Dehoga

Gastwirte wollen Hilfe vom Land Baden-Württemberg

dpa

Von dpa

So, 14. April 2019 um 21:46 Uhr

Südwest

Um die Existenz des Gastgewerbes besonders im ländlichen Raum zu sichern, verlangt der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga eine Investitionsförderung für Landgasthöfe.

Vor allem in ländlichen Regionen sinkt die Zahl der Gastbetriebe, wie Daten des Statistischen Landesamtes belegen. Nach Berechnungen des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga waren im Jahr 2017 schon 11,1 Prozent der Gemeinden unterversorgt. Dort kam auf 1000 Einwohner weniger als ein Gasthaus, in vier Prozent der Gemeinden gab es gar keines mehr.

Der Dehoga-Vorsitzende Fritz Engelhardt sieht die Betriebsnachfolge als Sollbruchstelle, hier müsse die Politik ansetzen. "47 Prozent der von uns befragten Dorfgasthaus-Wirte, bei denen die Betriebsnachfolge ansteht, haben keinen Nachfolger." Der Trend zum Gasthaussterben auf dem Land habe sich beschleunigt, weil viele Gastwirte aufhörten. Und: "Ein Wirtshaus, das schließt, ist endgültig weg. Die Anfangsinvestitionen bei einer Neueröffnung sind einfach zu hoch."

"Denkbar ist eine Eigenkapitalhilfe. Damit hätten es zum Beispiel potenzielle Nachfolger einfacher." Fritz Engelhardt
Dass selbst in konjunkturell günstigen Zeiten Angebote wegbrechen, sei ein Alarmzeichen. "Die Umsätze steigen, aber die Erträge sind rückläufig." Er fordert Unterstützung vom Land: "Wo kein Wirtshaus, da keine Touristen. Sinnvoll wäre deshalb eine Investitionsförderung vom Land." Der Dehoga denkt an eine Eigenkapitalhilfe, damit es potenzielle Nachfolger einfacher haben.

Vor zehn Jahren gab es schon einmal ein ähnliches Programm der L-Bank. Damals wurden laut Tourismusministerium 1,5 Millionen Euro vom Land gewährt, um die Zinsen zu senken. "Das hat ein enormes Investitionsvolumen von über 100 Millionen Euro in Gang gesetzt", sagte Engelhardt. Solche Investitionen könnten seiner Ansicht nach auch jetzt helfen. "Die Gasthäuser müssen für die Mitarbeiter ebenfalls attraktiv bleiben." Größere Betriebe würden neue Möglichkeiten auch bei den Arbeitszeiten schaffen, weil dann zum Beispiel in mehreren Schichten gearbeitet werden könne.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten zweifelt daran, dass solche einmaligen Investitionen die Lösung sind. Die Probleme – insbesondere die Personalnot – seien hausgemacht, argumentiert Gewerkschaftssekretär Alexander Münchow. Zu lange hätten die Gastwirte sich zu wenig um die Arbeitsbedingungen geschert.

Tourismusminister Guido Wolf (CDU) hat bislang zwar keine konkrete Lösung für die Branche. Er will das Thema aber in seiner für den Sommer angekündigten Tourismuskonzeption aufgreifen. Landgasthöfe und Dorfgaststätten hätten eine große Bedeutung für den Tourismus im Land. "Sie laden zu Ausflügen ein und bringen Geld in ländliche Regionen."