Diskussionsrunde

Wie kann eine Agrar- und Ernährungswende möglich werden?

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

So, 01. August 2021 um 17:40 Uhr

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Agrikulturverein, Ernährungsrat Freiburg und Region und Minister Peter Hauk debattieren im Forum Merzhausen über Landwirtschaft und Ernährung.

Neben der Klimawende brauche es dringend auch eine Agrar- und Ernährungswende. So lautete der Grundtenor der Redner im Forum Merzhausen am Wochenende. Der Agrikultur-Verein und der Ernährungsrat Freiburg und Region hatten zur Podiumsdiskussion zum Thema "Landwirtschaft und Ernährung zusammen denken und gemeinsam gestalten" eingeladen.

Als der Landesminister für Ernährung, ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk, erst mit mehr als einer Stunde Verspätung eintrudelte, hatten sich die einladenden Vereine den rund 70 angemeldeten Besuchern bereits vorgestellt. Hausherr, Merzhausens Bürgermeister Christian Ante, sowie Hanna Böhme in Vertretung des kurzfristig erkrankten Freiburger Oberbürgermeisters Martin Horn hatten ihre Grußworte bereits gesprochen.

Alle unterstrichen sie die Notwendigkeit von intakter Natur und gesunder Ernährung. Landwirtschaft nicht nur als Lebensmittelproduzent zu sehen, Lebensmittel nicht nur als Ware – so lauteten die Ansätze für den angestrebten Agrar- und Ernährungswandel. Ganz entscheidend dabei sei neben den strukturellen Änderungen bei den erzeugenden Betrieben und den Vertriebswegen auch der Bewusstseinswandel. "Wir brauchen Verbraucherinformation, wir brauchen Bildung", zitierte Böhme, die Vorsitzende der Freiburger Wirtschaft, Touristik und Messe GmbH, aus dem Grußwort Horns. "Es gibt kräftig etwas zu tun", versprach sie die Unterstützung der Stadt für den Ernährungsrat. Ein Gremium, das ausdrücklich im neuen Koalitionsvertrag der Landesregierung erwähnt wird.

Der verspätete Hauk stieg dann in die Themenrunde mit ein. Seine späte Ankunft erklärte er knapp damit, zuvor bei der Piwi-Weinprämierung beim Weinbauinstitut Freiburg gewesen zu sein, wo er auch schon zu spät gewesen sei. Mit Freundlichkeit hatten die Gastgeber die Verspätung des Ministers hingenommen. Einzig Wolfgang Hees war deutlich geworden. "Wertschätzung ist das nicht", meinte der Sprecher des Ernährungsrats, als nach knapp einer Stunde nach Veranstaltungsbeginn vom Minister noch nichts zu sehen war.

Die Politik habe nicht allzu große Spielräume, um etwas zur Ernährungswende beizutragen, erklärte Peter Hauk schließlich zum Thema des Abends. "Wir haben keine Planwirtschaft, sind nicht in der DDR oder Kuba." Er setze auf den Markt, denn es sei Sache der Nachfrage. "Wenn die Menschen bewusster einkaufen, wird die Produktion von alleine nachziehen", meinte Hauk. Er sei sicher, dass Landwirte nachfrageorientiert reagierten. Ansatzpunkt sei die Sensibilisierung, die Wertschätzung von Lebensmitteln, die "nicht selbstverständlich ist".

Möglichkeiten beim Land, selbst etwas konkretes zu tun, sieht er in der Vorreiterrolle. "Wir müssen in unseren Landeseinrichtungen vorangehen und dort auf nachhaltige, regionale Küche setzen", so Hauk, der auf Nachfrage einräumt, dass dies vielleicht noch nicht einmal in fünf Prozent der Kantinen umgesetzt sei. Hemmschuh seien dabei auch die Vergabejuristen im Finanzministerium, deutete er an. Letztlich bestimme auch die Kaufkraft den Lebensmitteleinkauf jedes einzelnen.

Ein Aspekt, den zuvor schon Bio-Caterer Albert Wöhrle deutlich gemacht hatte. Dass der Bioanteil im wachsenden Markt des außerhäuslichen Essens in Kantinen, Kindertagesstätten und Schulen lediglich bei 1,3 Prozent liege, sei eine Preisfrage. "Wenn wir für 6,80 bis 7,50 Euro ein Bio-Essen anbieten können, für Eltern die Obergrenze aber bei 4 Euro liegt, besteht eine Lücke." Diese Lücke müsse geschlossen werden.