BZ-Jobmotor-Siegerporträt

Freiburger Arzneimittelhersteller Pfizer knackt die 1000-Mitarbeiter-Marke

Barbara Schmidt

Von Barbara Schmidt

Mo, 22. April 2019 um 17:44 Uhr

Wirtschaft

Insgesamt 185 neue Stellen hat der Arzneimittelhersteller Pfizer in Freiburg neu geschaffen – und damit in der Kategorie "Neue Mitarbeiter" des BZ-Jobmotors gewinnen können.

Welche Firma hat in Südbaden im vergangenen Jahr die meisten Stellen geschaffen? Wer bindet seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am besten an den Betrieb? Beim Wettbewerb Jobmotor zeichnen die Badischen Zeitung und ihre Partner außergewöhnliche Unternehmen aus. Das Freiburger Werk des US-Pharmakonzerns Pfizer hat den Preis in der Kategorie "Neue Mitarbeiter" für Firmen mit mehr als 200 Beschäftigten gewonnen.

185 neue Stellen

Vierstellig. Die Belegschaft von Pfizer in Freiburg ist im vergangenen Jahr auf mehr als 1000 gewachsen. 180 Vollzeit- und fünf Teilzeitstellen hat der Arzneimittelhersteller in seinem südbadischen Werk nach eigenen Angaben geschaffen. Mit nun 1171 Beschäftigten ist er neben der Haufe-Gruppe der größte privatwirtschaftliche Arbeitgeber in der Universitätsstadt.

Ob Tabletten oder Kapseln – wenn es um die Entwicklung und Markteinführung neuer fester Arzneiformen geht, gehören die Freiburger zu den Großen. Zwischen fünf und sechs Milliarden Pillen werden in dem Werk an der Mooswaldallee jährlich hergestellt und in etwa 150 Länder weltweit verschickt. Dabei ist Genauigkeit gefragt, schließlich entscheiden bei Medikamenten manchmal schon wenige Milligramm eines Wirkstoffs über Leben und Tod.

Neben der Qualität ist eine pünktliche Lieferung unabdingbar, denn Patienten müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Arznei nicht plötzlich ausverkauft ist. Beides lässt sich nur mit qualifiziertem Personal erreichen. "Wir haben hervorragend ausgebildete Mitarbeiter und ein enormes Wissenspotenzial", sagt Werksleiter Axel Glatz. Der promovierte Chemiker und Pharmazeut leitet das Freiburger Pfizer-Werk bereits seit 2010. Die Südbadener stehen in einem harten Wettbewerb innerhalb der Branche, aber auch innerhalb des Konzerns. Das Pharmaunternehmen mit Hauptsitz in New York und weltweit etwa 97 000 Beschäftigten hat insgesamt 63 Produktionsstandorte.

Die Zukunft des Standortes ist gefestigt

Trotz der harten Konkurrenz konnten die Freiburger in den vergangenen Jahren Investitionen von 150 Millionen Euro für sich verbuchen – und damit die Zukunft ihres Standorts festigen. Im Mai 2017 ging eine neue Fertigungsanlage in Betrieb. Ende vergangenen Jahres kam Ministerpräsident Winfried Kretschmann zur Eröffnung einer weiteren Produktionsanlage. Eine dritte neue Anlage befindet sich derzeit im Bau.

"Pfizer in Freiburg ist tatsächlich ein echter Jobmotor", sagt Gerd Laskowski von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). Das Pharmaunternehmen baue Stellen auf und errichte neue Produktionsanlagen, "das ist sehr auf die Zukunft des Standorts ausgerichtet", freut sich der Gewerkschaftssekretär. Pfizer sei tarifgebunden, und "die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat ist eine hervorragende. Selbst mit der Werksleitung, Herrn Dr. Glatz, ist sie gut, auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind. Aber das liegt ja in der Natur der Sache", sagt Laskowski.

"Wir bieten hochmoderne, fordernde und höchstinteressante Arbeitsplätze, das ist die Voraussetzung im Rennen um Fachkräfte" Uwe Lürig

Trotzdem muss sich auch ein solcher Arbeitgeber in Zeiten der Vollbeschäftigung nach guten Mitarbeitern strecken. "Wir bieten hochmoderne, fordernde und höchstinteressante Arbeitsplätze, das ist die Voraussetzung im Rennen um Fachkräfte", sagt Personalleiter Uwe Lürig. "Zusätzlich gehen wir dorthin, wo wir auf neue potenzielle Fachkräfte treffen." Er nennt die Teilnahme an Karrieremessen und Gastvorlesungen an Universitäten als Beispiele. Zudem engagierten sich Pfizer-Azubis als sogenannte Ausbildungsbotschafter an Schulen und schilderten dort Jugendlichen ihren Werdegang. Vergangenes Jahr schickte Pfizer zudem das "Healthcare Hub Freiburg an den Start, eine Schnittstelle zu Gründern im Gesundheitsbereich.

"Über das Pfizer Healthcare Hub Freiburg knüpfen wir viele interessante Kontakte. Durch die Kooperationen mit Forschungseinrichtungen, Start-ups und Spin-off-Unternehmen in Baden-Württemberg und über die Region hinaus zeigen wir, dass auch an einem langjährigen Produktionsstandort wie bei uns viele innovative Ideen entstehen und Potenzial für neue Entwicklungen ist. Das führt letztlich auch zu mehr Bewerbungen", ist Lürig überzeugt.

Niedrige Fluktuationsquote

Wer den Arbeitsvertrag dann unterschrieben hat, profitiert vom betrieblichen Gesundheitsmanagement mit Sportkursen, Massagen und einem Stammtisch. Das Werk hat auch eine Kantine. "Darüber hinaus bieten wir allen Kollegen eine vollfinanzierte betriebliche Altersversorgung an", nennt Lürig als weiteren Anreiz. Hinzu komme die tarifliche Altersversorgung der chemischen Industrie Baden-Württemberg. Die Folge: "Wir haben eine sehr niedrige Fluktuationsquote von etwa einem Prozent", so Lürig.

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