Opfingen

Leckere Würmer von Mama: So geht's den Störchen auf der Bergkirche

Eva Opitz

Von Eva Opitz

Fr, 24. April 2015

Freiburg

Im Nest auf der Opfinger Bergkirche, das Gustav Bickel als eins von mehreren betreut, sind vier Jungstörche geschlüpft.

OPFINGEN. Als erste Storchenfamilie am Tuniberg haben Storchenmutter Dorle und Vater Silas im Horst auf dem Turm der evangelischen Bergkirche in Opfingen für Nachwuchs gesorgt. Das letzte von vier Jungtieren ist Dienstagnacht geschlüpft. Alle kleinen Störche sind wohlauf, wie die Bilder aus der Kamera auf dem Dach belegen.

Von den Jungen ist anfangs auf dem großen Fernsehschirm im Opfinger Rathaus nichts zu sehen. Dorle breitet ihre großen und breiten Flügel über die Jungtiere aus, um sie vor dem kalten Wind zu schützen. Erst als sie sich erhebt, um die Jungen zu füttern, zeigt sich das Gewusel von vier kleinen Störchen in der Nestmulde. Die Storchenfrau würgt heraus, was sie an kleinen Tieren gefressen hat, um mundgerechte Portionen für kleine Schnäbel anbieten zu können. Obwohl sie noch so winzig sind, stürzen sich die Jungtiere mit Eifer auf das Fressen.

"Gestern hat sie zu lange Würmer vorgelegt", sagt Gustav Bickel (63), Vorsitzender des Vereins "Weißstorch Breisgau: "Die hat sie selbst fressen müssen." Als ehrenamtlicher Betreuer ist der ehemalige Gemeindearbeiter mit der erfolgreichen Storchengeschichte im Dorf eng vertraut. Der Horst war bis 1968 immer besetzt und dann erst wieder ab 1995, als Störche das 1990 aktivierte Nest begutachtet und akzeptiert hatten. Bis 2014 zogen Opfinger Störche 70 Jungtiere groß, von denen sechs in der näheren Umgebung heimisch geworden sind.

In der Schule habe er vom Oberlehrer, der im jetzigen Weinhaus gewohnt habe, für jeden gesichteten Storch Schokolade oder eine Mark bekommen, so Bickel. Aus dieser Zeit stammt auch die Zusammenarbeit mit der Vogelwarte in Radolfzell, in deren Auftrag der Storchenbetreuer immer Anfang Juni mit Sicherheitsausrüstung das Dach erklimmt, die Jungstörche beringt und ihnen Namen gibt. Die Familiengeschichte jedes einzelnen Vogels im Breisgau ist für Bickel daher ein offenes Buch. Der fünfjährige Storchenmann Silas zum Beispiel ist 2011 aus der Gegend von Lörrach zugewandert und seine ein Jahr jüngere Gefährtin kommt aus Umkirch. Dass Störche nicht immer lebenslang treu sind, zeigt Bickel anhand der Opfinger Chronik. Die ehemalige Opfinger Storchenfrau Anne zog es vor drei Jahren nach Gottenheim und tauchte nicht wieder auf.

Bis die Vögel Mitte August in den Süden ziehen, hüten beide Elternstörche ihren Nachwuchs. "Direkte Feinde haben sie keine", erklärt der Storchenkenner. Wenn jedoch Rabenkrähen die Vögel attackierten, könne es passieren, dass die Störche so nervös werden, dass sie die Brut verlassen oder vor Schreck die Jungen tottrampeln: "Wenn sie das Nest verlassen, kühlen die Jungen aus und sterben." Kritisch kann es auch bei kaltem und nassen Wetter werden, wenn die Altvögel so durchnässt sind, dass sie die Jungen nicht mehr warm halten können oder die schnell wachsenden Jungen schon zu groß sind, um unters Flügeldach zu schlüpfen. Bickel freut sich über die Unterstützung, die er und seine Schützlinge am Tuniberg erfahren. "Das ist nicht selbstverständlich", sagt er. Denn Störche seien nicht überall willkommen. Oft werde kritisiert, dass sie Dreck machen und im Frühjahr zusätzliche Putzaktionen verursachen. Gegenwärtig ist er fast täglich unterwegs und Familienausflüge am Wochenende werden von den Störchen dominiert. Am Tuniberg warten auf ihn außer dem Opfinger noch ein Nest in Waltershofen und zwei in Munzingen – davon eines auf dem Golfplatz und seit vergangenem Jahr eines auf dem Kirchturm.