Koalitionsverhandlungen der Grünen

Gewinner scheint Herr Strobel von der CDU zu sein

Dieter Gühr

Von Dieter Gühr (Waldkirch)

Sa, 17. April 2021

Leserbriefe

Zu: "Kretschmann setzt auf CDU", Beitrag von Axel Habermehl (Politik, 3. April)

Das Feigenblatt von 2016 ist obsolet. Damals konnte man sich ja noch hinter der Argumentation verstecken, dass den Grünen gar nichts anderes übrig blieb, als mit den Schwarzen zu koalieren. Aber bereits damals war eigentlich klar, dass es den Grünen nicht so sehr um frischen Wind, Innovation oder Gestaltungswille ging, sonst hätten sie bereits 2016 zum Beispiel das Bildungsministerium nicht der CDU überlassen dürfen.

Süffisante Bemerkung am Rande: Seit Bestehen des Landes Baden-Württemberg (1952) stellte die CDU den Bildungsminister oder die Bildungsministerin, Unterbrechung nur 2011 bis 2016 (SPD). Wenn den Grünen der neue Aufbruch von damals als Fortsetzung wichtig gewesen wäre, hätten sie niemals dieses Feld ab 2016 der CDU überlassen dürfen. Aber vielleicht hatten sie damals schon registriert, dass das Bildungsministerium in unruhigen Zeiten ein Kamikazejob ist, und deshalb darauf verzichtet, was auch nicht für die Grünen sprechen würde. Stattdessen müssen sich die Grünen jetzt mit ihrem Spitzenkandidaten rumschlagen, bei dem man immer den Verdacht hat, dass er vielleicht doch auch noch das CDU-Parteibuch irgendwo in seinem Vertiko versteckt hat. So zumindest sein Gebaren, ein Mann, dem man wünschen würde, dass er seinen wohlverdienten Ruhestand im Kreise seiner Enkelkinder genießen würde.

Aber das ist der Preis der Grünen, wenn man sich im Wahlkampf auf eine One-Man-Show einlässt, anstatt lieber auf ein paar Prozentpunkte zu verzichten und dafür auch noch in den Spiegel schauen kann. Ja, so ist es mit der Macht, wenn man erst mal daran geschnuppert hat. Schade, die Grünen sind inzwischen eben auch eine normale Partei geworden.

Der Gewinner scheint Herr Strobel zu sein, der im gestreckten Galopp vorher die Pferde gewechselt hat und jetzt gut da steht, als Vertreter einer Partei, die bereits 2016 im Koalitionsvertrag alles Mögliche unterschrieben hat, um danach in Adenauer’scher Manier ("Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern") zu handeln. Das sind in der Tat keine guten Voraussetzungen für die Zukunft Baden-Württembergs. Dieter Gühr, Waldkirch