Sexualisierte Kriegsgewalt

"Mit Vergewaltigungen werden Einschüchterungen und Vertreibung erreicht"

Sigrun Rehm

Von Sigrun Rehm

Mo, 02. November 2015 um 09:05 Uhr

Freiburg

In dieser Woche lädt der Freiburger Verein "Anwältinnen ohne Grenzen" zur dritten Internationalen Balkankonferenz. Eine der Referentinnen ist die Frauenärztin Monika Hauser, die seit 20 Jahren gegen sexualisierte Kriegsgewalt kämpft.

BZ: Sexualisierte Gewalt ist in vielen Kriegen Teil der Strategie: Was lässt sich damit erreichen, was Panzer und Bomben nicht können, Frau Hauser?
Hauser: Mit Vergewaltigungen wird massive Einschüchterung bis hin zur Vertreibung bestimmter Bevölkerungsgruppen erreicht, das haben Kriege – ob in Bosnien oder Ruanda – immer wieder gezeigt. Sexualisierte Gewalt ist eine Demütigung der einzelnen Frau und zugleich eine Botschaft an den militärischen Gegner. Wenn im Kosovo während des Jugoslawienkrieges das Gerücht umging, dass sich "Arkans Truppen" [die Einheiten des serbischen Paramilitärs Željko Ražnatovic – d. Red.] nähern, sind ganze Dorfgemeinschaften geflohen. Diese Wirkkraft haben Kriegsvergewaltigungen, weil in patriarchalen Gesellschaften die Ehre der Familie, der Männer über die Unversehrtheit des Körpers der Frau definiert wird. Das gesellschaftliche Stigma, vergewaltigt worden zu sein, ist so massiv und langlebig, dass die Frauen oft nicht darüber sprechen und nicht heilen können.

BZ: Ihre Arbeit zielt daher neben medizinischer, psychologischer und juristischer Hilfe vor allem auf Entstigmatisierung?
Hauser: Ja, weil wir nicht nur für den Moment helfen, sondern langfristig und strukturell etwas verändern wollen. Der Kampf gegen Stigma und Tabu ist eine unserer Hauptaufgaben. Auch die am Ende des Zweiten Weltkriegs ...

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