Gemeinschaft mit Abstand

Manfred Frietsch

Von Manfred Frietsch

Sa, 16. Mai 2020

Eichstetten

Erste Kirchen öffnen wieder zu Gottesdiensten.

BREISGAU. An diesem Wochenende, 16. und 17. Mai, finden in katholischen Kirchen wieder Gottesdienste statt. Nach zwei Monaten Pause wegen der Corona-Pandemie soll wieder mit Gläubigen gefeiert werden, allerdings unter strengen hygienischen Auflagen. Die evangelischen Kirchen starten erst am Sonntag, 24. Mai – bis auf Eichstetten, dort gab es schon am 10. Mai einen Gottesdienst in der evangelischen Pfarrkirche. Auch Freikirchen sind teilweise bereits mit Gottesdiensten gestartet.

Am Samstag legten Mitglieder der Eichstetter Kirchengemeinde gemeinsam mit Pfarrerin Ulrike Schneider-Harpprecht Hand an. Mit Bändern sperrten sie die Kirchenbänke bis auf jede dritte Reihe ab. In diesen wurden jeweils drei Nummern aufgeklebt, 40 insgesamt. So viele Sitzplätze sind nun ausgewiesen in der Kirche, die sonst – mit den jetzt ganz gesperrten Emporen – durchaus 300 Menschen aufnehmen kann. Ähnlich ist es in der katholischen Kirche St. Gallus in Hugstetten, wo ebenfalls nur jede dritte Reihe offen ist, mit insgesamt 48 Platznummern.

Dieses System soll zwischen den Gläubigen einen Mindestabstand von zwei Metern sichern. Spielraum nach oben gibt es, wie Pfarrer Karlheinz Kläger, Leiter der katholischen Seelsorgeeinheit March-Gottenheim, in der Hugstetter Kirche erläutert: "Kommt eine vier- oder fünfköpfige Familie, kann sie in einer Reihe nebeneinandersitzen, wir nehmen dann eine oder beide anderen Nummern in der Reihe raus." In der Gottenheimer Kirche St. Stephan sind 24 Plätze nummeriert. In den anderen katholischen Kirchen in March, Umkirch, Bötzingen und Eichstetteen finden noch keine Gottesdienste statt. Man nutze derzeit nur die beiden größten Kirchen, sagt Kläger, dort seien die Bänke jeweils von beiden Seiten zugänglich. So könne man auch die Kommunion feiern – ohne Abstandsprobleme: Die Gläubigen treten reihenweise nacheinander in den Mittelgang und gehen mit Abstand nach vorne, wo ihnen der Mundschutz tragende Priester die Hostie ausgibt oder das Segenszeichen macht, dann geht es über die Außenseiten in die Sitzreihen zurück. In Merdingen, das mit Breisach eine Seelsorgeeinheit bildet, sind 40 Plätze ausgewiesen.

Die Rückkehr des Kirchenrührers

Wie wird nun aber geregelt, dass nicht mehr Leute, als jeweils Platz ist, in die Kirchen kommen? In der Seelsorgeeinheit March-Gottenheim geht dies über Telefon Tel. 07665/425300 beim Hugstetter Pfarrbüro. So erhält man seine Platznummer, die mit dem Namen auf eine Liste kommt, anhand der ein Ordner den Platz in der Kirche zuweisen kann. So lässt die Corona-Krise ein Stück weit das vielerorts in den 1970er Jahren verschwundene Amt des Kirchenrührers oder Kirchenschweizers wieder aufleben.

In Merdingen geht es ohne Anmeldung, hier sollen sich die Gläubigen vor Beginn des Gottesdienstes mit einem selbst mitgebrachten Stift in eine Platzliste eintragen. Anders bei der evangelischen Kirche in Eichstetten, wo man auf Listen verzichtet, aber am Eingang Platznummern ausgibt, zusammen mit Liedblättern, die auch die Psalmen, Gebets- und Lesungstexte enthalten.

In Eichstetten wurde bereits am Sonntag, 10. Mai, ein solcher Gottesdienst gehalten, besucht von 26 Gläubigen, wie Pfarrerin Schneider-Harpprecht berichtet. Er dauerte nur knapp eine halbe Stunde, kürzer wie vor der Corona-Krise, in einem Format, das die Pfarrerin seit deren Beginn Ende März gleich erprobte. Sie hält seitdem an Sonn- und Feiertagen jeweils Gottesdienste und stellt diese via Smartphone auf Youtube ins Internet. Somit konnten Gläubige die Feiern live oder zeitversetzt verfolgen, die Liedblätter können an der Kirche abgeholt werden. Die Internetpräsenz behält die Eichstetter Pfarrerin nun bei, zumal nur eine kleine Zahl Gläubiger jetzt in der Kirche selbst mitfeiern könne.

"Das ist für uns eine Chance, auch mit Menschen Gottesdienst zu feiern, die nicht kommen können", erklärt die Pfarrerin. Nur sie, vielleicht noch ein Mitsänger, singt dabei laut, die Gläubigen summen allenfalls und schweigen auch zu den Gebeten. Auch bei den Katholiken singen nur der Pfarrer oder ein Vorsänger. Gebete und liturgische Formeln sprechen die Gläubigen mit, sollen dabei aber den Mundschutz anbehalten, erklärt Pfarrer Kläger. Einen Probelauf hatte er am vorigen Wochenende in Hugstetten mit Mitgliedern aus den Gemeindeteams aller Pfarreien der Seelsorgeeinheit gestartet. Überhaupt, so Kläger, spüre er einen wachsenden Zusammenhalt der Gemeindemitglieder, der Mut mache. Die Lage verlange, dass man neue Wege der Seelsorge erprobe, das sei eine Chance auch für die Zeit nach Corona, findet Pfarrerin Schneider-Harpprecht.