Gose schwimmt zu Silber und ringt nach Luft

dpa

Von dpa

Sa, 13. August 2022

Schwimmsport

Bisher eine Medaille für das deutsche Team bei der EM / Synchronschwimmen jetzt auch für Männer.

(dpa/BZ). Völlig erschöpft hielt sich EM-Silbergewinnerin Isabel Gose am Beckenrand fest und pustete tief durch. Für ausschweifenden Jubel fehlten der 20-Jährigen nach ihrem langersehnten Erfolg über 800 Meter Freistil im Freiluftbecken die Kraft. "Das muss man erstmal sacken lassen nach der ersten internationalen Medaille auf der Langbahn bei den Erwachsenen", sagte sie wenige Minuten später und lächelte glücklich. "Dafür ist die Freude jetzt umso größer." Gose holte am Freitag die erste Medaille für das deutsche Team in Rom. Sie musste sich mit ihrer Zeit von 8:22,01 Minuten nur der italienischen Lokalmatadorin Simona Quadarella geschlagen geben. Bronze ging an die Türkin Merve Tuncel.

Bei der WM in Budapest hatte Gose vor rund anderthalb Monaten als zweitbeste Europäerin noch den sechsten Platz belegt und war darüber sehr unglücklich gewesen. Mit Verzögerung erfüllte sie sich nun ihren Traum vom Edelmetall in einer Einzeldisziplin. "Ich bin einfach super happy, dass ich die Medaille jetzt holen konnte und natürlich fällt da ein Riesendruck ab", sagte Gose. Gemeinsam mit Quadarella und Tuncel hatte sich Gose schon früh im Rennen von den anderen Schwimmerinnen abgesetzt. Dafür investierte sie extrem viel Energie. "Es war super anstrengend, aber das ist klar. Das sind die 800 Meter Kraul immer", sagte Gose. Bei der Siegerehrung wirkte sie schon ein wenig erholt und winkte mit beiden Händen in Richtung der voll besetzten Ränge.

Vor Goses Erfolg hatte Brustschwimmer Lucas Matzerath im Finale über 100 Meter den sechsten Platz belegt. Gold gewann der Italiener Nicolò Martinenghi. Er und weitere italienische Sportler sorgten mit ihren Erfolgen für riesige Begeisterung auf den Tribünen. Die Jubelstürme erinnerten an Fußball-Atmosphäre.

Der Italiener Giorgio Minisini ist der erste Synchronschwimm-Europameister in einem Einzel-Event nur für Männer. Der 26-Jährige setzte sich am Freitag in seiner Heimatstadt Rom in der Technischen Kür vor Fernando Diaz aus Spanien und dem Serben Ivan Martinovic durch. Die drei waren vor einem begeisterten Publikum im Foro Italico die einzigen Teilnehmer. Bei der Europameisterschaft in der italienischen Hauptstadt fand erstmals bei großen internationalen Titelkämpfen ein Wettbewerb nur für Männer statt. Bisher war das Synchronschwimmen, ebenso wie die bei den Turnerinnen angesiedelte Rhythmische Sportgymnastik, eine Frauen-Domäne – auch bei Olympia.

Bei den Frauen hatte die Münchnerin Marlene Bojer zuvor mit 81,9748 Punkten den siebten Platz belegt. Den Titel sicherte sich die Ukrainerin Marta Fiedina mit 92,6394 Zählern.

Nach 13 von insgesamt 77 Wettbewerben führt im Medaillenspiegel Gastgeber Italien (6 Gold/6 Silber/1 Bronze) vor den Niederlanden sowie der Ukraine (beide 3/0/0), Deutschland ist dank Isabel Goses Silbermedaille Siebter.