Kunststoffe

Graf erhält Umweltpreis für Recycling-Technologie

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mi, 25. November 2020 um 08:00 Uhr

Herbolzheim

Die Energy Globe Foundation würdigt die neue Anlage in Herbolzheim zur Wiederverwertung von Kunststoffabfällen.

Die Graf Gruppe in Teningen wurde mit dem Energy Globe National Award Germany ausgezeichnet. Prämiert wurde das Kompetenzzentrum für Rohstoffe in Herbolzheim, das durch Recycling von Kunststoffen pro Jahr 100 000 Tonnen CO2-Emissionen einspart, was nach Firmenangaben der Emission von 60 000 Personenwagen entspricht.

Die in Österreich gegründete Energy Globe Foundation zeichnet in sechs Kategorien nationale und internationale Projekte aus, die einen positiven Beitrag zur Lösung von Umweltproblemen leisten. Zudem werden seit 2016 in der Kategorie "Nachhaltige Kunststoffe" Projekte ausgezeichnet. Der Umweltpreis wurde im Jahr 2000 erstmals verliehen. Seither wurden bislang etwa 16 000 Projekte aus 182 Ländern eingereicht.

"Wir freuen uns außerordentlich über diese begehrte Auszeichnung. Sie ist für uns eine eindrucksvolle Bestätigung für die richtungsweisende Investition in die Rohstoffversorgung unseres Unternehmens", wird Otto P. Graf, Inhaber und Geschäftsführer der Graf Gruppe, in der Pressemitteilung zitiert.

Einzigartiges Verfahren entwickelt

Graf sortiert in der im Februar in Herbolzheim in Betrieb genommenen Anlage in einem bislang weltweit einmaligen Prozess farbiges wiederverwertbares Kunststoffmaterial mit einem hohen Anteil von schwarzem Kunststoff. Plastikmüll mit einem hohen Anteil an Schwärze konnte bisher nicht recycelt werden und wurde daher verbrannt. Mit der neuen Sortiertechnologie und einem einzigartigen Verfahren sei es Graf gelungen, diese abgenutzten Kunststoffabfälle zu recyceln und für die Herstellung neuer Produkte zurückzugewinnen, würdigt die Stiftung: "Mit dem Recycling von Kunststoffabfällen mit einem hohen Anteil an Schwärze auf hohem Niveau wurde ein großes Umweltproblem gelöst."

"Die Auszeichnung macht unseren Wissensvorsprung im Bereich der Rohstoffe sichtbar", betont Jörg Drägert, Rohstoffmanager und Projektleiter bei Graf. Das gewonnene Material entspreche der Qualität von neuen Kunststoffen und werde an den Graf-Standorten Teningen und Dachstein (Elsass) sowie ab 2021 auch in einem weiteren Werk in Neuried, verwendet. Aktuell verarbeitet Graf bei der Herstellung bereits 70 Prozent Rezyklat, mittelfristig will das Unternehmen den Anteil auf etwa 85 Prozent steigern.

Größte Einzelinvestition des Unternehmens

Der Bau des Kompetenzzentrums in Herbolzheim war die größte Einzelinvestition in der mehr als 50-jährigen Unternehmensgeschichte. Mit der eigenen Aufbereitung von Rohstoffen sichere man sich eine konstant hohe Qualität und ermögliche die nachhaltige Herstellung der Umweltprodukte. Das Werk in Herbolzheim sei ein wesentlicher Baustein der Unternehmensstrategie zur ressourcenschonenden Produktion, hatte Otto P. Graf schon bei der Einweihung im Februar betont. Das Bundesumweltministerium förderte das Projekt im Rahmen des Umweltinnovationsprogramms.

Graf hat sich frühzeitig auf Produkte zur Wasserbewirtschaftung spezialisiert und ist nach eigenen Angaben in vielen Marktsegmenten mittlerweile Marktführer. Die Produkte werden weltweit in mehr als 70 Länder exportiert. Logistikoptimierte Produkte reduzieren dabei auch beim Transport den CO2-Ausstoß. Trotz der zunehmenden Internationalisierung sind zwei Drittel der Mitarbeiter in Deutschland beschäftigt. Umsatz und Mitarbeiterzahl haben sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Für 2019 gibt das Unternehmen 600 Mitarbeiter und einen Umsatz von 120 Millionen Euro an. Auch 2020 sei man trotz der Corona-Pandemie weiter auf Erfolgskurs.