Demonstration

Was ging beim… Freiburg Global Marijuana March 2019?

Valentin Heneka

Von Valentin Heneka

Sa, 11. Mai 2019 um 19:24 Uhr

Freiburg

Unter dem Motto "Keine Pflanze ist illegal" demonstrierten am Samstag Hunderte für die Legalisierung von Cannabis, der bekannte Jugendrichter Andreas Müller hielt eine Rede. Wie war die Demo?

Die Demonstrierenden

Für die Legalisierung von Cannabis demonstrieren am Samstag überwiegend junge Menschen, der Altersdurchschnitt liegt wohl etwas unter 30. Der 19-jährige Rafael aus der Ortenau etwa nimmt zusammen mit zwei Freunden zum ersten Mal am Freiburger Global Marijuana March teil. "Wir kiffen gerne mal einen und tun damit niemandem weh. Deswegen sollte es nicht verboten sein". Altersgrenzen gibt es dennoch nicht, auch Familien mit Kindern und Menschen im Rentenalter laufen bei der Demo mit. Gängigen Kiffer-Klischees entsprechen nicht alle, dennoch sieht man mehr T-Shirts mit fünfgliedrigen Hanfblättern, Ethno-Pullis und Dreadlocks in der Innenstadt, als an anderen Tagen. Süßliche Gras-Schwaden wabern ebenfalls vermehrt durch die Gassen.

Über die Zahl der Demonstrierenden gehen die Meinungen auseinander. Während Tobias Pietsch, Co-Organisator der Demo und Betreiber der "Hanfnah"-Läden in Freiburg, Lahr und Lörrach von 700 bis 800 Demonstrierenden ausgeht, spricht die Polizei von 400 Teilnehmenden. Einsatzleiter Nowak, der die Demo auf einem Segway begleitet, macht wie die Demonstrierenden einen entspannten Eindruck und findet lobende Worte für die reibungslose Zusammenarbeit mit dem Orga-Team. Die Polizei ist nur mit wenigen Kräften im Einsatz und hat bis 16 Uhr keine besonderen Vorkommnisse zu vermelden.

Die Redebeiträge

Die erste Rede am Platz der Alten Synagoge hält Norm Schäfer, einer der bundesweit ersten Cannabis-Patienten. Er berichtet von seiner langwierigen Suche nach einem Ärzten sowie Auseinandersetzungen mit Krankenkassen und Behörden. Schäfer leidet laut eigenen Angaben unter unter Epilepsie, habe dank Cannabis seit drei Jahren keinen Anfall gehabt. Danach ist der Stargast dran: Andreas Müller, Jugendrichter am Amtsgericht Bernau bei Berlin und medial omnipräsenter Befürworter der Cannabis-Legalisierung. "Wir kämpfen heute für eine gerechtere Gesellschaft, in der Menschen, die eine andere Droge als Alkohol konsumieren wollen, endlich gleichgestellt werden", beginnt Müller seine Rede, in deren Verlauf er sich unter dem Applaus der Demonstrierenden in Rage reden wird.

"Ich als deutscher Richter möchte kiffen dürfen und das hat mir kein Staat zu untersagen." Andreas Müller, Richter
Müller bezeichnet das Verbot von Cannabis als verfassungswidrig und berichtet von Richtern, Staatsanwälten und Polizisten, die keine Lust mehr hätten, Cannabis-Konsumenten zu verfolgen. Da die Akzeptanz für die Legalisierung in der Gesellschaft stetig steige, sei es nur noch als eine Frage der Zeit, bis das Verbot gekippt werde. "Ich als deutscher Richter möchte kiffen dürfen und das hat mir kein Staat zu untersagen", beendet Müller seine Rede. Später trägt der Richter das Fronttransparent, tanzt auf den Wagen und feuert die Menge an.

Die Musik

Klar: Reggae und Dub dürfen auf keiner Cannabis-Demo fehlen. Auf dem ersten Wagen ist dafür das Freiburger Digital Steppaz Soundsystem zuständig, dessen gewaltige Lautsprechertürme jede Menge Bass in die Altstadtgassen pumpen. Die Schaulustigen am Straßenrand reagieren darauf unterschiedlich: Manche tanzen freudig mit und reihen sich ein, andere halten sich die Ohren zu und suchen das Weite.

In der Mitte des Zuges fährt ein weiterer Wagen, auf dem die DJs Guido Bourley und Cosmic Skywalker Techno und Psytrance auflegen. Den Abschluss bildet ein Gespann, auf dem DJ Flowin Vibes Roots Reggae auflegt. Noch am Platz der Alten Synagoge findet der Auftritt der Freiburger Hip-Hop-Crew Endlessstory ein jähes Ende, als ein heftiger Regen- und Hagelschauer Rapper und Publikum unter die schützenden Vordächer des Kollegiengebäudes I der Uni Freiburg treibt.

Das Datum

"Wir wollen etwas Positives bewegen und nicht nerven." Tobias Pietsch, Orga-Team
Der Global Marijuana March in Freiburg fand eine Woche später statt, als in knapp 30 weiteren deutschen Städten. Tobias Pietsch vom Orga-Team begründet das damit, dass der Marsch 2018 mit einem Heimspiel des SC Freiburg zusammen gefallen sei. "Die Kombination war im vergangenen Jahr nicht ideal, daher haben wir ein späteres Datum gewählt". Außerdem hätte die Demo dann wieder zeitgleich mit einem Megasamstag des Einzelhandels in der Innenstadt stattgefunden, was 2017 Klagen von Geschäftsinhabern nach sich zog. "Wir wollen etwas Positives bewegen und nicht nerven", sagt Pietsch.

Der Einzelhandel

"Wegen der Bässe haben im Geschäft alle Scheiben gewackelt, es war viel zu laut." Ingrid Rose, Einzelhändlerin
Wirklich glücklich scheint man in den Ladengeschäften dennoch nicht zu sein. Ingrid Rose von Schreibwaren Rose unweit des Platz der Alten Synagoge wundert sich, dass derart laute Musik in den engen Innenstadtgassen erlaubt sei: "Wegen der Bässe haben im Geschäft alle Scheiben gewackelt, es war viel zu laut". Ähnliches berichtet auch eine Mitarbeiterin der Parfümerie Kern am Bertoldsbrunnen, die namentlich nicht genannt werden will. Selbst wenn sich Kunden im Geschäft befunden hätten, hätte sie diese aufgrund wackelnder Scheiben und lauter Musik nicht beraten können.

Fazit

Der Freiburger Global Marijuana March gehört definitiv zu den entspanntesten Demos, die jährlich in Freiburg stattfinden. Hier demonstrieren nicht nur Menschen, die einfach nur in Ruhe kiffen wollen, sondern auch solche, die sich für eine einfacherer Abgabe von medizinischem Cannabis einsetzen. Beides ist ein legitimes Anliegen – – auch mit Blick auf Länder wie Kanada, die USA oder Uruguay, die in den vergangenen Jahren Cannabis entkriminalisiert haben und nun einerseits von Steuern auf Cannabisprodukten, andererseits von gesunkenen Ausgaben für die Strafverfolgung profitieren.