Tiere in der Stadt (1)

Warum es den Fuchs in die Stadt zieht

sge

Von sge

Di, 17. Mai 2016 um 05:00 Uhr

Freiburg

Der Fuchs ist zum Städter geworden: In Freiburg zieht es ihn nach Herdern, Littenweiler oder Günterstal. Nur unter der Osttribüne im Stadion durfte er nicht bleiben.

Warum kommt der Fuchs in die Stadt?
Herdern, Zähringen, Littenweiler oder Günterstal – Füchse zieht es überall hin. "Vor allem dorthin, wo es grün ist und es viele Gärten gibt", erklärt Geva Peerenboom. Die Doktorandin im Studiengang "Wildlife Ecology and Management" an der Uni Freiburg hat selbst schon in ihrem Garten in Zähringen eine Kamerafalle aufgestellt: "Der Fuchs drehte immer nachts zur selben Zeit seine Runde", sagt sie. Vermutlich sei er auf der Suche nach Essbarem gewesen, in ihrem Garten aber nicht fündig geworden.

Trotz Zutraulichkeit ist der Fuchs ein wildes Tier

Das Nahrungsangebot ist es auch, das die Wildtiere in die Stadt lockt. "Was das Futter angeht, sind sie nicht wählerisch", sagt Peerenboom. Abfälle wie Obst- und Gemüsereste vom Komposthaufen oder aus dem Hausmüll, Fallobst oder Mäuse, Vögel und Würmer – das alles steht auf ihrem Speiseplan. Die Expertin empfiehlt, Komposthaufen abzudecken und auch kein Katzen- oder Hundefutter auf der Terrasse stehen zu lassen.

Tagsüber halten sich die Reinekes in ihrem Versteck auf, beispielsweise auf Friedhöfen, in Parks, Schrebergärten oder auf Bahndämmen. Doch auch am helllichten Tag kann man ab und zu einen Fuchs sehen, wie Andreas Schäfer vom Forstamt sagt. "Jungtiere verlassen auch tagsüber den Bau", sagt er, "sie sind sehr arglos." Während Füchse auf dem Land eher Einzelgänger sind, bilden sich in Städten oft Familiengruppen, heißt es auf der Webseite der Uni. "Der Fuchs gehört zu einem kompletten Ökosystem Stadt dazu", so Peerenboom.

Welche Krankheiten kann der Fuchs haben?
"Das Thema Tollwut hält sich hartnäckig in den Köpfen", sagt Schäfer. Dabei wurde Baden-Württemberg 2008 als tollwutfrei erklärt. Den Fuchsbandwurm, der auf den Menschen übertragbar ist und tödlich verlaufen kann, aber gibt es noch. "Wenn man bestimmte Sicherheitsmaßnahmen trifft, kann man das Risiko stark minimieren", sagt Peerenboom. Dazu gehöre: Gemüse aus dem Beet richtig abwaschen ebenso die Hände, Haustiere entwurmen und Fuchskot aus dem Garten entfernen. Wie der aussieht, kann man auf der Internetseite der Uni, "Wildtiere in der Stadt", nachschauen. "Das Risiko, sich anzustecken, ist sehr gering", so die Forstwirtin, "panische Angst ist nicht angebracht."

Füchse können zudem an Räude erkranken. "Die sehen meist gruselig aus, weil ihnen Haare ausfallen", sagt Peerenboom. Während sie daran sterben können, sei die Krankheit für den Menschen ungefährlich. Auch dass sich Menschen mit Staupe anstecken, einer immer häufiger auftretenden Krankheit bei Füchsen, sei nicht nachgewiesen. Seinen Hund sollte man allerdings impfen.

Was tun, wenn man einem Fuchs begegnet?
"Niemals füttern", rät Peerenboom. "Der Fuchs findet auch ohne unser Zutun genügend zu essen." Selbst wenn mancher Reineke zutraulich wirke, handle es sich noch immer um ein wildes Tier. "Man weiß nie, wie es reagiert." Im Blutrausch töte ein Fuchs auch mal Hühner oder Kaninchen, vor dem Menschen nehme er Reißaus. Am besten in Ruhe lassen, empfiehlt die Expertin. Wenn man sich doch unsicher fühle, könne man den Fuchs auch verscheuchen, indem man sich groß mache und laut rufe.

Fragen rund um den Fuchs beantwortet das Forstamt. Laut Schäfer riefen auch immer wieder Leute an, bei denen sich im Garten ein Fuchs häuslich eingerichtet hat und die verlangten, dass er geschossen würde. "Die Jagd im städtischen Siedelungsgebiet ist nicht erlaubt", sagt er. Zudem mache das keinen Sinn. Wenn ein Fuchs mal ein bequemes Plätzchen gefunden habe, würden das andere Füchse schnell wiederbesiedeln. Den Garten abzuschotten, könne aufwendig sein.

Ein Fuchsbau im SC-Stadion
Eine Umsiedlung der Wildtiere ist laut Schäfer nur dann nötig, wenn sich der Fuchsbau unter dem Haus befindet und Einsturzgefahr droht. Oder wenn sie es sich unter der Osttribüne des SC-Stadions gemütlich machen. Dort hatten sich vor einigen Jahren zehn Füchse einquartiert, buddelten an Starkstromleitungen und machten der Statik zu schaffen. Als die Füchse auf Streifzug waren, wurden die Hohlräume versperrt und Lebendfallen aufgestellt, bis die Tiere schließlich umgesiedelt wurden. Ab und zu treibt sich laut Schäfer noch der eine oder andere Fuchs auf dem Sportgelände herum, im Stadion ist allerdings meist nur noch das SC-Füchsle anzutreffen.
Info

Weitere Infos gibt es online auf Wildtiere in der Stadt: Fuchs oder beim Forstamt unter 0761/201-6201.

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