Geschick und Kraft ist gefordert

Paul Eischet

Von Paul Eischet

Mo, 09. September 2019

Zell im Wiesental

300 Jahre Alte Schmiede Mambach: Eine der ältesten Schmieden im Schwarzwald öffnete seine Tür am Tag des offenen Denkmals.

ZELL-MAMBACH. Beim Tag des offenen Denkmals gab es am Sonntag in der Alten Schmiede Mambach viel zu sehen und zu erleben. Zahlreiche Besucher von nah und fern wurden mit auf eine Zeitreise in die Vergangenheit des Schmiede- und Seilerhandwerks genommen. Man erfuhr, dass Handwerk in der Vergangenheit nicht immer nur goldenen, sondern durchaus auch schweißdurchtränkten Boden hatte.

Die Alten Schmiede Mambach ist eine der ältesten Schmieden im Schwarzwald und kann in diesem Jahr auf eine 300-jährige Geschichte zurückblicken. Beleg dafür ist das in den steinernen Löschtrog unterhalb der Doppelesse eingemeißelte Gründungsjahr 1719.

Bei den Vorführungen am Sonntag konnten die Gäste das handwerkliche Tun einstiger Schmiede hautnah miterleben. Schmiedemeister Bernhard Rudiger zeigte unter Mithilfe des Schopfheimer Kunstschmieds Marcel Rosello den Zuschauern die für die Beschlagung eines Wagenrads notwendigen Arbeitsschritte. Hierbei wurde die Lauffläche des Holzrades mit einem zuvor in der Esse erhitzten Stahlreif verstärkt. Den Zuschauern wurde eindrucksvoll vor Augen geführt, wie viel Geschick, Erfahrung und Kraft dieser an sich simpel anmutende Vorgang den Schmieden abverlangte. Beim Aufziehen des Reifens mussten auch Schmiedebesitzer Georg Staudenmayer und Gottfried Maier mit Hand anlegen.

Werner Radfelder und Gottfried Maier vom Verein "Alte Schmiede Mambach" informierten die Gäste über die geschichtliche und technische Historie der Alten Schmiede. In einem Nebengelass präsentierte Alois Peghini an einer traditionellen Seilermaschine die Handwerkskunst der Seilherstellung. Hier war Eigeninitiative gefragt. Die Gäste hatten die Möglichkeit, unter fachmännischer Anleitung ihr eigenes Seil aus Hanf oder Sisal zu fertigen. Ihr Ergebnis durften die "Hobbyseiler" dann auch stolz mit nach Hause nehmen. Auf diese Weise erfuhr jeder, der Lust am Selbermachen verspürte, wie viel Können und Geschick für die Herstellung eines Handwerksproduktes vonnöten sind.

Besichtigungen machen Durst und Hunger. In einem Nebengebäude war für das leibliche Wohl der Besucher gesorgt. Bei zünftiger Blasmusik von der Feuerwehrmusik Mambach ließ es sich gut sitzen und über das Erlebte schwätzen.

Zur Historie: Über sechs Generationen hinweg werkte und lebte in Mambach das Schmiedegeschlecht Gerspacher. Ihr Handwerksbetrieb diente als Huf- und Wagenschmiede für den Fuhrwerksverkehr auf der alten Straße des Hinteren Wiesentals. Ein vom Angenbach angetriebenes Wasserrad sorgte für den Antrieb der dröhnenden Schmiedehämmer. Neben dem regen Fuhrwerksgeschäft besorgten die Handwerker auch das Beschlagen der Arbeitstiere. Die regionalen Land- und Forstarbeiter ließen sich von den Mambacher Schmieden ihre metallenen Werkzeuge produzieren.

Der große Dorfbrand von 1870 legte die Schmiede in Schutt und Asche. Ein Jahr später wurde sie wieder aufgebaut. Im Jahr 1985 hatte es sich dann ausgeschmiedet – der Betrieb wurde eingestellt. Das historische Anwesen führte ein Schattendasein, bis es auf einer Zwangsversteigerung im Jahr 2010 von Georg Staudenmayer erworben wurde. Drei Jahre später wurde die Schmiede unter Denkmalschutz gestellt. Der neue Besitzer finanzierte die Restauration der nahezu verfallenen Gebäude aus eigener Tasche. Die maroden Maschinen wurden auf Vordermann gebracht. Das reichlich vorhandene Interieur wurde bewahrt. Dank all der gewissenhaften Bemühungen ist die Alte Schmiede Mambach wieder voll funktionstüchtig und der Öffentlichkeit zugänglich.

Führungen können unter info@schmiede-mambach.de vereinbart werden.