Buchkritik

Gabriele Hennicke erzählt in ihrem Buch die Geschichten von echten Schwarzwäldern

Frank Schoch

Von Frank Schoch

Sa, 05. Dezember 2020 um 17:59 Uhr

Südwest

Die Autorin und Journalistin hat sich in ihrem zweiten Werk abermals auf den Weg gemacht, um besondere Menschen aus dem Schwarzwald ausfindig zu machen.

Der Schwarzwald ist international bekannt. Bollenhut und Kuckucksuhr sind die meist verbreiteten Symbole dieser einzigartigen Region – aber eben auch nicht mehr. Sie allein werden dem Kern dieser atemberaubenden Natur, den eigenwilligen Menschen und ihren Idealen nicht gerecht. Viel zu groß ist die Distanz, viel zu weit der Blickwinkel, wenn die Betrachtung bei Symbolen bleibt. Gabriele Hennicke geht näher dran.

Die Autorin und Journalistin, die selbst im Schwarzwald heimisch und auch für die Badische Zeitung auf der Suche nach Spannendem ist, hat sich in ihrem zweiten Werk abermals auf den Weg gemacht, besondere Menschen, eben "echte Schwarzwälder" ausfindig zu machen und deren Geschichten in Worte zu fassen. Herausgekommen sind 25 Reportagen, die den Leser in Wort und Bild ganz nah an den Schwarzwald und seine mal mehr mal weniger prominenten Akteure heranrücken.

Da ist etwa der Schuhliebhaber Bernd Heckenrath, der in seinem kleinen Geschäft in der Staufener Altstadt edlen Schuhen aus zweiter Hand einen neuen Schliff verleiht. Hennicke skizziert den Weg des früheren Marketingchefs, der sich Schritt für Schritt mit seinen Schuhen vom Flohmarkt über Messen bis zum eigenen Laden vorangetüftelt hat.

Oder der Wanderschäfer Jürgen Weltle. Jedes Jahr im Sommer ist er mit seinen 300 Schafen und 100 Ziegen für eine Weile am Belchen und hält so die Landschaft offen. Gleichzeitig genießt Jürgen Weltle ein besonderes Privileg: Aus seinem Schlafgemach heraus hat er die wohl beste Aussicht im ganzen Schwarzwald. Denn von seinem Wohnwagen am Hang der mit 1414 Metern dritthöchsten Erhebung des Schwarzwalds fällt der Blick über die benachbarten Berge und das Markgräflerland bis zu den Alpen und den Vogesen. Daneben erfährt der Leser aber auch von Idealismus, Mindestlohn und schnell heraufziehenden Stürmen.

Andere Tiere haben es sogar zu Protagonisten in Hennickes Buch geschafft: die alte Schwarzwälder Rinderrasse Hinterwälder. Die Tiere haben etwa auf dem Oberen Stecklehof in Münstertal seit Jahrzehnten eine Heimat gefunden. Familie Schelb züchtet dort seit Jahrzehnten die vom Aussterben bedrohte Rasse und engagiert sich auch in einem Förderverein ihren Erhalt. Dass sich die braunen Rinder mit weißem Kopf in Wald und Wiesen ebenso wohl wie auf steilen Berghängen fühlen, liegt daran, dass sie sowohl robust und geländegängig als auch beweglich und relativ leicht sind.

Es folgen 22 weitere "spannende Biografien und kreative Lebensentwürfe, die den Schwarzwald von seiner menschlichen Seite zeigen", wie es Gabriele Hennicke in ihrem Vorwort verspricht.
Gabriele Hennicke: Echte Schwarzwälder. Geschichten vom Königstiger bis zur Gartengräfin. Rombach Verlag (Freiburg), 168 Seiten, 18 Euro. Infos zu Buch und Autorin im Netz unter schwarzwaldgeschichten.com