E-Mobilität

Freud und Leid eines Tesla-Fahrers in Deutschland

Finn Mayer-Kuckuk

Von Finn Mayer-Kuckuk

Mi, 13. November 2019 um 19:51 Uhr

Wirtschaft

Wer wie Daniel Szoska aus der Nähe von Berlin die US-Marke fährt, sieht sich als Vorreiter – muss aber auch Nachteile erdulden, wie Kundenservice und ein hoher Preis.

Ein Leben fürs Elektroauto: Daniel Szoska sagt, er würde mit nichts anderem mehr fahren. "Der leise Antrieb, die Beschleunigung wie am Gummiband gezogen, die vielen automatischen Funktionen – ich bin für alle anderen Autos verdorben", sagt der Unternehmer aus Neuenhagen nahe Berlin. Wenn er mit seinem Tesla Model X durch Brandenburg surrt, so sagte er, fühle er sich technisch ganz vorne.

Doch Szoska nimmt auch Mühen in Kauf, um zu den Vorreitern der Elektromobilität zu zählen. Das fange beim Kundendienst an und reiche bis zum Preis. Als Szoska 2018 sein Model X gekauft hat, kostete es noch mehr als hunderttausend Euro – "idiotisch viel Geld", sagt er. Andere nehmen solche Summen, um eine Wohnung anzuzahlen. Für Szoska musste es der Tesla sein. Immerhin war mit dem Kaufpreis die Nutzung der 400 Schnellladestationen des Herstellers in Europa abgegolten. Er fährt also kostenlos, wenn er möchte. Für jede Reiseroute lässt sich vom Bordcomputer eine Lösung entlang der Ladestationen abfragen. Szoska fährt oft zu Verwandten nach Süddeutschland, kennt alle Ladepunkte auf dem Weg.

Die Planung von Routen entlang der kleinen roten Symbole mit dem elektrischen Blitz auf der Karte des Bordcomputers ist für die Tesla-Fans selbstverständlich. Umwege zum Nachladen über entlegene Gewerbegebiete gehörten für ihn einfach dazu, sagt Szoska. Ein Model X fährt in der Praxis 500 Kilometer weit.

Für Szoska fallen solche Ladezeiten nicht ins Gewicht, sagt er, solange er sich an der Unabhängigkeit vom Benzin erfreuen könne. Dafür gelten die Bestellung und die Übergabe des Fahrzeugs für Kunden in Deutschland eben bisher als recht kompliziert. Die Lieferzeiten unterscheiden sich ständig, werden aber auf jeden Fall in Monaten gemessen. Großkunden wie der Autoverleiher Nextmove berichten davon, dass es lange dauere, bis Mängel an den Fahrzeugen beseitigt würden. Deshalb rüstet das Unternehmen nun mit neuen Service-Stationen auf.

Mit dem Bau einer Fabrik in Brandenburg – nicht weit von Szoskas Wohnort – dürfte sich zumindest für das neue Model Y die lange Lieferzeit erledigen. Szoska ist ohnehin überzeugt, dass sich elektrisches Fahren viel schneller durchsetzt, als es bisher aussieht. "Wer einmal diese Vorteile erfahren hat, will nichts anderes mehr und erzählt das auch allen seinen Freunden."