Flüctlingspolitik

Für Roma-Flüchtlinge ist Freiburg kein Platz zum Bleiben

Arne Bensiek

Von Arne Bensiek

Mi, 12. Mai 2010 um 08:53 Uhr

Freiburg

Es wird eng im Flüchtlingswohnheim: In Freiburg kommen seit Jahresbeginn immer mehr verzweifelte Roma aus dem Kosovo an. Die Stadt fühlt sich vom Land im Stich gelassen.

Den Grund, warum sie hier ist, würde Ceija Majoré (*Name geändert) am liebsten vergessen. In ihren Händen knetet die zierliche Romafrau einen kleinen Schlüsselanhänger aus Plüsch. Ein Mann habe sie mit seinem Auto überfahren wollen, erzählt sie, und schaut runter auf ihren dunklen abgewetzten Rock. Er habe sie erwischt, ihr das linke Bein gebrochen. Der Knochen musste mit einer Metallplatte geschient werden. Die Schmerzen beim Gehen erinnern sie noch immer an das fürchterliche Erlebnis. In Polje im Kosovo, wo sie herkomme, habe man sie und ihre Kinder auch geschlagen. "Wir mussten weg, wir sind einfach losgefahren, egal wohin", sagt Ceija Majoré.

Kein Platz mehr im Flüchtlingswohnheim
Ein Mann mit einem kleinen roten Kombi habe sie mitgenommen – sie, ihren Mann und die vier Kinder. Details wisse sie nicht, es sei Nacht gewesen, sie habe mit den Kindern auf der Rückbank geschlafen. Vor drei Wochen stand die Familie dann im Freiburger Flüchtlingswohnheim St. Christoph. Warum gerade dort? "Ich weiß es nicht", sagt Ceija Majoré. Jetzt steht sie in einem Wohncontainer, trägt eine zu große Trainingsjacke und Filzpantoffeln. In den Häusern des Flüchtlingswohnheims war kein Platz mehr. Deshalb hat man ihre Familie notgedrungen da untergebracht, wo vorher das Werkzeug des Hausmeisters lagerte.

Infolge des Bürgerkriegs in der ehemals serbischen Provinz Kosovo Ende der 90er-Jahre flohen rund 3000 Roma nach Baden-Württemberg, ...

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