St. Franziskus

Fünf Corona-Tote in Lenzkircher Seniorenheim

Tanja Bury

Von Tanja Bury

Do, 14. Mai 2020 um 18:28 Uhr

Lenzkirch

Die Einrichtung war vom Coronavirus betroffen, 22 der 47 Bewohner waren erkrankt. Fünf von ihnen sind nach Aussage der Heimleitung an Covid-19 gestorben.

Hinter dem Seniorenheim St. Franziskus in Lenzkirch liegen schlimme Wochen. "Zwischendurch haben wir ans Aufgeben gedacht. Wir konnten nicht mehr", sagt Leiterin und Inhaber Doreen Rachfahl. Doch jetzt keime wieder etwas Hoffnung auf: Die jüngsten Tests seien alle negativ, das Seniorenheim gelte als frei vom Coronavirus.

Jeder der an Covid-19 gestorbenen Bewohner hätte massive Vorerkrankungen gehabt, erklärt Rachfahl. Die Einrichtung hatte in den vergangenen Wochen noch acht weitere Todesfälle zu beklagen. Bei ihnen habe sich nach Aussage der Heimleitung der Verdacht auf Corona aber nicht bestätigt, mehrere Tests seien negativ gewesen.

Eine der Pflegekräfte könnte das Virus ins Heim gebracht haben

Sich von 13 Bewohnern innerhalb weniger Tage verabschieden zu müssen, das stelle für alle im Haus eine enorme psychische Belastung dar. "Jedem von uns ging es zwischendurch mal richtig schlecht", berichtet Doreen Rachfahl. Immer wieder seien Mitarbeiter in Tränen ausgebrochen. Ein Verarbeiten dessen, was passiert ist – bislang habe es dafür keine Zeit gegeben. "Wir mussten funktionieren." Die Betreuung der Senioren habe einen enormen Aufwand erfordert und viel Kraft gekostet – und das bei einer mehr als angespannten Personallage.

Eine der 30 Pflegekräfte habe, so Rachfahl, das Virus wohl ins Haus gebracht. Das habe Infektionen, aber auch Sicherheitsquarantänen für Kollegen nach sich gezogen. "Uns sind auf einen Schlag sieben, acht Leute weggebrochen", so Doreen Rachfahl. Für die übriggebliebenen Kräfte habe das Doppelschichten bedeutet. "Wir haben schon überlegt, das Haus räumen zu lassen, weil wir nicht mehr weiter wussten", berichtet die Heimleiterin. Dann ein rettender Anruf: Mitarbeiter der Urseeklinik boten ihre Hilfe an und verstärkten das Team von St. Franziskus kurzerhand. Vermittelt wurden sie von Bürgermeister Andreas Graf.

Ihm, aber auch dem ortsansässigen Mediziner Oliver Hillmer – "er hat uns so sehr unterstützt" – und vielen Lenzkirchern, die das Seniorenheim durch Worte und Taten aufgemuntert hätten, dankt Doreen Rachfahl herzlich. Geschäftsleute hätten Süßigkeiten gespendet, Bürger Kuchen gebacken, Grundschüler Bilder gemalt, Steine gestaltet und Hoffnungspflänzchen für die Senioren eingetopft. Es habe eine Musikeinlage vor der Tür gegeben, Nachbarn hätten ein großes Plakat mit guten Wünschen für das Haus aufgehängt. "Wirklich toll – all das hat uns sehr geholfen", freut sich Rachfahl.

Jetzt wird wieder im Speisesaal gegessen

Auch dabei, negative Reaktionen zu verkraften, "denn sie hat es nach Bekanntwerden der Corona-Infektionen in unserem Haus leider auch gegeben". Mitarbeiter seien von Nachbarn schief angeschaut worden, Vermieter hätten ihnen am liebsten gekündigt und das Kind einer Mitarbeiterin sollte die Notbetreuung nicht mehr besuchen dürfen.

Gemeinsam werde derzeit versucht, so gut es gehe, Normalität in der Einrichtung herzustellen. Dazu gehört für Rachfahl das Aufarbeiten liegengebliebener Büroarbeit, aber auch die Sicherung des Hauses, da es durch die Corona-Krise zu finanziellen Einbußen gekommen sei. Die Bewohner würden nach und nach in den großen Speisesaal zurückkehren. Wenn auch mit großem Abstand, aber immerhin nicht alleine werde hier gegessen. "Die Stimmung ist nicht mehr so gedrückt. Es kommt wieder Hoffnung auf."