Reaktionen

Freiburger Schulleiter sind über die Corona-Prämie irritiert

Simone Höhl, Stephanie Streif

Von Simone Höhl & Stephanie Streif

Fr, 20. November 2020 um 13:16 Uhr

Freiburg

An Freiburgs Schulen wundert man sich über die von Ministerin Eisenmann angekündigte Corona-Prämie von 600 Euro. Statt freudig reagieren Rektoren und Rektorinnen irritiert bis peinlich berührt.

Die spontane Reaktion von Eberhard Fritz auf die Prämie, die Kultusministerin Susanne Eisenmann angekündigt hat: Der Leiter des Walter-Eucken-Gymnasiums will sie sofort für einen guten Zweck spenden. Der Wortlaut und die Sonderbehandlung sind ihm sehr unangenehm: An seiner Schule müssten alle 150 Lehrkräfte wegen Corona mehr leisten, sieben im Schulleitungsteam. "In einer Klinik kommt doch auch niemand auf die Idee, nur dem Chefarzt einen höheren Arbeitsaufwand zu bescheinigen", meint Fritz.

Umtrunk nach der Pandemie

Auf seine Reaktion am Donnerstag hat er positive Rückmeldungen bekommen, zum Beispiel von Edith-Stein-Direktor Christian Wilker . "Ich schließe mich sehr gerne an." Andere wollen ebenfalls spenden oder einen Umtrunk mit dem Kollegium nach der Pandemie veranstalten. Auch der Leiter der Gertrud-Luckner-Gewerbeschule wird das Geld nicht für sich nehmen, sondern für ein Essen mit dem Leitungsteam oder ähnliches verwenden.

Auch an Gymnasien und Grundschulen zeigt man sich über die Corona-Leistungsprämie eher verwundert denn hoch erfreut: Auch wenn er die Einmalzahlung als positives Signal des Kultusministeriums deute, sei er irritiert, sagt Martin Rupp, geschäftsführender Leiter der Gymnasien im Schulamtsbezirk Freiburg: "Nicht nur die Schulleiter hatten durch Corona ein Mehrgeschäft", sagt er. "Sondern alle – die Stellvertreter genauso wie die erweiterten Schulleitungen, die Lehrer und die Sekretariate." Vielen Schulleitungen, mit denen er in Kontakt stehe, ergehe es ähnlich. Man fühle sich mit der Prämie nicht wirklich wohl. "Viele denken darüber nach, das Geld zu spenden oder ins Kollegium zu geben, damit alle etwas davon haben."

Schulen brauchen an anderer Stelle Unterstützung

Auch Sandra Kieber, Schulleiterin der Paul-Hindemith-Schule sowie geschäftsführende Schulleiterin der Grundschulen, sagt, dass sie das Geld nicht haben wolle. Andere Berufsgruppe hätten seit Corona ebenfalls mehr arbeiten müssen: "Warum also ausgerechnet wir?", fragt sie. Die Prämie, die man niemals eingefordert habe, sei "unangemessen" und die Schulen bräuchten an anderer Stelle Unterstützung. Johannes Schubert, Schulleiter der Adolf-Reichwein-Schule, ist derselben Meinung: "Mehr Personal, mehr Stunden, mehr Leitungszeit – all das würde uns im Alltag helfen", sagt er. Und er hoffe sehr, dass all diese Forderungen, die man immer und immer wieder vortrage, nicht vom Tisch seien, nur weil jetzt Geld an die Schulleitungen geflossen sei.

Monika Stein, die als neu gewählte Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW den Freiburger Gemeinderat Anfang Dezember verlassen wird, sagt, dass sie auch ein "mulmiges Gefühl" überkommen habe, als sie von der Prämie erfuhr. Diese sei "ein wichtiges Signal für die hervorragende Arbeit der Schulleitungen. Noch wichtiger als die mehr als verdienten 600 Euro ist zusätzliches Personal an allen Schulen, um die pädagogischen Profis an den Schulen zu entlasten."