Veranstaltungsabsagen

Gemeinden im Nördlichen Breisgau sagen fast alle Feste im Sommer ab

Andrea Steinhart, Sebastian Krüger

Von Andrea Steinhart & Sebastian Krüger

Sa, 23. Mai 2020 um 09:58 Uhr

Gundelfingen

Die Veranstaltungskalender leeren sich: Auch Gundelfingen, Denzlingen und Heuweiler haben viele Hocks und Feste abgesagt. Für den Gundelfinger Weinzauber besteht noch Hoffnung.

Ob der Tag der Nachbarn in Denzlingen, das Reitturnier in Gundelfingen oder der Dorfhock in Heuweiler – der Sommer wartet immer mit vielen Festen und großen Veranstaltungen auf. Die meisten wurden für dieses Jahr coronabedingt abgesagt. Ein Überblick.

Gundelfingen/Heuweiler

Bisher wurde der Gundelfinger Weinzauber noch nicht abgesagt. Er soll vom 18. bis 20. September stattfinden. Doch ob das klappt, ist ungewiss. Denn erst zwei Wochen soll das derzeit geltende Versammlungsverbot aufgehoben werden. Eine Entscheidung will Bürgermeister Raphael Walz aber in nächster Zeit verkünden. Schließlich habe die Landesregierung bereits Lockerungen für Veranstaltungen mit weniger als 100 Teilnehmern angekündigt. Und noch habe die Gemeinde ein paar Wochen Zeit, bevor es in die Endphase der Organisation gehe. Der Corona-Koordinationsausschuss und der Gemeinderat diskutierten intensiv, wie sich die oft ändernden Vorgaben durch den Gesetzgeber umsetzen lassen, so Walz.

"Wir haben an die Gemeindeverwaltung appelliert, zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Entscheidungen zu treffen, die eine mögliche Absage der Veranstaltungen bis zum Jahresende vorsehen", sagte Kurt Eckert von der Arbeitsgemeinschaft für Handel, Handwerk und Dienstleistungen (AHA) als Mitveranstalter des Weinfests. Vor 20 Jahren startete die AHA mit dem Ziel, die Gemeinde im Ganzen und besonders die Gundelfinger Ortsmitte zu stärken. "Corona hat es geschafft, das gesamte gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben lahmzulegen - wir müssen es jetzt schaffen, bei aller Vorsicht, wieder etwas Normalität einkehren zu lassen."

Den Beteiligten sei bewusst, dass der Weinzauber in der Form der vergangenen 18 Jahre nicht stattfinden könne, sagte Eckert: "Die Frage für uns ist, unter welchen Voraussetzungen könnten Feste wieder maßvoll anlaufen." Vorstellen könne man sich ein Weinfest in abgewandelter Form: großräumig, ohne Zelte, mit weit auseinanderliegenden Verköstigungsmöglichkeiten und zeitlicher Begrenzung am Abend. "Die Winzer und der AHA-Vorstand hegen noch die Hoffnung, dass der etwas andere Weinzauber in der Ortsmitte mit einem verkaufsoffenen Sonntag noch stattfinden kann – eventuell erst Ende September oder im Oktober."

Das große Reitturnier des Reitclubs Gundelfingen vom 7. bis 9. August wurde hingegen vor kurzem definitiv abgesagt. "Das ist für uns natürlich sehr schmerzlich", so der Reitclub-Vorsitzende Roland Löffler. Schließlich habe es bisher 41 Turniere ohne Unterbrechung gegeben. "Die Mitglieder und auch der Vorstand sind sehr enttäuscht, wir waren aber gezwungen, uns so zu entscheiden, da die Gesundheit von Mensch und Tier oberste Priorität hat und dies in diesem Jahr nicht gewährleistet werden kann." Durch die Einnahmen des Turniers finanziere der Verein hauptsächlich die Jugendarbeit. Jährlich veranstaltet der Reitclub Gundelfingen ein dreitägiges Turnier, zu dem Pferdesportler aus dem Bundesgebiet zusammen kommen. Es gibt Prüfungen für die Nachwuchsreiter bis hin zur schweren Klasse S* für Profis. Außerdem veranstaltete der Reitclub beim Turnier stets eine Pferdeshow, zu der im vergangenen Jahr rund 2000 Besucher kamen.

Schon klar ist, dass der beliebte Dorfhock in Heuweiler im Juni nicht stattfinden wird. "Die Landesregierung hat solche Festivitäten bis Ende August untersagt", sagte Bürgermeister Walz. Ob davon aber auch das Oktoberfest und die Kilbi mit Hammeltanz betroffen seien, stehe noch aus. Hier müssten die Veranstalter abwarten, wie sich die Rahmenbedingungen für Großveranstaltungen angesichts Corona entwickeln, sagte Walz. Jedes Jahr kommen viele Hundert Besucher aus der Region zu den Festen nach Heuweiler.

Denzlingen

Einen Impuls für nachbarschaftliches Zusammenleben sollte der Tag der Nachbarn an diesem Sonntag, 24. Mai, geben, der in Denzlingen im vergangenen Jahr zum ersten Mal veranstaltet wurde. Mit Erfolg, wie die Vertreter des Arbeitskreises "Älter werden in Denzlingen" und der Anlauf-, Informations- und Vermittlungsstelle (AIV) Denzlingen im Nachhinein beteuerten.

An 14 verschiedenen Orten feierten rund 300 Menschen miteinander, so dass dieses Jahr eine Neuauflage fest eingeplant war. Die Initiatoren des Onlineportals nebenan.de hätten viele Denzlinger Bürger angeschrieben und für ein Alternativprogramm unter Einhaltung der vorgeschriebenen Regeln geworben, sagte Sabine Haupenthahl von der AIV. Doch die Gemeinde habe beschlossen, sich nicht aktiv zu beteiligen. "Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme nach den turbulenten Wochen, die hinter uns liegen", so Haupenthal. Die Gemeinde wolle nicht schuld sein, falls die Hygienevorschriften und Abstandsregeln nicht eingehalten werden. "Lieber feiern wir im nächsten Jahr den Tag der Nachbarn wieder richtig, als jetzt halbe Sachen zu machen und unnötige Risiken einzugehen."

Auch das für den 9. August geplante Sichelhängifescht der Denzlinger Landfrauen werde nach vielem Abwägen abgesagt, so die Erste Vorsitzende Conny Schwaab. In den vergangenen Jahren hätten je nach Wetter zwischen 400 und 700 Menschen das Fest besucht. Mit einem reichhaltigen Kuchenbüffet, kiloweise Kartoffelsalat und vielen anderen Gerichten aus regionalen Zutaten konnten die Landfrauen eine große Fangemeinde gewinnen. Diese muss jetzt aufs nächste Jahr vertröstet werden. "Wenn ich mir überlege, was die Gastronomie für Auflagen für eine Bewirtung hat, müssen wir uns diesen Aufwand nicht unbedingt zumuten", so Schwaab, die die Entscheidung im Hinblick auf "alle Freunde, Gönner und Mitglieder" sehr bedaure.

Der Hock am Heimethues, den im vergangenen Jahr rund 400 Menschen besucht haben, sollte zwar erst am 13. September stattfinden. Doch für den Heimat- und Geschichtsverein sei die unsichere Planung ein zu hohes Risiko gewesen, sagte der Vorsitzende Joachim Müller-Bremberger. "Wir haben die Entscheidung lange hinausgeschoben, vor zwei Wochen dann aber beschlossen, ihn abzusagen." Und dabei werde es wohl auch bleiben, selbst wenn noch weitere Lockerungen für öffentliche Veranstaltungen beschlossen werden sollten. Helfer rekrutieren, Bänke ordern, Hygienekonzept aufstellen – der Hock brauche eine lange Vorplanung, die im Frühjahr hätte beginnen müssen, so Müller-Bremberger.

Immerhin: Der Bulldog-Corso am vorherigen Samstag, 12. September, soll – ohne Bewirtung – stattfinden. "Bei den Teilnehmern auf den Schleppern handelt es sich meist um Familien und die Zuschauer schauen sich den Corso meist aus ihrem Garten aus an – von daher sehe ich da kein großes Ansteckungsrisiko." Auch hoffe er, dass das Apfelsaftpressen auf dem Festplatz am Heimethues am 10. Oktober stattfinden könne.

Glottertal

Ursprünglich sollte das Jahr 2020 in Glottertal ganz im Zeichen des 50-jährigen Bestehens der Gesamtgemeinde stehen. Doch das für Freitag, 17. Juli, geplante Jubiläumsfest wurde abgesagt. Ein Ausweichtermin steht noch nicht fest, sagt Bürgermeister Karl Josef Herbstritt. Hoffnung bestehe allerdings, dass die Kunst- und Hobbyausstellung am Wochenende 17. und 18. Oktober, stattfinden kann, sagt Eveline Kaltenbach von der Touristen-Information.
Darüber hinaus fallen folgende Termine in Glottertal aus:

1. Juni: Deutscher Mühlentag am Sonntag bei der Hilzingermühle
11. Juni: Fronleichnamsprozession und Kirchenkonzert der Trachtenkapelle (Neuer Termin: 3. Juni 2021)
19./20. Juni: Bergfest aufs "Kappen Elmi"
27. Juni: Mittsommernacht der Akkordeon-Trachtengruppe auf dem Festplatz vor der Eichberghalle
11. Juli: Kabarett mit Martin Wangler am Mattenhof (neuer Termin: 3. Juli 2021)
25./26. Juli: Hock der Kleintierzüchter in der Eichberghalle
9. August: Internationaler Wander- und Jugendwandertag

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