und gestohlen werden. Oder sie können auch von anderen Firmen übernommen werden, letzteres oft mit dem unbewussten Einverständnis der Bürger, sagt Blörn Witt. Lieber zu viele Daten als zu wenig, laute das Motto von Firmen und Geheimdiensten, denn Speicherplatz sei billig. Die Lebensdauer der Informationen sei fast unbegrenzt, das Problem längst international. Wie geht man mit den Risiken um? Björn Witt, Sprecher des Clubs, hat den Eindruck, die Bevölkerung vertraue letztlich auf den Rechtsstaat: "Die Zahl derer, die sich keine Gedanken machen, ist zu hoch."

Die Gefahren seien oft subtil. Viele Einzeldaten ergeben ein erstaunlich lückenloses Profil aus Bewegungsprofilen, Kontaktdaten oder Vorlieben, sagt Witt. Er bezweifelt nicht, dass die Daten auch bei Facebook mittelfristig zusammengelegt werden, darum sei der Whatsapp-Deal so brisant: "Der Wert der Daten steigt mit ihrer Kombination im Quadrat, ihr Missbrauchspotenzial auch." Interessant seien Datenpakete auch für andere Stellen.

Während es zu Facebook Witt zufolge kaum eine Alternative gibt, ist das bei Whatsapp anders. Dabei sind die Alternativen zwar nie absolut sicher, sagt der Experte, denn die Verschlüsselung von Daten sei "wie Fahren mit 300 Stundenkilometern auf der Autobahn" – ein Fehler reicht. Doch bei Whatsapp sei die Sicherheit im Gegensatz zu anderen Diensten nie Teil des Konzepts gewesen. Da die Gesetzgebung der Entwicklung hinterherhinke, betont der Chaos-Computer-Club die Verantwortung des Nutzers: Dieser solle sich verhalten, als könnte jeder seine abgegeben Daten sehen – "Privatsphäre gibt es im Netz nicht" – und sich einen Überblick über seine Accounts verschaffen. Der Club bietet dabei in Seminaren Hilfe und fordert dazu auf, sich selber Gedanken zu machen: "Jeder muss die Chancen und Risiken für sich abstecken."

Mehr Infos unter http://www.cccfr.de

INFO: DIE ALTERNATIVEN

Zu dem Dienst Whatsapp gibt es einige Alternativen. Zum Beispiel "Threema" für das Betriebssystem iOS (1,79 Euro) und Android (1,60 Euro), kein offener Quellcode. "Telegramm" für iOS und Android (kostenlos), 200 000 Euro Prämie für den Entdecker von Sicherheitslücken. "Surespot" für iOS und Android (kostenlos), spendenfinanziert mit offenem Quellcode. "Blackberry Messenger" für Blackberry , iOS und Android (kostenlos), die Identifikation erfolgt über einen PIN-Code statt über die Telefonnummer.

Ressort: Freiburg

  • Artikel im Layout der gedruckten BZ vom Mi, 26. Februar 2014: PDF-Version herunterladen

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