Ausspioniert

Wie die Stasi 20 Jahre lang einen Freiburger bespitzelte

Frank Zimmermann

Von Frank Zimmermann

Sa, 02. Juni 2012 um 00:04 Uhr

Freiburg

Sie haben sein Leben auf 400 Seiten festgehalten: Der geflohene DDR-Grenzsoldat Peter M. wurde mehr als 20 Jahre lang in Freiburg von der Stasi bespitzelt. In der BZ erzählt er seine Geschichte.

Obwohl das Thema nicht zum Lachen ist, muss Peter M. kurz lachen, als er den Wehrpass aus seiner Zeit als Soldat der Nationalen Volksarmee (NVA) zeigt: So erzürnt waren die NVA-Oberen über seine Flucht in die Bundesrepublik am 18. September 1967, dass sie unter diesem Datum seine Degradierung vom Unterleutnant zum einfachen Soldaten vermerkten. Mitbekommen hat Peter M. dies aber erst fast 30 Jahre später, als er 1996 seine 400 Seiten dicke, von der Staatssicherheit – kurz Stasi – angelegte Akte durchforstete.



In der Akte ist Schwarz auf Weiß festgehalten, dass M. nach seiner Flucht in den Westen jahrelang von der Stasi bespitzelt wurde. Auch in seiner neuen Heimat Freiburg, wohin er 1968 zog, weil die Stadt weit weg von der DDR-Grenze und nahe an Bergen war – M. kam aus dem Elbsandsteingebirge in der Sächsischen Schweiz. In Freiburg fand der heute 66-Jährige zunächst Arbeit als Schlosser in der Uniklinik und ab 1970 in der Justizvollzugsanstalt – dort die ersten sieben Jahre als Aufseher und nach einem Studium an der Evangelischen Fachhochschule ab 1977 bis zu seiner Pensionierung 2007 als Sozialarbeiter. An seine Anfänge in Freiburg habe er gute Erinnerungen: Die westliche Bürokratie war für ihn eine fremde Welt, die Behörden hätten ihn sehr unterstützt. "Ein Flüchtling aus der DDR war in den 60er Jahren in Freiburg ja äußerst selten."

Die ...

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