Für ein besseres Miteinander von Fuß- und Radverkehr

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mi, 01. Juli 2020

Lörrach

Anstelle eines Fahrradverbots in der Fußgängerzone schlägt Gerd Wernthaler (Grüne) eine Fairness-Kampagne vor.

LÖRRACH (BZ). Immer mehr Menschen fahren mit dem Rad, dies wurde durch die Pandemie noch befördert. Daran anknüpfend hat die CDU-Stadtratsfraktion beantragt, den Fahrradverkehr bis zum Ende der Sommerferien 2020 aus der gesamten Fußgängerzone zu verbannen (BZ vom 16. Juni).

Gerd Wernthaler, Mitglied der Grünen-Fraktion und der IG Velo, schlägt nun eine städtische Kampagne "Für eine faires Miteinander zwischen Fußgängern und Radfahrern in der Lörracher Fußgängerzone" vor, mit dem Ziel, das achtsame und rücksichtsvolle Miteinander von Fußgängern und Radfahrern in der Fußgängerzone zu fördern. Das Ziel sei, dass sich mehr Menschen in der Innenstadt sicher fühlen und umweltfreundlich ihre Ziele erreichen, für ein faires Miteinander in der Innenstadt einstehen und die Vorteile des Radfahrens in der Stadt erkennen und nutzen.

Im Fußgängerzonenbereich zwischen der Graben- und der Basler Straße beim Café Pape sollte darauf hingewiesen werden, dass Fußgänger vor dem Fahrrad Vorrang haben und dass Schrittgeschwindigkeit gefahren werden muss. Velofahrer müssten so fahren, wie es die Situation erfordert, beim Wochenmarkt gegebenenfalls schieben. Sie müssten ausreichend Abstand zu Passanten halten und vor allem auf Kinder, Senioren und mobilitätseingeschränkte Passanten Rücksicht nehmen.

Relikte einer autogerechten Stadt

Fußgängerzonen, so Wernthaler, seien oft noch Relikte der autogerechten Stadt. Sie schufen kleine Reservate für Fußgänger in einer auf den Autoverkehr ausgerichteten Stadtplanung. Radfahrer wählten die Fußgängerzone, weil sie eine möglichst direkte Verkehrsbeziehung suchten und Alternativen fehlten. Wenn es bessere Möglichkeiten gebe, fahre kein Radfahrer freiwillig durch eine Menschenmenge, ist Wernthaler überzeugt. Die Verkehrsplanung müsse korrigiert werden, nicht die Radfahrer. Lörrach benötige eine attraktive, sichere Umfahrung der Fußgängerzone für Velos, etwa auf der Bahnhof- und über die Spitalstraße.

Der Grünen-Stadtrat, der die Initiative nicht im Namen der Fraktion ergriffen hat, macht auf ein vom Bundesverkehrsministerium in Auftrag gegebenes Gutachten der Fachschule Erfurt aufmerksam. Untersucht wurden, welche Folgen die Freigabe von Radverkehr in Fußgängerzonen hat. Danach konnte keine Zunahme problematischer Verhaltensweisen bei den Radfahrenden festgestellt werden. Eine Obergrenze der Fußgängerkonzentration für ein verträgliches Miteinander konnte nicht ermittelt werden. Fußgänger, besonders Ältere oder Familien, mieden die Fußgängerzonen mit Radverkehr nach dieser Untersuchung nicht, auch die Aufenthaltsqualität nehme nicht ab.