Yanis Varoufakis

GESICHT DER WOCHE: Er ist wieder da

Sigrun Rehm

Von Sigrun Rehm

So, 28. April 2019

Freiburg

In der Eurokrise war er ein Star: Als griechischer Finanzminister liebte er den großen Auftritt in Lederkluft, scheute keinen Eklat und gefiel sich darin, seinem gestrengen deutschen Kollegen Wolfgang Schäuble auf der Nase herumzutanzen, ehe er im Juli 2015 nach einem halben Jahr im Amt zurücktrat. Nun ist Yanis Varoufakis (58) wieder da und tritt bei der Europawahl am 26. Mai mit der Partei "Demokratie in Europa" in Deutschland an. Bei seinem Wahlkampfauftritt am Mittwoch in Freiburg scheint es zunächst, als sei der Hype vorbei: Nur ein wackeres Häuflein trotzt am Nachmittag bei der angekündigten Kundgebung auf dem Platz der Alten Synagoge dem Regen und verstreut sich rasch, als klar wird, dass mit Varoufakis wegen einer Zugverspätung erst am Abend im Bürgerhaus am Seepark zu rechnen ist. Dort zeigt sich dann, dass der Grieche sehr wohl über eine Fangemeinde verfügt, die ihn feiert. An die 400 Zuhörer – viele Studierende, dazwischen in Ehren ergraute Linke – wollen ihn und seine Mitkandidaten Dani Platsch und Srecko Horvat im Gespräch mit Stadträtin Monika Stein (Grüne Alternative Freiburg) erleben. Mit siegessicher erhobener Faust und der Hand auf dem Herzen kommt der Ökonomieprofessor auf die Bühne und erklärt – ein wenig gönnerhaft, aber durchaus charmant – den "European New Deal", den seine Partei plant. "Demokratie in Europa" ist Teil des linken "Democracy in Europe Movement 2025" (DiEM25), das Varoufakis 2016 initiiert hat. Er sei überzeugt, dass es in Europa keine Kluft gebe zwischen Süd und Nord, sondern nur zwischen progressiven und bremsenden Kräften. 500 Milliarden Euro will er jährlich in den Klimaschutz stecken. Dafür solle die Europäische Investitionsbank fünf Jahre lang Geld, das "sowieso da ist", als Anleihen ausgeben. Diese Bonds seien "eine Art Schwamm, der Liquidität aufsaugt, um sie für gute Dinge zu nutzen", meint Varoufakis. Von Brüssel fordert er vollständige Transparenz, Livestreams aller Sitzungen des Europäischen Rats und ein Register, das zeigt, wie lange welcher Lobbyist mit welchem Politiker gesprochen hat. Der Bevölkerung verspricht er Solidarität und menschenwürdigen Mindestlohn. Beim Publikum punktet er mit Humor und griffigen Bildern: "Wenn ein Bio-Brokkoli weniger kostet als ein Cheeseburger bei McDonald’s, haben wir das Ziel erreicht." Wie viel Prozent DiEM25 benötige, um die Vorhaben umzusetzen, fragt eine Zuhörerin. "Ein paar Sitze reichen", meint Yanis Varoufakis. Denn zeige die AfD nicht täglich, dass man keine Mehrheit braucht, um die anderen Parteien vor sich her zu treiben? Sigrun Rehm