Mordprozess Maria L.

Psychiater beurteilt Hussein K. als schuldfähig und rückfallgefährdet

Carolin Buchheim und Frank Zimmermann

Von Carolin Buchheim & Frank Zimmermann

Fr, 02. März 2018 um 07:01 Uhr

Freiburg

Ein psychiatrisches Gutachten beschreibt Hussein K. als manipulativ und als Person mit psychopatischen Zügen. Der Gutachter spricht sich am 22. Prozesstag für eine Sicherungsverwahrung des Angeklagten aus. Die Kammer hat nun den Urteilstermin festgelegt: auf den 22. statt den 21. März.

Der Urteilstermin wurde festgesetzt
Bislang war der 21. März für das Urteil anvisiert. Die Kammer bevorzugte jedoch den 20. oder den 22. März. Letzterer Termin, der 22. März, wurde nun festgesetzt.

Rechtliche Hinweise
Die Vorsitzende Richterin verliest rechtliche Hinweise, bei Annahme welchen Tatablaufs welche Verurteilung möglich wäre: Eine Verurteilung wegen Mord wegen Heimtücke in Tateinheit mit Vergewaltigung mit Todesfolge käme in Betracht. Eine Verurteilung wegen Mords wegen Verdeckungsabsicht in Tateinheit mit besonders schwererer Vergewaltigung falls er den Tötungsentschluss erst nach der Vergewaltigung getroffen habe; und bei Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht kann statt Unterbringung im Maßregelvollzug auch der Vorbehalt der Unterbringung der Sicherungsverwahrung angeordnet werden.
Verlesung des Auszugs aus dem Bundesregister
Im Bundeszentralregister gibt es für Hussein K. nur einen Eintrag vom 22.2.2016: Einreise ohne Pass.

Verlesung der Haftzeitübersicht
Hussein K. ist seit 2.12.2016 in Haft, Haftbefehl erging am 3.12., seit 7.12.2016 im Justizvollzugskrankenhaus Hohen Asperg.

Bericht der Jugendgerichtshilfe
Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe beginnt ihre Ausführungen. Sie hat an drei Terminen Gespräche mit Hussein K. im Justizvollzugskrankenhaus Hohen Asperg geführt. Beim ersten Termin habe K. unter Psychopharmaka gestanden. K. sei zunächst verschlossen gewesen, habe dann aber dabei bereitwillig Angaben gemacht und über seinen Haftalltag und sein Verhalten in der Freizeit berichtet.

K. habe sich interessiert und das Gespräch aktiv mitgestaltet. Eine Freundin habe er im Iran gehabt, in Freiburg jedoch nicht. "Zur vorgeworfenen Tat äußerte er sich jedoch nicht", sagt die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe.

Vor dem nächsten Termin habe es einen Zwischenfall gegeben, bei dem K. mit einem Stuhl in der Zelle randaliert und eine Überwachungskamera beschädigt hat. Seine Haltung sei deutlich niedergeschlagener gewesen, er habe nicht auf den Inhalt der Anklageschrift eingehen wollen.

Beim dritten Termin habe sie ihn mit dem Tatvorwurf in Freiburg konfrontiert. "Das war alles sehr sehr schwierig", habe K. gesagt. "Wenn er sein Leben in Haft verbringen müsse, würde er sich lieber umbringen." K. sei bei den Treffen sachlich geblieben.

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe verliest nun ihren Bericht zum Alter des Angeklagten. "Es ist nicht nur von einem höheren Alter, sondern auch von einer größeren Reife des Angeklagten auszugehen, als er ursprünglich angegeben hat", sagt die Gutachterin. Sie empfiehlt eine Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht.

Richterin, Staatsanwalt, Nebenklagevertreter und Verteidiger befragen Gutachter Pleines
12.30 Uhr: Es beginnt die Fragerunde mit Gutachter Hartmut Pleines. Die Vorsitzende Richterin Kathrin Schenk beschreibt positive Fähigkeiten des Angeklagten Hussein K. und von ihm erfahrene Benachteiligungen – seine Intelligenz, sein vermutlich junges Alter und das Fehlen einer festen Bezugsperson – und will wissen: "Wie bringen Sie diese in Einklang mit den von Ihnen beschriebenen Nachteilen?" Pleines sagt: "Die Intelligenz ermöglicht es Herrn K., sein Gegenüber zu täuschen und es zu falschen prognostischen Einschätzungen zu verleiten." Seine vordergründige Anpassung beinhalte keine tatsächliche Verhaltensänderung. "Sie halten also eine Verhaltensänderung mit hoher Wahrscheinlichkeit allein durch den Strafvollzug für nicht gegeben?" Pleines tut sich schwer mit einer "Null oder Eins"-Aussage, aber sagt dann: "Mit den herkömmlichen Mitteln des Strafvollzugs ist er wohl nicht erreichbar."

"Dass Herr K. sich so verhalten konnte, ist durch seine Persönlichkeit begründet. Es ist ein Zeichen eines fehlenden emotionalen Resonanzraums." Hartmut Pleines Oberstaatsanwalt Eckart Berger will wissen, ob die fehlende Sichtbarkeit der Delinquenz des Angeklagten etwa in den Tagen nach der Tat mit Abspaltungstendenzen zu tun habe. Pleines lehnt den Begriff der Abspaltung und den des Verdrängens ab. "Dass Herr K. sich so verhalten konnte, ist durch seine Persönlichkeit begründet", sagt er. "Es ist ein Zeichen eines fehlenden emotionalen Resonanzraums." ...

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