Krankenhäuser

Freiburger Arzt: "Fachkräftemangel hat dramatische Auswirkungen"

Sebastian Wolfrum

Von Sebastian Wolfrum

Mi, 11. September 2019 um 18:29 Uhr

Freiburg

Er erlebt den Fachkräftemangel in Krankenhäusern von zwei Seiten: Daniel Schmitz muss als Notarzt Patienten unterbringen – aber auch als Leitender Oberarzt mit den Ressourcen haushalten.

"Der Fachkräftemangel in der Pflege und seine Auswirkungen sind dramatisch", sagt Daniel Schmitz. Der Mediziner kennt das Problem von zwei Seiten. Denn Schmitz ist als Notarzt auf den Straßen Freiburgs unterwegs und hat regelmäßig damit zu kämpfen, Patienten in Krankenhäusern unterzubringen. Gleichzeitig ist er Leitender Oberarzt im Freiburger St. Josefskrankenhaus und weiß, wie es ist, in einer Klinik "mit den Ressourcen haushalten zu müssen".

Die Notfallversorgung sei immer sichergestellt, betont Schmitz, der auch Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstbereiches Freiburg ist sowie Sprecher der Leitenden Notärzte in Freiburg und dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald. Doch danach beginne ein "organisatorischer Flaschenhals", wenn Patienten stationär aufgenommen werden müssen. Denn neben den Notfallpatienten kommen ja Menschen mit weniger akuten Erkrankungen, sie brauchen genauso ein Bett und Versorgung. "Die sehen wir als Notfallmediziner gar nicht. Sie treffen sich dann mit den Notfallpatienten auf der Tagesstation. Und ja, die Anzahl der Betten auf der Normalstation ist einfach ein Problem. Wir haben zu wenig Versorgungskapazität.

Er sieht die Politik in der Pflicht

Die Krankenhäuser haben ein relevantes Problem mit den Betten für die stationäre Weiterversorgung", erklärt Schmitz. Diese Betten seien im Krankenhausplan des Landes zwar vorgesehen. "Wir haben aber offenkundig Probleme, diese mit den zur Verfügung stehenden Pflegekräften so zu besetzen, dass man diese Stationen alle betreiben kann." Im Josefskrankenhaus sei eine internistische Station geschlossen worden. Man versuche, mit weniger Tagesstationsbetten das gleiche Pensum zu erreichen. "Das geht irgendwie." Der Notfallmodus sei inzwischen das tägliche Programm.

Die Zahlen des Ampelsystems würden inzwischen im Innenministerium diskutiert. "Das ist hochbrisant." Die Bertelsmann-Studie, die eine Schließung der Hälfte der Krankenhäuser in Deutschland vorschlägt, sieht er skeptisch. "Da stimmt etwas in der Wahrnehmung in der Etage drüber nicht, die für die Verteilung von Ressourcen verantwortlich ist." Den Mangel bekommen laut Schmitz auch "die pflegerischen Kolleginnen und Kollegen zu spüren. Sie arbeiten jeden Tag hart und immer mehr und kommen an einen Punkt, an dem sie sagen, uns gehen die Mittel aus". Er sieht die Politik in der Pflicht, mehr Geld in die Hand zu nehmen, um Pflegeberufe attraktiver zu machen.

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